Leben am Wasser

Schenkenschänzern fehlt die Fähre nach Düffelward

Suche nach einer Lösung: Ute Maaßen und Marita Janssen-Arntz vom Heimatverein.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Suche nach einer Lösung: Ute Maaßen und Marita Janssen-Arntz vom Heimatverein. Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Schenkenschanz.   Ein Niederländer würden gern den Fährbetrieb zwischen Schenkenschanz und Düffelward übernehmen. Bisher ist das allerdings nicht möglich.

Wie ist das Leben am Wasser ohne Fähre? „Beschwerlich“, sagt Ute Maaßen. Am 31. März 2016 hat die Stadt gegen den Protest der Dorfbürger die Fährverbindung Düffelward-Schenkenschanz eingestellt. Weil die Fähre zu teuer und von den Bewohnern zu wenig genutzt sei. Vermisst wird sie trotzdem, sagt Marita Janssen-Arntz, Vorsitzende des Heimatvereins Schenkenschanz.

Spannend findet der Heimatverein nun das Interesse der Niederländer. Für den Beigeordneten von Lobith sei es ein „Traum“, so zitiert Janssen-Arntz, einen attraktiven touristischen Rundkurs bis Tolkamer zu ermöglichen. Die Niederländer würden dann gern in Schenkenschanz den Fährbetrieb übernehmen.

Bundesbauministerin Hendricks wurde informiert

Dazu bräuchte man aber einen Fußweg durch zwei Wiesen bis Tolkamer zur dortigen Fähre. Nicht weit, aber durch Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet. Deutschland lasse das nicht zu, bedauert Janssen-Arntz aus tiefster Seele. „Da, wo der Durchgang verboten ist, wird die Natur doch mehr vermüllt als anderswo“, beobachtet die Heimatvereinsvorsitzende. Aber die Idee sei noch nicht ganz aufgegeben. Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks aus Kleve wurde informiert. „Das wäre schon klasse, wenn es klappt“, sagt Janssen-Arntz.

Eine Verbindung über den Altrhein fehlt einfach. „Die Stadt vergisst, dass der Lebensmittelpunkt für viele auf der anderen Seite liegt“, sagt Ute Maaßen, zweite Vorsitzende. In Keeken, Rindern und Düffelward sind katholische Kirche, Friedhof, Ärzte, Bäcker, Lebensmittelladen, Friseur und häufig auch Verwandte. „Wir haben uns jetzt E-Bikes besorgt. Eigentlich müssten wir dafür bei der Stadt einen Zuschuss beantragen“, sagt die Vereinsvorsitzende lachend.

Vereine werden zerschnitten

Auch jüngere Leute bekamen die Änderung zu spüren: Der Fußballverein FC Vorwärts Schenkenschanz-Düffelward trainiert auf der Düffelwarder Seite, der Spielmannszug ist andersherum in Schenkenschanz ansässig. „Früher sind die Jugendlichen mit dem Fahrrad auf der Fähre mal eben ‘rüber. Jetzt ist es ein Umweg über 20 Kilometer über die Martin-Schenk-Straße. Da lässt man seine Kinder nicht mal eben im Dunkeln fahren“, sagt Ute Maaßen nachdrücklich.

In Schenkenschanz mit seinen rund 90 Einwohnern stehen immer mehr Häuser leer. Junge Familien bekomme man nicht her ohne Busanbindung, vom Schulbus einmal abgesehen. „Zwei Kinder packst du nicht mal eben aufs Fahrrad, um sie kilometerweit zum Sport zu bringen“ oder zum Kindergarten, denn bisher war der Bezugspunkt für Schenkenschänzer der Kindergarten Düffelward auf der anderen Seite des Wassers – heute wäre Griethausen näher.

Gastronomie lohnt sich nicht mehr

Auch zum Schützenfest kommt „von gegenüber gar keiner mehr“. Die beiden Schwestern geben allerdings zu: „In den letzten Jahren war die Fähre so oft kaputt, dass man sich im Alltag nicht darauf verlassen konnte, dass sie fährt“.

Es sind Radler aus dem Klever Raum und es sind Freunde, denen die Fähre fehlt. Und zwar eigentlich sommers wie winters. Touristen aus Krefeld, aus Wesel, die kommen sowieso per Auto, die vermissen allerdings eine Dorf-Gastronomie, die sich nun noch weniger als ohnehin lohnt. Bekanntlich öffnet die Gaststätte „Inselruh“ nur sporadisch. Zwar richteten die Frauen des Heimatvereins ein Café in der alten Schule ein, aber selbst gebackenen Kuchen und Kaffee kredenzen sie nur dann, wenn Gäste zu Gruppenführungen mit Änneke Schenk (siehe Seite 3) angemeldet sind.

Verbindung von Ostern bis Oktober

Beide Frauen wissen, dass die Klever Verwaltung ernsthaft eine Lösung suche. Nur: Es dauert so lange. Schon wenige Wochen nach Einstellen der Fährverbindung hatte der Heimatverein ein ausführliches Konzept, selbst geschrieben „mit Leuten, die Ahnung haben“, bei der Stadt abgeliefert, erinnert Janssen-Arntz. Man nennt es eine „touristischen Lösung“, auch wenn es für die Bürger vorteilhaft ist. Es sollte eine Verbindung über den schmalen Altrhein „von O bis O“, von Ostern bis Oktober, ermöglichen. Für dieses Jahr werde das ja wohl nichts mehr, stellen die Frauen enttäuscht fest. „Vielleicht 2018“.

Grundsätzlich fühlen sich die Schenkenschänzer „von der Stadt schon etwas vergessen. Selbst auf dem gedruckten Stadtplan liegt über der Ecke, wo Schenkenschanz ist, die Legende mit der Zeichenerklärung“, betont Matia Janssen-Arntz. Und die Beschilderung für Fahrradfahrer, wo es zur Fähre geht, steht immer noch und lässt enttäuschte Menschen am Ufer zurück.

Allein die jungen Schänzer und Düffelwarder wissen sich zu helfen. Mit eigenem Kajak oder selbst gebautem Floß besuchen sie sich durchaus mal zur Party hin oder her.

>>> EINE BRÜCKE IST ZU TEUER

Eine Notversorgung garantiert das THW bei Extrem-Hochwasser für die Bürger. Die kleine Fähre, die unter anderem dabei eine Rolle spiele, sei auch Bestandteil der kleinen „touristischen Lösung“. Die Fähre liege ungenutzt bei Brienen vor Anker. Denkbar wäre auch eine handgekurbelte Fähre wie bei Jan an de Fähr in Goch/Weeze. Querliegende Seile könne man auch tiefer senken, dass querende Sportboote nicht behindert würden, wissen die Heimatvereinsvertreter. „Ein Funke Hoffnung hängt auch an der Entscheidung für die Schleuse“, sagt Marita Janssen-Arntz, und ob der Spoykanal Bundeswasserstraße bleibt.

Im Sande verlaufen war auch die Planung aus 2013, eine Brücke anzulegen. Sie wäre 348 Meter lang gewesen, nur für Fußgänger und Radfahrer geeignet und hätte 3,65 Millionen Euro gekostet. Im Vergleich zu jährlichen Betriebskosten der Fähre (360 000 Euro netto im Jahr) wäre das okay gewesen, aber die Stadt beschloss, gar nichts mehr in eine Über-Wasser-Verbindung zu investieren.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik