Natur im Garten

Parlamentspräsident besucht Bedburg-Hauer Garten

Das pralle Leben. Gärten müssen nicht geleckt aussehen, um schön zu sein. Eine geordnete Unordnung unterschiedlicher Stauden, Gräser und Einjähriger macht den Reiz aus.

Das pralle Leben. Gärten müssen nicht geleckt aussehen, um schön zu sein. Eine geordnete Unordnung unterschiedlicher Stauden, Gräser und Einjähriger macht den Reiz aus.

Foto: Andreas Gebbink / nRZ

Bedburg-Hau.  Am Samstag besucht der österreichische Parlamentspräsident den Garten von Bender/ Lucenz. Es geht um das unterschätzte Privatgrün.

Sie gärtnern seit Jahrzehnten, haben einen enormen Erfahrungsschatz aufgebaut und wissen einfach, was man tun muss, damit Pflanzen, Insekten und Vögel ein geeigneten Lebensraum im Privatgarten vorfinden. Manfred Lucenz und Klaus Bender gehören zu den bekanntesten Gärtnern in Deutschland und führen jährlich tausende Besucher über ihr Anwesen in Schneppenbaum. Doch so schön wie bei den passionierten Hobbygärtnern sieht es mittlerweile leider nur in sehr wenigen Gärten aus. Vielmehr herrscht graue Tristesse und das gärtnerische ABC: Asphalt, Beton und Cotoneaster.

Ökologische Inseln in einer zerstörten Landschaft

Die beiden Gärtner wünschen sich mehr Vielfalt und setzen sich dafür auch politisch ein. Ein schöner Privatgarten steigere nicht nur die Lebensqualität, sondern Gärten seien „ökologische Inseln in einer weitgehend zerstörten Landschaft“, sagt Manfred Lucenz. Es sei daher gut, dass viele Menschen nun offenbar gewillt sind, etwas zu verändern. Aber leider gebe es in Deutschland nur wenige Strukturen und Hilfestellungen: „Es fehlen zum Beispiel unabhängige Beratungsstellen. Viele Menschen wissen einfach nicht, welche Pflanzen für welchen Boden geeignet sind und worauf man beim Kauf achten sollte“, sagt Lucenz.

Auch die Ausbildung der Landschaftsgärtner müsse erweitert werden. „Denen fehlt die Erfahrung fürs ökologische Gärtnern“, sagt Klaus Bender. Seit einigen Jahren beteiligen sie sich daher am Stipendien-Programm der NRW-Stiftung. Gärtner in der Ausbildung können in ihrem Garten sehen, wie man ökologisch nachhaltig zu Werke geht.

Privatgärten einen neuen Stellenwert geben

Im Nachbarland Österreich ist man bereits einen Schritt weiter. Hier hat vor allem der Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka eine führende Rolle eingenommen. Er engagiert sich seit langem für die Aktion „Natur im Garten“. Am kommenden Samstag wird Sobotka mit einer ganzen Delegation von hochrangigen Vertretern und Gartenexperten an den Niederrhein kommen, um sich über den Naturschutz im Privatgarten auszutauschen und voranzutreiben. Mit dabei ist auch der CDU-Landtagsabgeordnete Günther Bergmann.

Die Kernaufgabe für die nächsten Jahre sei die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten zur ökologischen und naturnahen Gestaltung sowie Pflege von Gärten und Grünräumen in privaten und öffentlichen Bereichen. „Die ökologische Bedeutung von Privatgärten ist in Deutschland noch kein öffentliches Thema und so empfinden wir den Besuch des Parlamentspräsidenten aus Wien als eine Bestärkung unserer Arbeit“, so Manfred Lucenz.

Sobotka wird sich auf seiner Reise auch mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und dem ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer über das Thema „Natur im Garten“ austauschen.

Einen Pakt zwischen Hobbygärtnern und Forschungsinstituten

Die österreichische Aktion „Natur im Garten“ arbeitet eng mit Bildungs- und Forschungseinrichtungen zusammen und sucht einen Zusammenschluss zwischen Profis und Hobbygärtnern. Auch danach suche man in Deutschland vergeblich. Vielmehr müsse man häufig erleben, dass Erfahrungen aus dem Privatgarten – etwa zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers – von Forschungsinstituten belächelt und bekämpft würden. „Gärtnern hat in Deutschland noch immer den Stellenwert von ,Blümchen pflanzen’. Dabei ist die Bedeutung viel größer“, betont Manfred Lucenz.

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