Restaurierung

Mehr Licht und Platz im Rahmen für das Kalkarer Gerichtsbild

Das Kalkarer Gerichtsbild erstrahlt nach einer umfangreichen Restaurierung in neuem Glanz.

Das Kalkarer Gerichtsbild erstrahlt nach einer umfangreichen Restaurierung in neuem Glanz.

Foto: Andreas Daams

Kalkar.   Das Kalkarer Gerichtsbild erstrahlt nach einer Restaurierung in neuem Glanz. Restaurator Jens Hofmann erläuterte spannende Details.

Links steigen sie zum Himmel empor, rechts warten die Feuer der Hölle. In der Mitte Jesus, der Weltenrichter. Das Jüngste Gericht diente in früheren Zeiten als Vorbild für das weltliche Gericht. Und so war das große Gerichtsbild bei Prozessen in Kalkar lange Zeit zugegen, wenn man im oder vor dem Rathaus Gericht hielt. Heute ist Kalkar eine der wenigen Städte, die noch über ein Gerichtsbild verfügen. Und das hat Jens Hofmann nun in seiner Werkstatt für insgesamt 18 000 Euro restauriert – ohne Kalkarer Steuergroschen, dafür mit Spenden und Fördermitteln.

Eine Arbeit, die sich gelohnt hat. Ungefähr 60 Neugierige waren zu seinem Vortrag ins Städtische Museum Kalkar gekommen, um das einstmals so dunkle Bild in neuem Glanz zu sehen. Dabei erzählte Hofmann von seiner Arbeit – und damit über die Arbeit des Schildermalers Rüdger Knop und derjenigen, die später an seinem Bild gearbeitet haben. Immerhin hat der Maler, der nebenher auch mal Kalkarer Bürgermeister war, das Entstehungsjahr genau festgehalten, wenn auch sehr klein: 1555. Das Eichenholz, auf das er gemalt hat, stammt wohl aus dem Baltikum. „So dicke Bäume gab es hier gar nicht“, sagte Hofmann.

320 Stunden Arbeit

So hochwertig das Material war, so schlecht hat man es seinerzeit im Rahmen befestigt. Hofmann hat alte Holzverstrebungen ausgemacht, die zwar nicht mehr existieren – die Dübel, die an der Vorderseite übermalt sind, existieren aber nach wie vor. Weil das Bild ursprünglich so fest verschraubt war, konnte es sich nicht bewegen. Die Folge: Risse. Die hat man wohl nach dem Krieg mit aufgeklebten Hölzern an der Rückseite wieder zusammengefügt. Auch hat man in der Vergangenheit Schadstellen recht großflächig übermalt. So wurde das Bild dunkler und dunkler.

In insgesamt 320 Stunden haben Hofmann und seine Werkstatt nun die Firnisse und die meisten Übermalungen mit modernen Mitteln abgenommen. Hofmann: „Der schönste Moment ist, wenn man das, was noch vom Ursprung da ist, wieder hervorholt und die vielen Details erkennen kann.“ Wobei auch eine Vielzahl kleiner Fehlstellen zum Vorschein kam, die man nun wieder retuschieren musste.

Um dem Holz den nötigen Platz zum „Arbeiten“ zu geben, steht die Tafel nun in einem eigens dafür einmontierten Holzbett im wuchtigen Rahmen.

Stadtführung am 28. Januar

Hier allerdings hört die Restauration auf. Denn Hofmann hat Spuren von Gold an der weißen Einrahmung gefunden, was auf eine Vergoldung hindeutet. Und er vermutet, dass mindestens Teile des dunklen Rahmens mit einer Art gemaltem Marmor versehen waren, wie es damals Mode war. Das alles sieht man also nicht. Aber man sieht endlich wieder helle Farben, schimmerndes Licht und die lustigen Höllenmonster. Platziert hat man das großformatige Bild nun im zweiten Obergeschoss des Museums. Hier ist es besser vor Temperaturänderungen geschützt, was die Restauratoren in 500 Jahren erfreuen dürfte. Die haben dann noch einen Vorteil: Die Arbeit von Hofmann ließe sich durch die verwendeten Verfahren verhältnismäßig leicht wieder entfernen. Aber in den nächsten Jahrzehnten können sich die Kalkarer Bürger und ihre Gäste nun wieder ein frisches und zugleich kulturhistorisch bedeutendes Werk ansehen. Ob Hinterlassenschaften unserer Zeit dereinst auch so eine Würdigung erfahren werden, ist offen.

Eine Stadtführung mit Helene Meurs nimmt sich das Gerichtsbild genauer vor und ordnet es ein ins Kalkarer Stadtleben des 16. Jahrhunderts. Die Führung findet statt am Sonntag, dem 28. Januar, um 14 Uhr. Treffpunkt ist auf dem Markt.

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