Polizeieinsatz

Männer starteten Meuterei in Forensik in Bedburg-Hau

Die Polizei hatte am Sonntagabend die LVR Klinik abgesperrt, weil dort Insassen das Haus 38 besetzten.

Die Polizei hatte am Sonntagabend die LVR Klinik abgesperrt, weil dort Insassen das Haus 38 besetzten.

Foto: Thorsten Lindekamp

Bedburg-Hau.   Wegen einer versuchten Meuterei unter Straftätern in der Forensik in Bedburg-Hau war die Polizei im Großeinsatz. Ausbruchversuch als Ursache.

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Nach einem Ausbruchversuch und einem Gefangenen-Aufstand in der forensischen Psychiatrie in Bedburg-Hau am Niederrhein ermittelt die Polizei gegen mehrere Patienten. "Alle von ihnen sind verurteilte Straftäter", sagte ein Polizeisprecher am Montag. Am Sonntag hatten schwere Tumulte auf einer Station mit 19 Straftätern, die dort für eine Drogentherapie untergebracht waren, zu einem Großeinsatz der Polizei gesorgt. Erst nach mehreren Stunden war es gelungen, die Situation zu beruhigen.

Ein Patient, der nach schweren Gewaltdelikten in Drogentherapie war, war vom Klinikpersonal bei dem Fluchtversuch erwischt worden. Er habe die Gitterstäbe eines Fensters durchgesägt und sei gestoppt worden, als er gerade durch das Fenster klettern wollte. Er hätte jedoch noch weitere Mauern überwinden müssen, so der Polizeisprecher.

Klinik-Personal flüchtete aus Selbstschutz

Bei seiner Vernehmung habe der Mann angegeben, dass weitere sechs Männer seiner Station an dem Fluchtplan beteiligt gewesen seien. In der Folge sollten die sechs Männer verlegt und befragt werden. Als Reaktion darauf sei es dann am Sonntagnachmittag zu den tumultartigen Szenen gekommen. Patienten hätten lautstark randaliert, es seien Möbel zerstört worden und Gegenstände umhergeflogen. Das Klinikpersonal zog sich zurück. Die Polizei rückte mit rund 50 Kräften an, darunter auch ein Spezialeinsatzkommando.

Das Klinikpersonal hatte zur eigenen Sicherheit die Station verlassen, bestätigte ein Sprecher der Polizei am Sonntagabend. Die Polizei war daraufhin mit einer "Vielzahl von Kräften" angerückt, darunter waren auch Spezialkräfte. Die Beamten hatten ein Gebäude umstellt. Um 21.45 Uhr gab es dann endlich Entwarnung.

Die Patienten, die den Ausbruchsversuch geplant hatten, wurden auf anderen Stationen untergebracht. "Es gab keine Geiselnahme, keine Verletzten und niemand konnte entweichen", sagte ein Polizeisprecher am Montag. Die Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Ausbruchkomplott und den anschließenden Tumulten dauerten an.

Laut Polizei gab es keine Gefahr für die Bevölkerung

Die Beteiligten an dem Ausbruchsversuch seien laut Polizei "alle verurteilte Straftäter." Offensichtlich hätten die Patienten der LVR-Klinik einen Fluchtplan gehabt. "Auch von Fluchtwerkzeug war die Rede", erläuterte der Sprecher. Die Ermittlungen dazu dauerten am Montag noch an - die Ermittler wollten nun mit den Vernehmungen starten.

Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach Angaben der Polizei zu keiner Zeit. Menschen wurden nicht verletzt.

Die LVR-Klinik in Bedburg-Hau ist nach Darstellung auf ihrer Homepage eine der größten Einrichtungen in NRW zur Behandlung psychisch erkrankter Menschen. In der Klinik sind auch Patienten untergebracht, die eine Straftat begangen haben, zu dieser Zeit jedoch seelisch schwer krank und deshalb vermindert schuldfähig oder schuldunfähig seien. Im Mai 2017 war einem Psychiatrie-Gefangenen mit einer Geiselnahme der Ausbruch zeitweise geglückt. (mit dpa)

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