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Nachwuchs-Tischler zeigen im Berufskolleg Gesellenstücke

Tischlergesellen Wetbewerb "Die gute Form". Das höchste Jury-Lob seit Jahren erntete Moritz Hübbers aus Kranenburg für diesen Notebook-Arbeitslatz. Er nimmt damit am Landeswettbewerb teil. -- Hier begutachtet Juror Wolfgang Gebing die durchdachten Details.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Tischlergesellen Wetbewerb "Die gute Form". Das höchste Jury-Lob seit Jahren erntete Moritz Hübbers aus Kranenburg für diesen Notebook-Arbeitslatz. Er nimmt damit am Landeswettbewerb teil. -- Hier begutachtet Juror Wolfgang Gebing die durchdachten Details. Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve.   Tischler gestalteten ihr Gesellenstück. Jury bewertet nach eigenem Geschmack und war sich einig über den Sieger. Berufskolleg zeigt die Möbel.

Was ist „schön“ an einem Möbel? Das ist oft erst mal Gefühlssache, verbunden mit den ganz persönlichen Ansprüchen an die Funktion des Stücks. Das lässt sich oft schwer in Worte fassen, es sei denn, man ist von der Tischlerinnung. Dann muss man das.

Die Auszubildenden von den Berufskollegs Kleve und Geldern haben ihre Prüfungs-Gesellenstücke wieder zum sehenswerten Wettbewerb „Die gute Form“ zusammen gestellt. Den kann sich in dieser Woche jedermann anschauen (täglich 14-16 Uhr im Kolleg). Ein paar Durchschnittsbürger aber wurden wie jedes Jahr gebeten, die Jury zu sein. Denn sie wären ja auch die künftigen Kunden.

Idee ist wichtiger als die Funktion

Wer unter den Gesellen Innungsbester geworden ist und die Fachleute mit Zinken und Zapfen überzeugte, steht auf einem anderen Blatt und wird auch anderswo geehrt. „Das zu bewerten, dafür gibt es den Gesellenausschuss“, erklärt Obermeister Heinz-Josef van Aaken. „Hier ist wichtiger, welche Idee dahinter steckt, als die ausgereifte Funktion.“ Es geht darum, ob man als Juror fühlt und sieht, ob sich der Tischler intensiv mit dem Holz beschäftigt hat, an Details und Proportionen feilte oder ein unpersönliches Möbelstück schuf, das überall in jedem Möbelhaus stehen könnte, vielleicht sogar da abgeguckt und nachgebaut wurde.

Umgekehrt allerdings ist auch der Markt erbarmungslos: Jede schöne Idee kann „geklaut“ werden, in Winzigkeiten verändert, schon wäre ein Design-Schutz „Geschmacksmuster“ hinfällig. „Jedes Gebrauchsmöbel hatte mal einen Prototyp“, erklärt Hans Christoph Bittner, Formgebungsberater der Tischler in NRW.

Notebook-Arbeitsplatz beeindruckt die Jury

Er gibt an die Juroren Bewertungsbögen aus. Jeder begutachtet alle 19 Stücke für sich. Und doch zeigt die Punktzahl am Ende eine Eindeutigkeit, wie sie der Obermeister in 30 Jahren Jury noch nicht erlebt hat.

Ein edler Schreibtisch, nein, Notebook-Arbeitsplatz, überzeugt schick in Nussbaum und Schwarz, in moderner Schlichtheit, mit samtig ausgeschlagener Notebook-Klappe und eingebauten Steckanschlüssen. „Mein Zimmer, mein Stil“, schreibt dazu der Schöpfer, Tischlergeselle Moritz Hübbers aus Kranenburg (Betrieb Buekers, Goch). Mehrere Juroren fragten an, ob sie den Tisch kaufen könnten. Nein, er gehört dem Gesellen. Was, wenn der ihn als Prototyp nähme und in Serie fertige?

Tief beeindruckte auch die klare Formensprache von Jannik Müller (Goch, Schreinerei Diebels Goch). Ein Sideboard haben viele seiner Kollegen auch gebaut, aber seines, zweifarbig, mit ineinander greifenden Korpus-Teilen, ist wirklich originell.

Möbelstücke, die Staunen lassen

Staunend steht man ebenso vor dem Barschrank in Nussbaum mit vielen feinen, auch ausziehbaren Details, den Thorben Meier (Goch, Firma Georg Meier Goch) als „Hingucker an der geraden Wand“ empfiehlt. „Ein Hängeschrank ist für kleine Räume interessant“, verrät er.

Auch die Anrichte von Philipp Theyssen (Isselburg, Firma Innenausbau Janssen, Rees) und das LED-umleuchtete Bett mit Safe im Nachttisch von Markus Janshen (Straelen, Firma Rathmakers Wachtendonk) brachten Auszeichnungen ein.

Ludger Stratenschulte, Bereichsleiter Bau/Holztechnik kündigt an: Mit dem Notebook-Arbeitsplatz wird Moritz Hübbers am Landeswettbewerb „Die gute Form“ teilnehmen mit Aussicht auf den Bundeswettbewerb.

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