Insekten

Nabu Kranenburg möchte Projekt gegen Insektenschwund starten

Wildstaude Wiesenbocksbart mit Schwebfliege

Wildstaude Wiesenbocksbart mit Schwebfliege

Foto: NABU Kranenburg

Kreis Kleve.  Der Nabu Kranenburg möchte mit Regio-Wildstaudenprojekt etwas gegen den Insektenschwund tun. Die Projektkosten liegen bei knapp 750.000 Euro.

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Als eine Studie im vergangenen Jahr den Rückgang von Insekten um 75 Prozent festgestellt hatte, war das Entsetzen groß. Seitdem sind viele Kommunen und viele Bürger aktiv geworden, Blühstreifen an Feldrändern oder Straßen wurden angelegt, um den Tierchen Nahrung und Lebensraum zu bieten. Auch das Bundesamt für Naturschutz reagierte und fördert Projekte, die helfen sollen dem Insektenschwund etwas entgegen zu setzen.

NABU stellte Projekt im Planungsausschuss vor

Die Nabu-Naturschutzstation Niederrhein mit Sitz in Kranenburg möchte mit dem Projekt „Die Schönen Wilden vom Niederrhein für Balkon, Garten und Grünanlagen“ dazu beitragen und bittet den Kreis Kleve, die Gemeinde Kranenburg und die Städte Emmerich und Kleve um Co-Finanzierung. Am Donnerstag stellten Dietrich Cerff und Katja Plumbaum vom Nabu Kranenburg das Projekt im Planungs- und Umweltausschuss vor.

„Wir wollen in attraktives Angebot an Wildstauden schaffen“, heißt es im Antrag des Nabu. Produziert werden sollen dabei ausschließlich heimische Pflanzen, sogenannte Regio-Wildstauden. Die Idee des Nabu: dieses Pflanzgut soll im konventionellen Handel platziert und verkauft werden. Gärtnereien sollen die Pflanzen ziehen, Baumärkte oder Gartencenter sie verkaufen.

Niedrigschwelliges Angebot

Für Kunden soll so ein niedrigschwelliges Angebot entstehen. Der Nabu würde sich um die Qualitätssicherung und Standards für die Produktion kümmern. Auf diese Weise sollen die Torfmenge und die Verwendung von Pestiziden reduziert, Plastik vermieden und nicht zuletzt die Regionalität gestärkt werden.

Weil der Bund keine Vollfinanzierung übernehmen würde, fragt der Nabu Unterstützung durch die Kommunen an, die im Projektgebiet lägen. Die Gesamtkosten des auf sechs Jahre angelegten Projektes liegen bei 749.500 Euro, 637.075 Euro kämen dabei aus dem Bundeshaushalt. Beim Kreis Kleve wurde Förderung in Höhe von 74.950 Euro beantragt, in Emmerich, Kleve und Kranenburg zusammen 27.475 Euro. Der Nabu selbst würde 10.000 Euro einsetzen.

Gartenbaubetriebe und Kommunen sollen beraten werden

„Wir wollen die Bevölkerung informieren“, erklärte Katja Plumbaum. Workshops für Gartenbauer sollen angeboten, Gartenbaubetriebe und Kommunen beraten werden, so Plumbaum. „Wir wollen Nachfrage schaffen und stärken.“ Nachhaltig soll das Ganze zusätzlich dadurch sein, dass die Stauden in plastikfreien Töpfen angeboten werden, die einfach mit in den Boden gepflanzt werden können.

Für einen weiteren Radius seien auch Tagungen und Messe-Teilnahmen geplant. „Es ist viel Informationsarbeit nötig, damit die Menschen sich unter dem Begriff Regionales etwas vorstellen können“, sieht Plumbaum die Mittlerrolle des NABU. Ausdrücklich erwünscht sei auch die Teilnahme lokaler Gartenbaubetriebe, ergänzte NABU-Geschäftsführer Dietrich Cerff. Das nordrhein-westfälische Tiefland, so der Biologe, sei Auftaktgebiet für ein letztlich bundesweit geplantes Projekt.

Die Kranenburger Politik hatte dazu viel Gesprächsbedarf. Manfred Maas, Fraktionsvorsitzender der SPD, erkundigte sich nach dem Grund für die hohen Personalkosten. Sie liegen bei 476.000 Euro, während die Sachkosten mit 273.500 Euro beziffert werden.

Personalintensives Projekt

„Das Bundesamt möchte, dass die einzelnen Projektschritte extern von Gutachten begleitet werden“, erklärte Cerff. Es sei ein personalintensives und zugleich reizvolles Projekt, sah auch Michael Baumann-Matthäus von Bündnis 90/Die Grünen. „Es bedeutet für Kranenburg auch einen gewissen Werbeeffekt sich zu beteiligen.“

Bei dem Projekt gehe es auch um Wirtschaftsförderung, ergänzte Parteikollege Andreas Mayer. Ziemlich skeptisch betrachtete Bürgermeister Günther Steins den NABU-Plan: „Die Gemeinde hat bereits einen erheblichen Beitrag gegen das Insektensterben geleistet“, sagte er mit Blick auf die 5,5 Hektar, auf denen man Saatgut ausgebracht habe. Er sprach sich gegen eine kommunale Mitfinanzierung aus und hielt die Wirksamkeit des Projekts insbesondere in kleinen Vorgärten für „zu minimalistisch“.

Der Kranenburger Ausschuss vertagte eine Entscheidung in den nächsten Rat. Die Emmericher Verwaltung steht dem Projekt positiv gegenüber und schlägt dem Rat vor, sich für eine Unterstützung auszusprechen.

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