Hilfsangebot

Psychosoziale Prozessbegleitung im Landgerichtsbezirk Kleve

Stefan Kisters-Teuwsen, Birgit Strauss, Regina Hussmann-Walter und Ute Schluepner (von links) begleiten Opfer schwerer Gewalttaten im Landgerichtsbezirk Kleve.

Foto: Niklas Preuten

Stefan Kisters-Teuwsen, Birgit Strauss, Regina Hussmann-Walter und Ute Schluepner (von links) begleiten Opfer schwerer Gewalttaten im Landgerichtsbezirk Kleve. Foto: Niklas Preuten

Kreis Kleve.   Speziell ausgebildete Sozialarbeiter stehen Opfern während der psychosozialen Prozessbegleitung im Landgerichtsbezirk Kleve bei.

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Die Begegnung mit dem Täter vor Gericht wird für Opfer schwerer Gewalttaten oft zur Qual, wenn sie als Zeugen in einem Strafprozess aussagen müssen. Das erste Wiedersehen ruft häufig belastende Erinnerungen wach, die ungewohnte Atmosphäre im Gerichtssaal kann einschüchtern, kritische Nachfragen des Verteidigers verstärken die Nervosität. Die psychosoziale Prozessbegleitung soll Opfern helfen, die schwierige Situation zu meistern. „Wir sorgen dafür, dass Geschädigte nicht allein dastehen“, sagt Birgit Strauss vom Caritasverband Geldern-Kevelaer. Sie ist eine von fünf zugelassenen Prozessbegleitern im Landgerichtsbezirk Kleve.

Seit dem 1. Januar 2017 ist die psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahrensrecht verankert, doch bislang nutzt am Niederrhein kaum ein Opfer das Angebot. Die Hilfsmöglichkeit scheint noch nicht in den Köpfen angekommen zu sein. Dies wollen die drei Träger – die Caritas, der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) im Kreis Kleve und der Ambulante Soziale Dienst des Landgerichts Kleve – nun ändern.

Vorbereitung auf den Strafprozess

Im Unterschied zur etablierten Zeugenbetreuung kann die psychosoziale Prozessbegleitung bereits ab der ersten polizeilichen Vernehmung und damit deutlich früher ansetzen. „Wir können mit den Menschen über einen ziemlich langen Zeitraum zusammen arbeiten“, sagt Stefan Kisters-Teuwsen von der Caritas. Die Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, die eine spezielle Ausbildung zu Prozessbegleitern absolvierten, bereiten die Opfer auf die Situation im Gerichtssaal und die Eigenheiten eines Strafprozesses vor, stehen ihnen während der Verhandlung bei und vermitteln weitere Hilfen nach Abschluss des Prozesses. „Wir sprechen aber nicht über die Tat selber, weil dies die Erinnerung verändern würde. Das ist nicht erlaubt“, stellt Regina Hussmann-Walter vom SkF klar. Das Angebot versteht sich als Ergänzung und nicht als Ersatz für eine Therapie oder psychologische Beratung.

Antrag auf kostenfreie Beiordnung

Insbesondere minderjährige Opfer schwerer Sexual- oder Gewaltstraftaten haben einen Anspruch auf eine kostenlose psychosoziale Prozessbegleitung. Auch Erwachsene können einen Antrag auf kostenfreie Beiordnung stellen, über den dann ein Richter entscheidet. Eine dauerhafte Betreuung vor, während und nach dem ersten instanzlichen Verfahren kostet rund 1100 Euro, die Betroffene im Fall eines abgelehnten Antrags auch selbst zahlenmüssten.

In Niedersachsen, wo die psychosoziale Prozessbegleitung bereits länger angeboten wird, sei der Erfolg wissenschaftlich bewiesen worden, betont Stefan Kisters-Teuwsen: „Weil die Aussagen der Zeugen belastbarer sind, hat auch das Gericht etwas davon.“

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