Mensch am Mittwoch

Raimund Philippi gibt jungen Musiktalenten in Kleve Freiraum

Raimund Philippi leitet das Forum junger Talente an der Kreismusikschule.

Foto: Andreas Daams

Raimund Philippi leitet das Forum junger Talente an der Kreismusikschule. Foto: Andreas Daams

Kleve.   Raimund Philippi leitet das Forum junger Talente an der Kreismusikschule Kleve. Er hat gleich zwei Studien absolviert: Gitarre und Komposition.

Wenn kleine Kinder großartig musizieren, sorgt das immer für Begeisterung. Und es gibt ja auch so einige, auf die das Attribut „Wunderkind“ gerne Anwendung findet. Aber wie schafft man es, die Talente zu fördern, ohne sie zu überfordern, zu verbiegen, letztlich unglücklich zu machen? Viele Musikhochschulen haben hierauf Antworten gefunden. Aber für Kinder aus dem Klever Raum sind Düsseldorf oder Münster einfach zu weit weg. Die Kreismusikschule Kleve hat deshalb das „Forum junger Talente“ entwickelt, das ein ähnliches Konzept verfolgt.

Raimund Philippi leitet das Forum seit einigen Jahren. Er ist Gitarrist und Komponist und hat selber als Student von einem Stipendium profitiert. „Die jungen Talente sollen nicht als Stars verfeuert werden, sondern Raum bekommen, sich musikalisch zu entwickeln“, betont er. Neben dem Hauptinstrument erhalten sie Unterricht in einem zweiten Fach, dazu Gehörbildung und Musiktheorie, außerdem spielen sie in Ensembles mit. Wichtig sind die Projekte, die immer wieder stattfinden – etwa Meisterkurse bei renommierten Interpreten. Zwei junge Pianistinnen, Stella Keller und Alissa Rahimi, nutzen derzeit die Förderung. „Das Forum junger Talente ist aber offen auch für Kinder zwischen neun und 14 Jahren, die nicht Schüler der Kreismusikschule sind“, sagt Philippi.

Die Idee seiner Mutter

Und wie war das bei ihm selber? Philippi, Jahrgang 1963, ist in Kleve aufgewachsen und hat mit ungefähr zehn Jahren begonnen, Gitarre zu spielen. „Das war eine Idee meiner Mutter“, erinnert er sich. Das Instrument machte ihm Spaß, erst mit Unterricht, dann einige Zeit als Autodidakt in der eigenen Band, schließlich wieder mit Unterricht. Weil er in der Schule die Leistungskurse Musik und Physik belegt hatte, wollte er ursprünglich Tonmeister werden. Aber dann entschied er sich doch fürs Gitarrenstudium. „Ich hatte früh eigene Songs geschrieben, gegen Ende des Studiums kam das Verlangen wieder auf, mich kompositorisch zu betätigen.“ Er zeigte einige Stücke an der Musikhochschule in Maastricht und bestand die Aufnahmeprüfung.

Während er Komposition studierte, unterrichtete er in Kleve, in Bocholt, an der VHS und privat. Längst ist er nur noch an der Kreismusikschule tätig, wo er um die 50 Schüler betreut. Einige Jahre hat er hier eine Band geleitet, jetzt baut er gerade ein Ensemble mit akustischen Gitarren auf. Viele ehemalige Teilnehmer werden sich ein Leben lang gerne an die Projekte erinnern, die Philippi vorangetrieben hat: das Beatles-Projekt etwa.

Neben all dem Unterrichten versucht Raimund Philippi gerade wieder, verstärkt zu komponieren. Eine Tätigkeit, zu der man eine Menge Zeit braucht. „Meine Kinder sind groß, jetzt habe ich mehr Freiraum“, sagt er. Über die grundsätzlichen Fragen, was musikalische Bildung in der heutigen Zeit eigentlich bedeutet, hat er viel nachgedacht. Vielleicht, hofft er, wird die Digitalisierung am Ende dazu führen, dass Menschen weniger arbeiten müssen und mehr Zeit für soziale oder künstlerische Dinge haben. Verlassen will er sich darauf aber nicht. Mit der musikalischen Bildung darf man nicht warten. „Musikschule bedeutet, die kulturellen Fähigkeiten in die Zukunft zu führen“, sagt er. Das Forum junger Talente beweist, dass diese Zukunft gute Chancen haben wird.

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