Handarbeit

Schönheit beginnt auf dem Kopf

Hutmacherkurs in der FBS-Kalkar: Ana Ehling und Hroswith Kotters

Hutmacherkurs in der FBS-Kalkar: Ana Ehling und Hroswith Kotters

Foto: NRZ

Kalkar.   Frauen dürfen ruhig wieder eleganter aussehen. Die Hutdesignerin Ana Ehling aus Münster zeigte interessierten Frauen in Kalkar, wie man einen Hut anfertigt

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In der Ecke steht eine Trockenhaube aus den 70er Jahren. Auf dem Tisch gibt es gibt eine kleine Auswahl an Wasserkochern, dazu ein merkwürdiges Gerät namens Hutdämpfer. Klar: Hier wird ordentlich Dampf gemacht, es zischt und brummt und kocht. Dabei, so lernt man sehr schnell, ist das Hutmachen eine langwierige Angelegenheit. Zwei Wochen – so lange hat die Hutdesignerin Ana Ehling aus Münster mal für ein Exemplar gebraucht. Allerdings war das ein äußerst diffiziler Hut, einen Meter hoch, aus verschiedenen Materialien, sogar Leder, aber nicht zum Tragen, sondern für eine Ausstellung.

Für die Hüte, die die sieben Teilnehmerinnen und der eine Teilnehmer im Kurs der FBS Kalkar kreieren, sind knappe drei Tage veranschlagt. Keine Form ist vorgegeben, jeder kann das machen, was ihm so vorschwebt. Und da fängt es schon an, kompliziert zu werden. Zwar gibt es einige Grundformen aus Holz, sogar so schön geschwungene aus den 50er Jahren. Aber manche kann man verschiedenartig zusammenstecken. Und überhaupt: „Ich drehe jede Holzschüssel um, die ich sehe, um zu gucken, ob ich die Form für einen Hut gebrauchen kann“, sagt Ana Ehling.

Dann ist da die Sache mit dem Material. Filz ist Filz, denkt der Laie. Weit gefehlt. Es gibt Filz aus Schafshaar, aber auch solchen aus Hasenhaar. Und das auch noch in verschiedenen Arten, von kurzgeschoren bis flauschig, und in den schönsten Farben. Oder man macht einen Hut aus Stroh, aus Grasfasern oder Schweizer Lackstroh. Das hört sich nicht nur toll an, sondern sieht auch klasse aus. Ana Ehling hat ich halbes Atelier eingepackt und mit nach Kalkar gebracht. Aber egal, wofür man sich entscheidet, immer braucht man Geduld und Beharrlichkeit. Und ein bisschen handwerkliches Geschick.

Alles selbst machen

Ana Ehling selber hat mal Französisch, Spanisch und Kunstgeschichte studiert, aber irgendwie fehlte ihr das Handwerkliche. Dann traf sie die niederländische Hutdesignerin Marianne Jongkind. Bei ihr absolvierte sie ihre Ausbildung. Manchmal hilft sie ihr auch heute noch, wenn etwa Hüte für große Shows gemacht werden sollen. Ansonsten entwickelt Ana Ehling in ihrem Gartenatelier lauter Einzelstücke für ihre Kundinnen und Kunden. Einzelstück – das klingt nach sündhaft teuren Preisen. Dabei fangen Ana Ehlings Hüte schon bei 80 Euro an. Es gibt so etwas wie einen Trend zum Hut. „Die Mode für Damen ist wieder weiblicher geworden“, freut sie sich, „man zieht sich wieder eleganter an.“ Ein Stückweit behauptet ein Hut zudem die Individualität dessen, der ihn trägt.

Und das finden die Kursteilnehmer prima. Hroswith Kotters hatte sich mal einen Filzhut gekauft und war so fasziniert davon, dass sie so etwas auch selber mal machen wollte. Da kam der Kurs in der FBS Kalkar wie gerufen. „Das Schöne ist ja, von Anfang an jeden Schritt selbst zu machen“, sagt sie. Rot ist ihr Hut, der gerade im Entstehen begriffen ist, rot und hoch mit einer eng anliegenden, hochgebogenen Krempe. Die hat sie von Hand über dem Wasserdampf geformt. Jetzt muss sie ein Band einnähen, später soll noch etwas Dekoratives auf den Hut, kleine rote Kugeln vielleicht. „Mal schauen, was es hier noch so für Ideen gibt.“

Am Ende des Kurses werden sie gemeinsam durch Kalkar prominieren. Man wird sie wahrnehmen, anschauen, vielleicht begaffen. Es ist erstaunlich: Wer einen Hut trägt, bleibt nicht gesichtslos.

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