Schulen

Neue Lösung für den Ringtausch der Kalkarer Schulen

Die ehemalige St.-Nikolaus-Hauptschule in Kalkar soll zum Jahresende als Gymnasium fertig gestellt sein.

Die ehemalige St.-Nikolaus-Hauptschule in Kalkar soll zum Jahresende als Gymnasium fertig gestellt sein.

Foto: Thorsten Lindekamp

Kalkar.   Neue Architekten-Lösung in Kalkar kostet weniger, bringt aber mehr. Das bisherige Grundschulgebäude wird doch nicht gebraucht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es ist ein Meilenstein. Es gibt eine neue Lösung für den Ringtausch der Kalkarer Schulen, der einstimmig im Schulausschuss empfohlen wurde. Er kostet sogar 15 000 Euro weniger als die vorherige Planung und bietet doch technisch mehr Leistung. Gunnar Ader vom Architektenteam Ader und Kleemann stellte die Neuerungen vor. In den letzten drei Wochen war die Idee in Absprache mit der Verwaltung und den Schulleitungen gereift. So kurzfristig deshalb, weil das Anmeldeverhalten der Eltern zu den weiterführenden Schulen der auslösende Faktor war.

Denn die Realschule Kalkar wird mit nur zwei Eingangsklassen ins neue Schuljahr gehen. Damit entfällt die Notwendigkeit, die bisherige Grundschule am Schulzentrum als Werkraum, Lehrküche und für zwei Klassen zu nutzen. Das wurde immer schon von den Politikern sehr kritisch gesehen, die Alleinlage auf der anderen Straßenseite, wie wolle man das vernetzen? Nun also bleibt diese alte Rektoratsschule leer, kann vielleicht später abgerissen werden. Man wird sehen.

„Kopfbau“ des neuen Gymnasiums

Ader und Kleemann haben Räume neu zugeteilt. Es bleibt dabei, dass das Gymnasium ins leere Gebäude der aufgelösten Hauptschule umzieht und die Grundschule (Am Bollwerk 22) ins Gymnasium (Am Bollwerk 16). Die Realschule (Am Bollwerk 14) braucht nun nur eine Klasse mehr plus Werkraum und Hauswirtschaftsküche. Die bekommt sie im „Kopfbau“ des neuen Gymnasiums. Optisch ist sie zwar ans Gymnasium angeknüpft, aber der Nebeneingang wird zweigeteilt mit einer Wand: links Eingang in diesen Realschul-Trakt, rechts Fluchtweg fürs Gymnasium. Das wurde bereits mit dem Brandschutz abgestimmt. Auch die Installation für den Realschul-Werkraum ist einfach, weil im Keller darunter ohnehin Technik steckt.

Das Jan-Joest-Gymnasium bekommt einen musischen Trakt im Erdgeschoss. Physik und Biologie, bisher mit etwas veralteter Technik in den Tischen ausgestattet, ziehen um ganz nach rechts in den würfelförmigen Anbau – „Gebäudeteil D“. Der wird naturwissenschaftliches Zentrum des Gymnasiums. Schulleiterin Susanne Jansen dankte, dass dort das technische System ergänzt wird, „wie es moderner naturwissenschaflicher Unterricht braucht“.

Kritik am Schulkiosk

Teils mit Wanddurchbrüchen fanden die Architekten Lösungen für Lehrerzimmer, Konferenzraum, Silentium, Computer-Arbeitsplätze, „Antipfusch-Raum“. Die baulichen Änderungen bekommt Kalkar für 134 000 Euro. Das Herrichten des Naturwissenschafts-Traktes wird 247 000 Euro kosten, davon allein 220 000 Euro fürs Ausbauen der Technik in „Energie-Würfeln“ an der Decke, auch im Chemieraum. Ader empfahl außerdem, gleich die Beleuchtung auszutauschen.

Willibald Kunisch (Grüne) dankte lächelnd „allen, die zu dieser Verzögerung beigetragen haben“. Kritisch sahen er sowie Johannes Kösters (Forum) und Günter Pageler (FBK) aber die neue Position der „Bäckerei“ im Pausenbereich des Gymnasiums. Sie zieht ins Materiallager um, wird als „Lounge“ für Gymnasiasten eingerichtet. Nur durch ein Fenster zum Realschulhof werden Brötchen und Frikadellen auch an Realschüler unter einem sechs mal drei Meter großen Wetter-Vordach verkauft. Die Politiker empfanden diese Trennung als unangenehm und nicht zeitgemäß. Die Schulleiter wünschten es aber so, wegen der Aufsichtspflicht der Lehrer und Hausmeister. Bisher sei bei schlechtem Wetter die Gymnasiums-Pausenhalle mit Kindern beider Schulformen überfüllt.

Anbau oder Aufstockung bei Bedarf

Marco van de Löcht (SPD) hakte nach, ob die Planung auch passe, wenn die Realschule mehr Anmeldungen bekomme und wenn das Abitur „G9“ mehr Raum brauche. Letzteres wird erst im Jahr 2026 spürbar, so Susanne Jansen. Fachbereichsleiter Schule, Andreas Stechling, sagte, man könne bei Bedarf einen Anbau oder eine Etagen-Aufstockung überlegen.

Der Zeitplan sieht die Ausschreibung im April, Fertigstellung der Gymnasiums-Klassen im Hauptschulgebäude Ende 2018, dann den Beginn der Umbauten im bisherigen Gymnasium und den Umzug der Grundschule dort hinein in den Sommerferien 2019 vor. Danach folgt der Umbau des Gebäudeteils D/Naturwissenschaften des Gymnasiums.

>> DIE SCHULANMELDEZAHLEN

Im Schulausschuss gab Fachbereichsleiter Andreas Stechling auch die Schulanmeldezahlen für Kalkar bekannt.

Weiterführende Schulen: Fürs Jan-Joest-Gymnasium – jetzt mit G9, also neun Schuljahren bis zum Abitur – meldeten Eltern 89 Kinder an, die höchste Zahl seit der Aufzeichnung im Jahr 2006. Im Vorjahr waren es 70 Kinder. Von den neuen Gymnasiasten kommen 46 aus Kalkar, 25 aus Bedburg-Hau, 9 aus Uedem, 4 aus Xanten, 1 aus Kleve, 2 aus Kevelaer, 1 aus Weeze, 1 aus dem Ausland.

Für die Realschule entschieden sich 59 oder 60 Kinder (Vorjahr noch 79). Somit können nur zwei Eingangsklassen statt bisher drei gebildet werden. Es kommen 33 Angemeldete aus Kalkar, 12 aus Bedburg-Hau, 9 aus Uedem, 2 aus Xanten, 2 aus Goch, 1 aus Sonsbeck, 1 aus Kleve.

Grundschulen: In die Grundschulen gehen ausschließlich Kalkarer Kinder, verteilt aus verschiedenen Ortsteilen. Josef-Lörks-Grundschule: 69 Kids, Heinrich-Eger Appeldorn 25 (davon 11 aus Appeldorn), der Bestand ist gesichert. St.-Luthard-Grundschule Wissel: 51 (davon 26 aus Wissel).

Laut Stechling handelt es sich mit 145 Kindern um einen geburtenstarken Jahrgang. Im Vorjahr waren es 134 Erstklässler. Fürs nächste Jahr erwartet der Schulentwicklungsplan 143 Kinder, danach wieder 120, dann in 2021/22 wären es wieder 138 Grundschulanfänger.

Inklusion: Im Ausschuss fragte der sachkundige Bürger Johannes Kösters (Forum) an, ob beim Umzug der Josef-Lörks-Grundschule ins Gymnasialgebäude ein behindertengerechter Fahrstuhl vorgesehen sei. Verwaltung: bisher nicht. Laut Schulleiterin Sigrid Lenders kommt derzeit ein Kind hin und wieder mit dem Rollstuhl. Der vorhandene Aufzug am musischen Trakt des Gymnasiums ist nicht geeignet, weil zu schmal und die Tür lasse sich nicht vom Rollstuhlfahrer allein öffnen, so die Verwaltung. Behindertengerecht sind allerdings die Eingangs-Rampe und eine Toilette geplant. Ein neuer Lift ließe sich im Bedarfsfalle unproblematisch anbauen, für beide Schulformen brauche es aber dann wohl zwei Aufzüge, so Architekt Gunnar Ader. In der Verbindung zwischen Gymnasium und Grundschul-Gebäudeteil gibt es drei Stufen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben