Reportage

Rhein-Hochwasser macht NRZ-Zusteller zum Inselboten

Uwe Kilian fährt zurzeit mit der Fußgängerfähre nach Schenkenschanz.

Uwe Kilian fährt zurzeit mit der Fußgängerfähre nach Schenkenschanz.

Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Uwe Kilian stellt jeden Morgen die NRZ in Düffelward und auf Schenkenschanz zu. Das Hochwasser stellt ihn vor hohe Hürden.

Es ist dunkel, es nieselt ein wenig und es ist verflixt früh am Morgen. 3 Uhr in der Nacht - das ist die Zeit für Uwe Kilian. Der NRZ-Bote fährt mit seinem Auto vor, nimmt sich einen Stapel Zeitungen und geht flotten Schrittes auf den Griethausener Altrhein zu. Heute muss Uwe Kilian erst das Wasser überqueren, um die gut 25 Tageszeitungen auf der Schanz einwerfen zu können. Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen: Uwe Kilian ist für eine Woche der Inselbote.

Nachtschicht am Altrhein

Nils Poorten und Sven Coenen sitzen bereits die ganze Nacht in ihrem Bauwagen auf dem Deich bei Düffelward. Sie sind die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) und übernehmen die Nachtschicht. Von 22 Uhr bis 6 Uhr stehen sie für die Schänzer parat und fahren mit einer kleinen Fußgängerfähre über den Altrhein.

Die letzte Fahrt war um 0.30 Uhr. Jetzt steht Uwe Kilian um 3.30 Uhr am Fähranleger und wird von den Bootsführern sicher über den gut 150 Meter breiten Fluss gefahren: vorbei an Bäumen und Verkehrsschildern, die jetzt metertief im Wasser stehen. Die Fahrt dauert nur ein paar Augenblicke, aber für Uwe Kilian zählt morgens jede Minute.

Manche Ecken sind stockfinster

Bis 6 Uhr muss er die NRZ in seinem Bezirk ausgeteilt haben, da kommt die unfreiwillige Inseltour nicht ganz so gut. Aber er nimmt es gelassen. Am anderen Ufer angekommen geht er wieder mit flotten Schritten auf die Schanz zu. Als Zeitungsbote eignet man sich offenbar einen zügigen Gang an.

Auf der Schanz kennt er jedes Haus. „Ich weiß genau, wer welche Zeitung bekommt. Das geht mittlerweile blind“, erzählt er. Trotz der Laternen sind manche Ecken der Schanz stockfinster, ein Hund bellt aufgeregt in seinem Zwinger. „Meistens ist er ruhig“, sagt Kilian. Die Schanz wirkt fast wie ausgestorben, die friedlichen Seelen liegen noch im Bett. Nur in einem Haus brennt bereits Licht – ein Frühaufsteher.

Zuletzt hatte er 2011 die Fähre nehmen müssen

Seit zehn Jahren stellt Uwe Kilian die Zeitung in Düffelward und auf Schenkenschanz zu. Ihm macht der Beruf Spaß. „Auch wenn es Tage gibt, an denen man gerne noch im Bett liegen bleiben würde. Aber da muss man halt durch“, erzählt der gelernte Schneider. Auch seine Frau ist Zustellerin. „Sie steht allerdings meist noch etwas früher auf als ich“, erzählt er.

Reh kämpft im Klever Hochwasser um sein Leben

Zuletzt hat Uwe Kilian 2011 mit der Fähre fahren müssen, weil die Rheinstraße in Griethausen wieder überflutet war. Noch am Mittwoch hatte er versucht, über die Straße nach Salmorth zu kommen. Aber keine Chance, das Wasser stand schon zu hoch für seinen Wagen.

Kaffee, Tee, Tütensuppen

Nach einer guten halben Stunde ist Uwe Kilian fertig, alle Zeitungsleser sind bedient und die Rückfahrt kann beginnen. Die Bootsführer Nils Poorten und Sven Coenen haben auf ihn am Ufer gewartet. Zum Glück war es in der Nacht nicht ganz so kalt. „Ansonsten gibt es auf Schänzer-Seite noch eine Rundumleuchte, mit der sich die Bewohner bemerkbar machen können“, erzählt Sven Coenen. In ihrem Bauwagen halten sie sich mit Kaffee, Tee und Tütensuppen wach. „Die Schänzer versorgen uns hier auch mit Kuchen und Getränken. Sie sind wirklich sehr dankbar“, freut sich Nils Poorten.

Und die NRZ ist dankbar, dass es Menschen wie Uwe Kilian, Nils Poorten und Sven Coenen gibt.

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