Fipronil-Skandal

Nachfrage nach Bio-Eiern steigt im Kreis Kleve

Ina Antoczewski, Andrea Bodden und Jessica Standtke (von links) hocken hinter freilaufenden Hühnern des Bioland-Geflügelhofs Bodden.

Foto: Niklas Preuten

Ina Antoczewski, Andrea Bodden und Jessica Standtke (von links) hocken hinter freilaufenden Hühnern des Bioland-Geflügelhofs Bodden. Foto: Niklas Preuten

Kreis Kleve/Gelderland.   Ökologisch produzierende Höfe verkaufen seit Bekanntwerden des Fipronil-Skandals mehr Eier. Der Handel sieht keine negative Auswirkungen.

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Als die Autos des Veterinäramts vor einigen Tagen auf den Hof fuhren, gab Andrea Bodden den Mitarbeitern zwölf Eier mit „einem guten Gefühl“ zur Kontrolle mit. „Sie hätten gerne auch noch mehr mitnehmen können“, sagt sie. „Wir produzieren unsere Lebensmittel ohne jegliche Chemie, damit keine Diskussionen aufkommen können“, ergänzt Jens Bodden. Er führt mit seiner Ehefrau den Bioland-Geflügelhof Bodden in Goch-Hommersum. Der Skandal um mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier scheint in dem nur einen Steinwurf von der niederländischen Grenze entfernten Familienbetrieb weit weg.

Doch auch die Boddens spüren dessen Auswirkungen. „Trotz der Ferien ist die Nachfrage erfreulich gut“, stellt Andrea Bodden fest. Die 1625 Hennen des landwirtschaftlichen Betriebs legen in zwei festen und zwei mobilen Ställen täglich rund 1440 Eier, die an den Kalkarer Geflügelhof Reuvers, den Naturkostgroßhandel Peter van Leendert und direkt verkauft werden.

Bioland-Höfe kooperieren

Einige hundert Eier in der Woche nehmen derzeit auch Boddens Kooperationspartner Marie-Thres Nissing und Godehard Schnütgen ab. Denn auf dem Kranenburger Bioland-Hof Reutersgut des Ehepaars sind erst gestern neue Legehennen angekommen, die ihre ersten kleinen Eier nach rund einer Woche legen. Die Bio-Bauern hatten in der vorvergangenen Woche 1000 Hühner schlachten lassen. „Wir haben den Herdenwechsel bewusst in die eigentlich Eier-schwache Zeit in den Sommerferien gelegt“, sagt Schnütgen. „Dass jetzt der Skandal bekannt wurde, passt überhaupt nicht. Alle möchten Eier haben. Wir könnten die doppelte Menge verkaufen. Der Kampf ums Bio-Ei tobt.“

Denis Brüggemeier hat festgestellt, dass „unsere Kunden großes Vertrauen in deutsche Eier haben“. Die Verkaufszahlen hätten sich seit Bekanntwerden des Fipronil-Skandals nicht verändert, so der Edeka-Geschäftsführer. „Durch die Regionalität der Bauern sind wir gut aufgestellt.“ Die sechs Brüggemeier-Supermärkte beziehen ihre Eier in der Regel vom Möllenhof aus Kevelaer und dem Geflügelhof Reuvers. „Nur zu Ostern oder vor Weihnachten haben wir auch mal niederländische Eier im Sortiment“, sagt Brüggemeier.

Auch die Kunden im Nachbarland seien nicht ängstlich, berichtet Thed Maas. Der Journalist der niederländischen Regionalzeitung „De Gelderlander“ sagt, dass Verbraucher überall Eier kaufen könnten, es gebe keine Engpässe. „Es wird die Frage diskutiert, ob stillgelegte, vom Konkurs bedrohte Höfe Entschädigungen erhalten“, so Maas. In direkter Grenznähe sei noch kein landwirtschaftlicher Betrieb betroffen.

Welche weiteren Kreise der Fipronil-Skandal ziehen wird, ist noch nicht absehbar. Dass Bio-Bauern auch nach der aktuell erhöhten Nachfrage von einem Sinneswandel bei den Verbrauchern profitieren könnten, glaubt Jens Bodden jedoch nicht: „Nach drei Wochen ist alles vergessen, und die Menschen kaufen wieder Eier für zehn Cent. Das ist schließlich nicht der erste Skandal.“ Andrea Bodden möchte die Hoffnung gleichwohl nicht aufgeben, dass „die Verbraucher sich mehr Gedanken darum machen, wo die Lebensmittel herkommen, die sie essen“.

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