Natur

Auch am Niederrhein leidet die Artenvielfalt bei Insekten

Blühende Grünstreifen am Straßenrand können für Insekten schon wertvoll sein.

Foto: Oliver Mengedoht

Blühende Grünstreifen am Straßenrand können für Insekten schon wertvoll sein. Foto: Oliver Mengedoht

Kleve.   Nabu-Referent Dietrich Cerff sprach beim Kellener Imkerverein über die Pflanzenwelt im Kreis Kleve. Zu wenig Blumenwiesen, auch Wälder überdüngt.

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In der öffentlichen Wahrnehmung stehen Pflanzen ganz im Schatten der Tierwelt. „Dabei kann man die Bedeutung der Pflanzen nicht überschätzen, denn sie sind die Basis der Nahrungspyramide.“ Dietrich Cerff, Geschäftsführer der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, nahm bei seinem Vortrag in Haus Riswick buchstäblich kein Blatt vor den Mund. Etwa 60 Interessierte, Mitglieder des Kellener Imkervereins und viele Gäste, dürften nun noch etwas sensibler in die niederrheinische Landschaft schauen.

Artenreiche Landschaften

Klar: Pflanzen wandeln Sonnenlicht in biologische Energie um, wovon dann – bis auf ganz wenige Bakterien – alle Tiere leben, direkt oder indirekt. Also: „Ohne Pflanzen kein Leben.“ Insekten sind auf Pflanzen angewiesen und Menschen auf Insekten. Cerff zitierte aus einer groß angelegten Studie, dass der Erdbeer-Ertrag steigt, je mehr Wildbienen und Hummeln beteiligt sind. Die brauchen aber eine vielfältig gestaltete Landschaft mit Brachen und Gehölzen, keine Monokulturen. Und da fängt das Problem an.

Beispiel Blumenwiesen. Die gab es auch am Niederrhein einmal sehr häufig, heute kommen sie fast nur noch an Deichen und in Naturschutzgebieten vor. Sie werden zweimal jährlich gemäht und wenig gedüngt. So ähnlich wie die Feuchtwiesen, die einst weit verbreitet waren. „Die sind fast vollständig durch Trockenlegung und Düngung verschwunden“, so Cerff. Am Kranenburger Bruch oder bei Groesbeek direkt hinter der Grenze kann man noch Sumpfdotterblumen oder Kuckuckslichtnelken finden. Eine Pflanze wie die Englische Kratzdistel kommt überhaupt nur noch an drei Standorten in Deutschland vor, darunter in der Nähe von Elten.

Auch um die dritte Wiesenvariante, den Magerrasen, ist es schlecht bestellt. Ihn gibt es noch in den Wisseler Dünen oder am Drususdeich bei Rindern. Ansonsten, so Cerff, bestünden das Grünland heute zu 90 Prozent nur noch aus ganz wenigen Wiesengras-Arten.

Sogar die Wälder sind überdüngt

Die Folge: „Der Rückgang der Artenvielfalt im Grünland ist immens.“ Einen Hauptgrund dafür sieht er in der Isolierung von naturnahen Lebensräumen. Wenn in einem dieser kleinen Gebiete eine Insektenart ausstirbt, haben die Insekten in anderen Gebieten keine Möglichkeit mehr, über Ackerflächen und Wohnbebauung dorthin zu gelangen und es wieder zu besiedeln. Sogar die Wälder sind überdüngt, weil sich zu viel Stickstoff über die Luft dort ablagert.

Wichtige Lebensräume für Insekten sind daher inzwischen Bahnlinien oder Straßenränder. Aber auch im heimischen Garten kann man etwas für die Artenvielfalt tun – jeweils abhängig vom Boden. Zum Beispiel nicht düngen, den Rasen mähen, das Mähgut wegschaffen und schauen, was passiert.

Rosa- und lilafarbene Pflanzen ziehen Insekten an

Oder Stauden pflanzen, gerade rosa- und lilafarbene Pflanzen ziehen Insekten an. Auch Disteln sind bei Insekten extrem beliebt. In Feldgehölzen wie dem Weißdorn leben gar mehrere hundert Insektenarten. Was Dietrich Cerff am Rande aber auch immer wieder einfließen ließ: wie schön blühende Pflanzen sind, ob klein oder groß. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

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