Krimidinner

Mord, Humor und gutes Essen

Festliche gedeckte Tische, mit künstlichen Spinnweben an den Kandelabern stimmungsvoll inszeniert zum Krimi-Dinner auf Burg Boetzelaer.

Festliche gedeckte Tische, mit künstlichen Spinnweben an den Kandelabern stimmungsvoll inszeniert zum Krimi-Dinner auf Burg Boetzelaer.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kalkar-Appeldorn.   Beim Krimi-Dinner auf Burg Boetzelaer in Kalkar-Appeldorn lösten Gäste ihre Gutscheine ein. Auserwählte entpuppten sich als Schauspieltalente.

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Die 760 Jahre alte Burg Boetzelaer in Appeldorn ist herrliche Kulisse für viele Arten von Veranstaltungen. Ausstellung, Lesung, Musik – und diesmal Mord, Humor und gutes Essen. Ein „Krimidinner“ hatten sich 38 Gäste geleistet oder schenken lassen und wurden somit alle Anwärter auf die imaginären Millionen bei der Testamentseröffnung von Lord Ashtonburry. Der ungeliebte George ruht nunmehr in der Urne

Viele Gäste an den festlich gedeckten Tischen hatten sich herausgeputzt. Schon erfahren mit solchen Events? „Nein, ich mache das zum ersten Mal mit, aber ich hab’s gegoogelt,“ verrät Karin Maas-Tiedemann aus Goch. Sie hat mit Stephanie Tiedemann ihrer Mutter Renate Maas-Vondermann diesen Abend geschenkt. Denn die Mama liebt Kriminalgeschichte. Entzückende Hütchen, Schleier vor dem Gesicht, machen alle drei zu noblen Teilen der Verwandtschaft. Krimis sind eigentlich nicht so ihr Genre, verrät die Tochter. „Ich bin eher ein ängstlicher Typ,“ gesteht sie, als prompt Blitz und Donner den Saal erschüttern. Untermalt ist der Abend bei jedem Gang mit dem prägnanten jazzigen Sound der Edgar-Wallace-Filme. Der Geist Englands der frühen 60er Jahre weht durch die alten Mauern.

Das Darstellerteam des Essener Unternehmens „World of Dinner“, das an 200 passenden Schauplätzen in ganz Deutschland mit verschiedenen Krimi- und Zauber-Shows gastiert, ist gut aufgelegt und hat einen Blick für Talent-Zuwächse vom Niederrhein. Die meisten zahlenden Gäste bleiben einfach Zuschauer, aber nicht alle. Die Rollenverteilung ist ausgeklügelt.

Ein junger Mann bekommt bei seiner Ankunft eine Ledertasche in die Hand gedrückt, er möge den Arzt spielen. Ein Borsalino-Hut macht ihn später für den Kommissar identifizierbar: „Ach, da sind Sie ja, Herr Doktor“. Butler Bunter (Sascha von Zambelly) im gebuchten Ensemble ist ein versnobter, schlagfertiger Kerl, so ganz nach Edgar-Wallace-Geschmack. „Angelunfall? Haken hängen geblieben?“ nimmt er sich das Augenbrauen-Piercing des Laien-Doktors Dominik Kerum aus Emmerich vor. Der aber kniet sich lässig zur Leiche, die zwischen Vorspeise und Suppe vor den Augen aller zu Boden fiel, verheddert sich nur ein bisschen im Stethoskop, schnuppert an der Leiche und urteilt souverän: „Gift“. Übrigens feiert der junge „Arzt“ seinen Hochzeitstag mit Ehefrau Svenja schon zum dritten Mal mit einem solchen Dinner.

Vom Tisch weg bittet die Witwe Lady Ashtonburry (Nadja Hamami) vier Helfer, die Leiche hinaus zu tragen – netterweise hat der Teppich dafür Griffe.

Im Laufe der Ermittlungen ist später ein Bobbyhut als Scotland-Yard-Assistenz zu vergeben. Die Wahl fällt auf Andreas Wensing aus Kleve – ebenfalls eine gelungene Besetzung, die allen im Saal echten Spaß macht. Obendrein ist er auch am Ende noch der Los-Gewinner für eine Flasche Schampus, als er – einer unter acht Gästen – den Mörder richtig tippte.

„Hokkaido-Kürbissüppchen mit ganzen Früchten“

Was die Gäste her treibt? Meist das Einlösen von Gutscheinen. „Dieser Abend ist ein Geburtstaggeschenk für meine Frau“, sagt Hermann Düngelhoff aus Kevelaer. Er verkörperte den Notar zur Testamentsverlesung mit Hingabe.

Zwei ältere Düsseldorfer hätten alternativ auch ein ähnliches Dinner in der Nähe haben können, in einem Hotel. Die Atmosphäre auf Burg Boetzelaer fanden sie aber passender und reisten lieber an. Ein Ehepaar aus Geldern dagegen saß sein Geschenk nur ab: Zauberei wäre ihm lieber gewesen.

Claudia Holtmann und Roland Klein aus Niedermörmter gehören aber zu den echten Krimi-Fans im Raum und tüfteln während des lustigen, delikaten Vier-Gänge-Menüs – „es gibt ein Hokkaido-Kürbissüppchen mit ganzen Früchten“ – , wofür da wohl ein Gewehr liegt...

Ab Oktober bis April, so erzählt Ursula Kostyrok von Burg Boetzelaer, laufen Krimi-Dinner im Appeldorner Wasserschloss, meist vor 60 bis 80 Mitwirkenden: www.burgboetzelaer.de.

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