Freizeit

Mehr als nur eine Kneipe in Scheppenbaum

Willi und Marianne Bucksteeg vor ihrem ehemaligen Gasthaus „Zu den Kastanien“ an der Alten Bahn in Schneppenbaum.

Willi und Marianne Bucksteeg vor ihrem ehemaligen Gasthaus „Zu den Kastanien“ an der Alten Bahn in Schneppenbaum.

Foto: Markus van Offern

Schneppenbaum.  Das ehemaligen Gasthaus „Zu den Kastanien“ an der Alten Bahn in Schneppenbaum gab einem Fußballverein viele Jahre einen Vereinstreff.

Was selbst die alteingesessenen Schneppenbaumer kaum wissen: Bis 1928 stand das Lokal der Familie Bucksteeg an der Alten Bahn im Bereich der heutigen Hausnummern 90 und 92. Doch dann fiel das gesamte Gebäude einem Brand zum Opfer, und Wilhelm Bucksteeg – Opa von Willi – errichtete an der Kreuzung Alte Bahn/Mühlenstraße einen neuen Bauernhof mit Gaststätte und einer Kegelbahn.

Die Familie betrieb bis 1968 Landwirtschaft, und im Stall standen Kühe

„Wie lange das Lokal am alten Standort existierte, weiß heute keiner mehr“, sagt der 71-jährige Willi Bucksteeg, der mit seiner Frau Marianne (64) nur einen Steinwurf entfernt von ihrem ehemaligen Gasthaus in einem schmucken Einfamilienhaus lebt. Die Familie betrieb bis 1968 Landwirtschaft, und im Stall standen Kühe. „Aus Erzählungen weiß ich, dass im Krieg ein Panzer durch die Kegelbahn fuhr und sie komplett zerstörte. Ebenso ging vor der Theke eine Panzermine während einer Vorführung hoch, etliche Soldaten kamen ums Leben“, berichtet Bucksteeg weiter. Die Wucht der Zerstörung ist noch heute im Gebäude erkennbar.

1948 übernahm Paul Bucksteeg - Vater von Willi - die Gaststätte von seinen Eltern. Paul war Bäcker und führte sie an Stelle seines älteren gefallenen Bruders Matthias weiter. Ein Saal für Festlichkeiten wurde 1971 angebaut, und im Rahmen der Erweiterung der Alten Bahn wurden die Kastanien - Namensgeber des Gasthauses- vor dem Gebäude gefällt und kurze Zeit später erfolgte der Umbau des Hauses, so wie es heute aussieht.

Wie schon in Erfgen und Materborn war ein Sportverein hier zu Hause. Eintracht Schneppenbaum wurde 1964 gegründet, es waren Vater und Sohn Bucksteeg, die dem Verein eine Wiese für den Sportplatz zur Verfügung stellten. Willi gehörte 1974 zur Meistermannschaft als ein respekteeinflößender, eisenharter Verteidiger.

Die beliebte Schneppenbaumer Kirmes wurde früher jährlich abwechselnd mit dem „Schwanenhof“ gefeiert. In der Wiese des Bauern van Aken standen die Fahrgeschäfte und Buden, während im Hof der Wirtschaft das Zelt aufgebaut war. Willi Bucksteeg wurde zur Bundesmarine eingezogen und lernte seine Marianne über deren Vetter, der auch Matrose war, kennen und lieben. Marianne, gebürtig aus dem Dreiländereck im Bayrischen Wald bei Passau, ist gelernte Verkäuferin, und ihre Eltern waren in der Landwirtschaft tätig. 1974 heirateten sie. „Die Eingewöhnung war zunächst nicht leicht, aber da immer was zu tun war, kam kaum Heimweh auf“, erinnert sich die 64-Jährige. Und die drei Töchter, darunter Zwillinge, sorgten auch für viel Arbeit. Zum 1. Januar 1989 übernahmen beide das Gasthaus, beherbergten bis zum Schluss 30 Kegelclubs, veranstalteten unzählige Geburts- und Hochzeitsfeiern („Silberhochzeiten waren damals der Renner“.) und bewirteten ihre Gäste teilweise bis in die frühen Morgenstunden.

2005 fusionierte die Eintracht mit der SG Hasselt zur SGE Bedburg-Hau, und die zwei Plätze wurden überflüssig. „Der Sport war weg, der Tagesbetrieb wurde weniger. Daher haben wir Ende 2011 unser Lokal innerhalb von einer Woche modernisiert. Wir haben mehr Wert auf die Küche gelegt“, erklärte das Paar unisono. So erwarb man sich den Ruf einer ausgezeichneten Küche, auch über die Gemeindegrenzen hinweg.

Gesundheitliche Probleme zwangen zur Aufgabe der Gaststätte

Doch im Herbst 2016 bekam Willi Bucksteeg gesundheitliche Probleme, musste sich einigen Operationen unterziehen, und beim Wirtsehepaar reifte der Entschluss aufzuhören. „Bei unseren Töchtern, die alle einen Gastronomieberuf erlernten, hat es sich nicht ergeben, die Wirtschaft weiterzuführen. Wir haben es nicht bereut aufzuhören, und wir machen nun noch alles, was wir machen können“, sagen sie. Deshalb endete am 31. Dezember 2016 die Erfolgsgeschichte des Gasthauses „Zu den Kastanien“.

Schneppenbaum ist die zweitgrößte Ortschaft

Um 1400 wurden Landwehre angelegt, die Überfälle von der Gocher Heide her verhindern sollten. An wichtigen Straßen gab es bewachte Schlagbäume. Ein solcher Baum, „Schneppenbaum“ genannt, stand an der Straße von Goch nach Emmerich. Der Baum wurde nach dem Bauern Derik Snepppe benannt, der im 15. Jahrhunderts in der Nähe des Schlagbaums wohnte. Das Wappen zeigt einen Baum, in dem vier Schnepfen sitzen.

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