Unfallstatistik

Nach dem Blechschaden: Ein Zettel reicht nicht

Lackschaden am hinteren Kotflügel – wer zahlt die Reparatur? Immer häufiger flüchten Unfallverursacher nach einem Blechschaden.

Foto: Roland Weihrauch

Lackschaden am hinteren Kotflügel – wer zahlt die Reparatur? Immer häufiger flüchten Unfallverursacher nach einem Blechschaden.

Kleve.   Zahl der Unfallfluchten nahm drastisch zu. Sogar, wenn es Verletzte gab. Das geschieht etwa alle drei Tage im Kreis Kleve, errechnet die Polizei.

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Immer häufiger entfernten sich Unfallverursacher, wenn sie einen Blechschaden angerichtet haben. 1786 Mal haben sich im vergangenen Jahr Verkehrsteilnehmer so aus dem Staub gemacht, ohne sich um den entstandenen Schaden zu kümmern – durchschnittlich also fast fünfmal am Tag. Das geht aus der Polizeistatistik hervor. Das sind über 200 gemeldete Fälle mehr als im Vorjahr und ein Plus von fast 14 Prozent.

48 Prozent werden aufgeklärt

Aufgeklärt werden kann knapp jeder zweite Fall, die Quote beträgt 48,7 Prozent. Zum Einsatz kommen dafür bei der Polizei Spurensicherungsfolien, aber auch Zeugen werden angehört und Aufrufe in den Medien gestartet.

117 Mal – also im Durchschnitt alle drei Tage – sind Verkehrsteilnehmer im vergangenen Jahr sogar dann vom Unfallort verschwunden, wenn es Verletzte gab. In diesen Fällen ist die Aufklärungsquote aber deutlich höher, sie liegt nach Polizeiangaben mit 76 Prozent im Kreis Kleve deutlich über dem Landesdurchschnitt. „Häufig sind es bei solchen Fällen Kinder, die verunglücken“, sagt Polizeisprecher Achim Jaspers.

Ein ganz typischer Fall ist der vom 14. November vergangenen Jahres am Ostwall in Geldern. Beim Rechtsabbiegen stieß ein Mann in einem Geländewagen mit einem zwölfjährigen Mädchen zusammen, das dort mit dem Fahrrad unterwegs war. Der Mann stieg zwar kurz aus und sprach mit dem Kind, stieg dann aber wieder ein und fuhr davon. Das Mädchen habe damals offensichtlich unter Schock gestanden, urteilt die Polizei. Es erlitt Verletzungen am Fuß.

Als Erwachsener hat man eine besondere Verpflichtung

„Manchmal sagen Kinder sogar, dass ihnen nichts fehlen würde“, sagt Achim Jaspers. Oftmals stünden sie eben unter Schock, wollten nur weg vom Unfallort. „Vor allem Kindern gegenüber hat man als Erwachsener aber eine besondere Verpflichtung“, mahnt Jaspers.

Daher solle man in solchen Fällen die Polizei verständigen. Der gelang es beim Fall in Geldern übrigens durch einen öffentlichen Aufruf, den Unfallfahrer zu ermitteln.

Es gibt keine Anhaltspunkte, warum die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr so nach oben geklettert sind, so die Polizei. „Man spürt aber, dass die Sensibilität in der Bevölkerung zugenommen hat“, sagt Jaspers. Früher wurde nicht jeder Kratzer zur Anzeige gebracht. Früher waren Stoßstangen noch nicht lackiert und daher unempfindlicher für Schäden. Heute kommen die Autofahrer schneller zur Polizei und erstatten Anzeige.

Es sei aber auch immer noch so, dass einige Verkehrsteilnehmer die „Klassiker“ unter den Unfallfluchten, wie abgefahrene Seitenspiegel oder Lackschäden beim Ausparken vor dem Supermarkt, immer noch als Kavaliersdelikt betrachten. „Dabei ist das eine Straftat“, sagt Jaspers. Die werde üblicherweise mit zwei Punkten in der Verkehrssünderkartei und einer Geldstrafe belegt. Bei besonders schweren Fällen droht außerdem der zeitweise Führerscheinentzug.

Eine Viertelstunde warten

„Verursacher sind manchmal deutlich weniger kritisch, was das Ausmaß der Schäden an fremden Fahrzeugen angeht, als wenn es sich um ihr eigenes Auto handeln würde“, sagt Jaspers. Dabei seien Kostenvoranschläge von Werkstätten selbst bei kleineren Schäden selten dreistellig.

Es reicht übrigens nicht aus, einen Zettel unter den Scheibenwischer des beschädigten Autos zu klemmen, sagt der Polizeisprecher. Hat man ein parkendes Auto angefahren, müsse man eine angemessene Wartefrist einhalten, um dem Besitzer des Fahrzeugs die Möglichkeit geben, zurück zu kommen. Was angemessen ist, kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein, mindestens eine Viertelstunde sollte man aber warten. Ist der Autobesitzer bis dahin nicht aufgetaucht, führe kein Weg daran vorbei, umgehend die Polizei zu informieren.

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