Ausstellung

Projektraum Bahnhof 25 zeigt verschiedene Kunstansätze

Dean Ruddock und Paula Roesch stehen vor Arbeiten von Sjaak Kooij.

Dean Ruddock und Paula Roesch stehen vor Arbeiten von Sjaak Kooij.

Foto: Andreas Daams

Kleve.  Im Projektraum Bahnhof 25 stellen jetzt Sjaak Kooij, Dean Ruddock und die aus Kleve stammende Paula Roesch aus.

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Alles wird schlimmer, also alles wie immer. Eine männliche Stimme spricht Sätze wie diesen aus dem Off. Man sieht Bilder dazu, schwarz-weiße Schnipsel der deutschen Jetzt-Zeit. Häuserzeilen, Innenräume, Strommasten, Windräder, Menschen. „Mir wird schwindelig“, sagt der Erzähler immer wieder. Ein Refrain der Unsicherheit angesichts all dieser Eindrücke. Etwas über vier Minuten dauert Dean Ruddocks Filmgedicht, das er zusammen mit dem Kameramann Kamil Hartwig in Paderborn realisiert hat. „Und jeder weiß, dass alles zerreißt.“

Zu sehen ist diese Arbeit im Projektraum Bahnhof 25 in Kleve. Auch zur inzwischen 46. Ausstellung gibt es wieder eine Menge Neues zu sehen und zu hören. „Es ist eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaft auf ganz unterschiedliche Weise“, beschreibt Ausstellungsmacherin Elisabeth Schink den groben Rahmen. Man könnte hinzufügen: So unterschiedlich, wie die Menschen sind, so unterschiedlich sind ihre künstlerischen Ansätze.

Vervielfachung eines Elements

Dean Ruddocks etwa setzt auf die Vervielfachung eines Elements. Zur Textzeile „die Füße unter Strom“ sieht man Vögel, die auf einer Hochspannungsleitung sitzen. Hinzu kommt der Soundtrack, der zwischen Ruhe und Nervosität changiert. Paula Roesch, in Kleve aufgewachsen und in Bonn wohnhaft, macht es ganz anders: Sie sucht Gemeinsamkeiten im Unterschiedlichen, bringt Wasseroberfläche und Hautmuster zusammen, glatte Fotobilder und rau Aufgemaltes.

„Ich habe täglich Eindrücke von Körpern und Landschaften“, sagt sie. „Es sind Ebenen, die sich in meiner Wahrnehmung überlagern.“ Resultate nicht zuletzt ihrer privaten Situation: Paula Roesch lebt auf einem Hausboot und ist viel als Tätowiererin tätig. Da liegen die Assoziationen buchstäblich auf der Hand. Körper bekommen bei ihr den Status eines Kunstmediums, das man bearbeiten kann. Wenn sie also Fotografien bemalt, geht es auch um Strukturen im fotografisch Geglätteten. Wenn sie selbst fotografiert, sind es gerade die Falten, Gelenke, Wölbungen, die sie auf ungewohnte Weise in Blick nimmt.

Fokus auf die Details

Der niederländische Künstler Sjaak Kooij wählt einen dritten Weg, mit seinen persönlichen Eindrücken umzugehen: Er fokussiert sie. Seine Gemälde zeigen immer Menschen, aber die sind fast nie zur Gänze ausgearbeitet, sondern nur in einigen Details – dann aber nahezu fotorealistisch. Eine rauchende Frau: Man sieht die Zigarette, den Mund, die Hände, doch das übrige Gesicht verklumpt zu Farbstreifen. Ein Arbeiter in Detroit: Er hält konzentriert einen gemalten Wischer, der in abstrakte Farbflächen hineinragt. Seine Farben sind grell, seine Motive deutlich, mitunter drastisch. Ein Mensch mit zugenähtem Mund hält einen toten Vogel. Hier weist der persönliche Eindruck ins Politische hinaus, wird, wenn man so will, zur Anklage.

Vermutlich gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, die Arbeiten der drei Künstler zu betrachten – so viele Möglichkeiten, wie es Betrachter gibt. Das ist das Schöne an der Kunst: dass sie niemals eindeutig sein muss.

Die Ausstellung ist bis zum 25. Februar zu sehen, jeweils samstags und sonntags zwischen 13 und 17 Uhr

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