Schule

Lernen und Spaß haben

Spike (l.) beschäftigt sich mit „Hunderassen“, neben ihm durchstöbert Mats das Bio-Buch. Wolfgang Tyssen (l.) und Froukje Bosch schauen zu.

Spike (l.) beschäftigt sich mit „Hunderassen“, neben ihm durchstöbert Mats das Bio-Buch. Wolfgang Tyssen (l.) und Froukje Bosch schauen zu.

Foto: Kleve

Kleve.   Den Montessorizweig am Klever Konrad-Adenauer-Gymnasium gibt es seit einem Jahr.Am Mittwoch, 13. November, können sich Schüler und Eltern über das Angebot informieren

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Das Konrad-Adenauer-Gymnasium in Kleve lädt zu zwei Rundführungen am Mittwoch, 13. November, ein: um 15 Uhr und um 16.30 Uhr. Der klassische gymnasiale Weg und ein Montessori-Zweig stehen bei der Anmeldung für die Viertklässler zur Auswahl.

Seit Schuljahresbeginn 2012/13 läuft die Montessori-Methode in einem der fünften Schuljahre. Die Schülerinnen Sina und Sophia sind erfahrene Montessorianer – durchgehend seit Kindergartenzeiten. Nun, in der dritten Schulform ihres Bildungsweges, kennen sie sich routiniert aus mit selbstbestimmtem Lernen. Den Panda hat sich Sophia als Thema für die heutige Doppelstunde Freiarbeit ausgesucht. Sie hat sieben Wörter erdacht, die zu ihm passen, und erstellt gerade ein Kreuzworträtsel damit. Am Tisch nebenan schreibt Kaya eine Geschichte über das Pferd Moonlight. „Ich habe selbst geritten, aber ich wollte mehr Freizeit haben, darum habe ich aufgehört“, erzählt sie. Währenddessen lauscht Hannes über Kopfhörer dem „Karneval der Tiere“ und beantwortet für den Musikunterricht Fragen: Was sich Komponist Camille Saint Saens bei der Instrumentierung gedacht habe.

Ein Zettel gibt den 28 Kindern Ideen vor, was sie in der Freiarbeit tun können. Das Thema lautet „Tiere“. In Erdkunde geht es um Landwirtschaft, in Mathe um entsprechende Textaufgaben, in Physik behandelt man die Optik am Beispiel von Tieraugen, in Kunst wurden Bär und Ente in Komplementärfarben gemalt, selbst in Sport ahmen die Kinder Bewegungen von Tieren nach. Sechs Schulstunden pro Woche werden für die Freiarbeit angesetzt.

Dadurch, dass die Schüler selbst entscheiden, was sie gerade an Unterrichtsstoff erledigen möchten und in welchem Lerntempo, kommen sie schneller voran. Das sagt Wolfgang Tyssen, seit 18 Jahren Montessoridozent, der lange Zeit in Krefeld, seit zwei Jahren in Kleve unterrichtet. „Ich weiß, was ich mache“, beruhigt er skeptische Eltern, die Sorge haben, ihre Kinder würden faul durch Eigenverantwortung. „Objektiv beobachten und abwarten können“, das sei es, was die italienische Pädagogin Maria Montessori vor 130 Jahren propagierte: Lernen ohne Druck.

Das sieht die Mutter Froukje Bosch deutlich. Die Grundschullehrerin erinnert sich wie in ihrer Schulzeit Neugier ausgetrocknet wurde. Umso krasser erlebt sie den Unterschied zum Lehrstil heute: Wenn ihre Tochter Jasmijn jede Frage erforschen darf, zu Hause mehr Aufgaben erledigt als nötig, weil der Stoff sie interessiert.

Die Klassenpflegschaftsvorsitzende Froukje Bosch begleitet heute die Klasse. Alle Eltern können das. „Es fällt auf, dass alle Kinder mit Beginn der Stunde sofort arbeiten“, beobachtet sie. „Sie sind zielstrebig und wissen, was sie machen möchten“. Sie beschreibt den Unterschied: „Wenn man eine dreiviertel Stunde angequatscht wird, vergisst man viel. Maria Montessoris Wahlspruch ist dagegen meinem Kind auf den Leib geschrieben: Hilf mir, es selbst zu tun.“

Auch Eltern werden aktiv: Sie drucken Kärtchen über Flüsse in Europa aus oder installieren Computer. Wolfgang Tyssen: „Wir ziehen mit den Eltern an einem Strang. Ein Montessorilehrer ist nur Berater. Die höchste Stufe ist die Friedenserziehung: Stärken und Schwächen bei sich und anderen zuzulassen.“

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