Zugangssperrre

Rollstuhlfahrer sind am Wylerbergmeer ausgeschlossen

Schön hier, aber den Schlüssel fürs Törchen muss man im 15 Kilometer entfernten Wijchen abholen.

Schön hier, aber den Schlüssel fürs Törchen muss man im 15 Kilometer entfernten Wijchen abholen.

Foto: Andreas Gebbink

Kranenburg-Zyfflich.   Der Betreiber des Wylerbergmeers bei Zyfflich hat den Zugang für Rollstuhlfahrer unmöglich gemacht. CDU-Frau Gertrud Kersten ärgert sich darüber.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gertrud Kersten setzt sich mit Verve für die Inklusion im Kreis Kleve ein. Das CDU-Kreistagsmitglied schaut genau hin, wie das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in den Schulen und im Alltag funktioniert. Gerne und oft verweist sie auf das Nachbarland Niederlande, in dem der Inklusionsgedanke schon seit vielen Jahren gelebt wird und in dem es oft die besseren und pragmatischeren Lösungen für Menschen mit Behinderungen gibt.

Doch jetzt muss sich Kersten sehr wundern. Kaum ein Steinwurf von ihrem Heimatort Zyfflich entfernt hat der Betreiber des beliebten Ausflugsziels Wylermeer in Beek den Rollstuhlfahrern den Zugang versperrt. Die neuen Tore sind so schmal, dass ein Mensch im Rollstuhl keine Chance hat, daran vorbei zu kommen.

Gertrud Kersten guckt ziemlich skeptisch: „Das Wylermeer ist für Rollstuhlfahrer nicht mehr zu erreichen. Man kann zwar einen Schlüssel bekommen, aber der ist in Wijchen hinterlegt. Das ist nicht gerade ideal, wenn man mit seinem Angehörigen spazieren will. Kann man das nicht anders regeln?“

Vertrag der Vereinten Nationen

Das kann man nicht nur anders regeln, das muss man auch anders regeln, sagt Dick Houtzager, Mitglied des Menschenrechtsbeirates. Er verweist auf einen Vertrag der Vereinten Nationen zur Gleichbehandlung von Menschen mit Handicap. Ein wichtiger Punkt ist die freie Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer. „Die Niederlande haben diesen Vertrag 2016 ratifiziert und müssen sich daran halten“, sagt Houtzager. Und das bedeutet, dass Betreiber öffentlicher Anlagen auch für einen barrierefreien Zugang sorgen müssen. Dies müsse zwar nicht von heute auf morgen erfolgen, aber es müsse geschehen. „Wenn nicht, dann können Bürger auch eine Klage einreichen“, sagt Houtzager.

Jos Lenders aus Groesbeek ist Mitglied der WMO-Beratungsgruppe in der Gemeinde Berg en Dal und hat bereits eigene Erfahrungen machen müssen. „Mein Sohn saß in einem Rollstuhl und hat gerne Fotos gemacht. Er wollte auch am Wylermeer fotografieren und ich habe dann einen Schlüssel in Wijchen geholt“, erzählt er. Zudem musste er ein Pfand in Höhe von 12,50 Euro hinterlegen. Der Schlüssel funktionierte allerdings nur für ein Tor. „Als wir einmal um den halben See gelaufen waren, ließ sich das Tor auf der anderen Seite damit nicht öffnen“, schildert er: „Dann mussten wir wieder zurücklaufen.“

Schlüssel liegt in Wijchen

Und was sagt der Betreiber? Wendy Noorlander ist Sprecherin von Leisurelands, einem großen Unternehmen, das in den Niederlanden 20 Naherholungsgebiete betreibt. Die Anteilseigner von Leisurelands sind die jeweiligen Gemeinden. Wendy Noorlander sagt: „Wer möchte, der kann gegen ein Pfand einen Schlüssel in unserem Büro in Wijchen abholen. Es sind bereits einige Hundert Schlüssel im Umlauf. Dieser Schlüssel sollte auf alle Schlösser passen. Es kann auch ein Termin vereinbart werden: Dann kommt jemand mit dem Schlüssel vorbei. Die neue Zugänge haben wir wegen der Scooter und Radfahrer angebracht. Wir möchten nicht, dass diese Gruppen auf das Gelände kommen.“ Im Sommer sei dies gefährlich für Badegäste und Kinder auf der Liegewiese. „Und im Winter möchten wir verhindern, dass auf dem Gelände gecrosst wird“, sagt Wendy Noorlander.

Nur eine Zwischenlösung

Für Sylvia Fleuren, Beigeordnete der Gemeinde Berg en Dal, ist die jetzige Vorgehensweise nur eine Zwischenlösung. „Es wurde jetzt ein Mittelweg gewählt, aber das ist noch nicht die definitive Lösung. Wir wollen keine crossenden Scooter, ja, aber auch Menschen mit einer Behinderung müssen auf das Gelände kommen.“ Man wolle gerade in Berg en Dal den Tourismus für Menschen mit Handicap fördern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben