Kleve.

Scheune der Begegnung

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Kleve. War das ein Fest! Klingt wie ein Seufzer klingt, macht jedoch der Überzeugung Luft, einer Veranstaltung mit herzensguten Menschen, engagierten Zeitgenossen und überzeugten Integrationswilligen erlebt zu haben. Das erste Mifgash-Fest in Kleve, vom Verein „Haus der Begegnung“ auf dem Meyerhof organisiert, fand ein großes Publikumsinteresse. Bereits kurz nach 18 Uhr war der historisch verbürgte Ort gut gefüllt, der Regen hatte sich verzogen. In der Scheune, die wegen der Wetterkapriolen kurzfristig leergeräumt und zum Programmplatz erklärt wurde, sagte Vereinsvorsitzender Ron Manheim in seiner kurzen Ansprache: „Heute feiern wir bei aller bester Stimmung, aber nicht gedankenlos. Wir werben für Begegnung und gegenseitigen Respekt.“ Tagein, tagaus, so Manheim weiter, sei angesichts der Situationen in Syrien, Ostukraine, Israel, Gaza mit Hass zu rechnen. Um so wichtiger sei es, dieser Gewalt andere, friedliche Verhaltensweisen entgegenzusetzen.

Das Weltmusikensemble Klezmore stimmte das Publikum – viele Nationalitäten, viele Sprachen – mit jiddischem Liedgut und sanften Klängen des Balkans auf einen Abend der Toleranz, der Begegnung und des Kennenlernens ein. Klezmores kleine Weltreise führte auch nach Russland, das zur Zeit keinen guten Ruf aufweist. Das völkerverständigende Element der weltoffenen Musik zementierte keine neue Grenzen sondern öffnete alte.

Der Ortswechsel in die Scheune schadete dem Volksfestcharakter der im Philippinischen „magkasalubong“ genannten Begegnung der Nationen nicht. Die Kinder, die sich um Museumspädagogin Klara Heimbach versammelt hatten und ein Logo für den Verein suchten, hantierten mit verschiedenen Kordeln, Drucktechniken und Klebepistolen wie echte Designer. Architektin Julia Blanck stellte in der kleinen Ausstellung um die jüdische Synagoge herum ihre Diplomarbeit von 1997 vor, die den Platz an der Reitbahn als Bibliothek in einem neuen Gebäude vorsieht. „Die Lösung kann nicht in Form eines Denkmals erreicht werden,“ sagte sie, „weil ein Denkmal passiv ist oft nur im Vorbeigehen wahrgenommen wird.“ Auch der von Günther Zins 1988 vorgelegte Gestaltungsplan für den Synagogenplatz war neben einer beeindruckenden Postkartensammlung in der Ausstellung zu sehen. Zwei Saxophonimprovisationen von Zins rundeten den informativen Teil des Abends ab. Zu dem Zeitpunkt fanden bereits viele kulinarische Spezialitäten, angeboten in einem Büffet des Alevitischen Kulturzentrums Emmerich den Weg in die Mägen der Besucher.

„Die Klage des Emigranten“ hieß eines der Lieder, das vom ebenfalls aus Emmerich kommenden Paradoxon-Klangorchesters gespielt wurde und die Melancholie desjenigen wieder spiegelt, der die Heimat verlassen hat. Das bekannte Mitsinglied „Was wollen wir trinken?“ animierte das Publikum zum Tanzen. Des Publikums Bewegungsdrang setzte sich fort mit der Musik von Kabelbrand, einer von Daniel M. Ziegler formierten Ska- und Reggaeband.

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