Fotos 15. Juni 15.11Uhr

Modellfamilie durch alle Zeit macht Jugend Spaß in Kleve

Am Freitag spielte die Jugendgruppe von Theater im Fluss die Premiere von "Wir sind noch einmal davongekommen".

Am Freitag spielte die Jugendgruppe von Theater im Fluss die Premiere von "Wir sind noch einmal davongekommen".

Foto: Andreas Daams

Kleve.  Das „Theaterlabor“ vom „Theater im Fluss“ Kleve spielte Thornton Wilders 40er-Jahre-Klassiker „Wir sind noch einmal davongekommen“

Gut gereift ist Thornton Wilders Stück „Wir sind noch einmal davongekommen“. Es ist eine Art Menschheitsdrama im Taschenformat, mal grob gepinselt, mal extrafein, traurig und absurd, also ganz so, wie das Leben nun mal ist. Im „Theater im Fluss“ wurde die Gruppe „Theaterlabor“ unter Regie von Harald Kleinecke dafür euphorisch gefeiert. Und das völlig zu Recht.

Leidenschaftliches Spiel

Die Jugendlichen spielten die Rollen der Homo-sapiens-Modellfamilie Antrobus, angelehnt ans griechische „Anthropos“ für „Mensch“, mit großem Witz und sichtbaren Spaß. Das Stück ist dreigeteilt, ein Teil spielt vor der Eiszeit, einer vor der Sintflut und einer nach einem großen Krieg. In der Klever Inszenierung werden Vater, Mutter und Dienstmädchen in jedem Akt von anderen Ensemble-Mitgliedern gespielt, während Tochter (Lennart Osterkamp) und Tochter (Jana Dreis) die Kontinuität jugendlicher Rebellion verkörpern.

Spielt das Stück in der Höhle oder in New Jersey?

Der Herr des Hauses (Roderich Wildfeuer, Janis Krebbers, Yannis van Soest) knobelt im Büro an Menschheitserfindungen herum, erdenkt das Alphabet und das Rad, während die Gattin (Tina Kersten, Delaja Ramirez, Insa Höing) die häusliche Ordnung aufrechtzuerhalten versucht. Wobei gerade das Dienstmädchen (Selina Koenen, Annika Ramcke, Sofie Ruddat) immer wieder die Theaterlabor-Situation quasi von außen betrachtet: „Der Autor kann sich nicht mal entscheiden, ob das Stück nun in einer Höhle spielt oder in New Jersey.“

Was Brecht mit seinen Verfremdungseffekten eher pädagogisch einsetzt, ist bei Wilders Stück geradezu Thema. Im großen Welttheater spielen alle nur ihre Rollen, und alle Auflehnung bringt nur einen Verweis des Regisseurs mit sich. Eine Sexszene vor all den Leuten – dazu ist die Schauspielerin nun wirklich nicht bereit. Und eine Plastikflasche ins Meer werfen – „Ich bin bei Fridays for Future, das würde ich nie tun“, stellt eine andere klar.

Vollends ins Absurde

Irgendwie tauchen auch noch Moses, sprechende Papageien und Telegrammboten auf. Schon das Bühnenbild mit seinen Plastik-Dinosauriern, Holzblöcken und Landhaus-Möbeln betont die Absurdität.

Und wenn die Handlung – eigentlich immer eine Art Strategie zum Umgang mit der Todesgefahr – vollends ins Abstruse kippt, macht das Stück am meisten Spaß. Gegen Ende baut die Theatergruppe sogar ein Plakat für die Errichtung eines Kulturzentrums auf dem Pannier-Gelände ins Stück ein.

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