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Restaurant in Kranenburg sucht Talente mit Leidenschaft

Caféhaus Niederrhein, Restaurant, Franz Vierboom, Draisine Kranenburg, Bahnhof Kranenburg

Caféhaus Niederrhein, Restaurant, Franz Vierboom, Draisine Kranenburg, Bahnhof Kranenburg

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kranenburg.  „Caféhaus Niederrhein“ im alten Bahnhof Kranenburg braucht Personal. Wirt ahnt: Gastronomieverband verkennt, wie wichtig Nachwuchsförderung ist.

„Kranenburg. „Es läuft super. Wenn das so weiter geht, müssten wir zu machen.“ Mit Galgenhumor nimmt Franz Vierboom die Lage in der Gastronomie. In seinem „Caféhaus Niederrhein“ im alten Bahnhof Kranenburg herrscht Personalmangel. „Wir haben zu wenige Hände und Köpfe“, um den Anspruch auf Dauer erfüllen zu können. „Schade, wir sind gerade so in einer Hochphase“, sagt er und kann sie wegen der Sorge um die Überlastung der Mitarbeiter nicht wirklich genießen. „Der Spaß fällt nicht mehr auf“, bedauert er.

Das kann sich bessern, wenn er mehr Kräfte in Vollzeit, in Teilzeit oder als Minijobs einstellen könnte. Im Caféhaus Niederrhein gibt es keine Saisonkräfte, sie werden auch über den Winter gehalten, um sie im Frühjahr im Team zu haben – wenn die Bewirtung und Kochkunst an den 65 Plätzen im gemütlichen Gasthaus, bei Feierlichkeiten im Bahnhofssaal dann zusätzlich auch auf dem urigen Draisinen-Bahnsteig und auf 60 Korbstühlen in der „Orangerie“ gefragt sind.

Konzept nach Maß 90 - 60 - 90

Viele der Gäste – bewusste Einheimische, ganz normale Genießer und überraschte Touristen – wissen sehr wohl zu schätzen, dass Franz Vierboom zusammen mit seinen Mitarbeitern ein neues Konzept an den Start brachte, bei dem auch die Auszubildenden voll dahinter stehen: „90 - 60 - 90“.

Mit diesen Idealmaßen macht die Belegschaft ökologisch eine gute Figur: 90 Prozent der Saison-Produkte aus der Region unter 60 Kilometern Entfernung mit über 90-prozentiger handwerklicher Liebe zubereitet. In der Küche wird keine Tüte geöffnet, da wird alles per Hand bearbeitet, „mit Liebe und Hingabe“, betont der Chef. Hier sieht der erfahrene Koch Vierboom die Tätigkeit als Handwerk, obwohl Gastronomie zum Kaufmännischen zählt.

Zum Betrieb gehören zwei feste Restaurantfachfrauen, eine Auszubildende im Service, drei Aushilfen, eine Köchin, vier Azubis in der Küche, drei Spülkräfte. Das reicht nicht aus. Zeitarbeitsfirmen sind auch keine Lösung. „Ich kann doch keinen Leih-Koch in die Küche stellen!“ Gute Speisen sind das Markenzeichen. Es kommt zum einen auf die Inhalte an – Donsbrügger Mühlenbrot, Schinken vom Kranenburger Wollschwein, Kranenburger Forellenfilet –, zum anderen auf den bewussten Umgang damit.


„Restauration – Das hat mit dem Wieder-Auffrischen von Kräften zu tun“

Er nennt sein Haus eine „Restauration“. „Das hat mit dem Wieder-Auffrischen von Kräften zu tun“. Für ihn lösen „begeisterte Mitarbeiter die Zufriedenheit der Gäste“ aus. Aber manche Kunden reagieren ablehnend, wenn sie etwa ihre Coca Cola hier nicht bekommen, sondern die Öko-Marke Fritz Cola. Dann kommt es vor, dass man über Regenwaldabholzung, Palmfett und eingeflogenes Rindfleisch miteinander ins Gespräch kommt.

So gut der Ruf des Restaurants ist, es liegt eben doch an Deutschlands Peripherie. Vier Mitarbeiter reisen täglich per Bus zur Arbeit. Abhängig vom ÖPNV – „ein Problem gerade in der Gastronomie. Man will ja in der Küche abends nicht Sachen liegen lassen für morgen“, beschreibt Franz Vierboom.

Servicekräfte sorgen auch für Harmonie zwischen Gast und Bedienung

Dazu sollten aber die Servicekräfte Ruhe ausstrahlen, um zwischen Gast und Bedienung für Harmonie zu sorgen, sagt der 61jährige „Chef vom Bahnsteig“. Sein junges Team ist so zwischen 18 und 28 Jahre alt, die beiden Raumpfleger*innen über 70. Franz Vierboom sucht für Service und Küche Talente mit Leidenschaft, ruhig auch ältere Kräfte, die die nachhaltige Philosophie des Hauses mitleben wollen.

„Ich denke, dass der Gastronomieverband in den letzten 20 Jahren verkannt hat, wie wichtig Nachwuchsförderung ist. Bei der Work-Life-Balance wird Work groß geschrieben und life klein“. Er selbst ist morgens der Erste, abends der Letzte am Bahnsteig. Wo holt er seine Energie her? Wenn er denn frei hat, dann aus dem heimischen Garten: „Ich kann einer Ameise hinterher gucken. Und mir dabei Zeit lassen.“

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