Schulpolitik

Schuldiskussion bleibt heiß

Die Karl-Kisters-Realschule ist bei vielen Eltern sehr beliebt. Die Sekundarschule offenbar nicht.

Die Karl-Kisters-Realschule ist bei vielen Eltern sehr beliebt. Die Sekundarschule offenbar nicht.

Foto: WAZ FotoPool

Kleve.   Wird Kleve ausnahmsweise vier Klassen an der Karl-Kisters-Realschule einplanen? Die Sekundarschule hat zu wenig Anmeldungen. Im März soll entschieden werden

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Die alte Diskussion um Eltern-Vorlieben für bestimmte Schulen keimte noch mal im Schulausschuss auf: Will, soll und kann die lokale Politik die Bildungslandschaft steuern? Anlass sind die vorläufigen Anmeldezahlen, die allerdinigs noch keine tatsächliche Zusage für Eltern bedeuteten. Demnach wurden 73 Kinder Sekundarschule angemeldet, verteilt zu zwei mal zwei Klassen an den Standorten Ackerstraße in Kleve und in Bedburg-Hau. An der Karl-Kisters-Realschule wurden 122 Kinder angemeldet, hier wäre ausnahmsweise eine Vierzügigkeit möglich. Gesamtschule würde mit 171 Kindern sechs-zügig laufen. Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ist mit 112 Kindern auch ausnahmsweise vierzügig angedacht. Am Konrad-Adenauer-Gymnasium in Kleven wurden 87 angemeldet. Wegen der sieben Inklusionskinder gibt es hier kleinere Klassen. Daher wäre auch das KAG vierzügig.

Zur Gaesdonck wollen 18 Klever Kinder, zur Gesamtschule Goch 6, zur zu gründenden privaten Europa-Realschule Kranenburg 9 Kinder aus dem Raum Kleve-Kranenburg. Aus anderen Kommunen wie Kalkar und Rees kommen 46 Kinder nach Kleve. Es fehlen noch 17 Anmeldungen von Kindern aus Kleve, Kranenburg, Bedburg-Hau.

FDP: Der Elternwille zählt

„Die Sekundarschule braucht mehr Wertschätzung. Das Anmeldeverhalten entspricht nicht der Arbeit, die darin steckt“, bedauerte Gudrun Hütten, Grüne (pensionierte Grundschulleiterin). Sie forderte vehement, dass sich die Politik mehr für deren Akzeptanz werben möge. Das griff Ausschussvorsitzende Petra Tekath (SPD) auf und wird es auf Wunsch von Jörg Cosar (CDU) in zwei Wochen auf die Tagesordnung einer zusätzlichen Schulausschusssitzung (9. März vor dem Rat) setzen. Bis Mitte März müssen sich die Eltern mit einer Zu- oder Absage gedulden.

Pfeffer streute Daniel Rütter, FDP: „Alle Schulen müssen sich bewähren. Der Elternwille manifestiert sich“, Kleve müsse dem gerecht werden. Michael Bay (Grüne) erinnerte an den Schulkonsens auf Landesebene aller Fraktionen ohne FDP, das beschlossene „längere gemeinsame Lernen“ voran zu bringen. Dazu bleibe den Kommunen als Mittel die Festlegung der Zügigkeit, also die Zahl der erlaubten Parallelklassen. „Sie können nicht jedes mal Angst bekommen und wieder von vorne anfangen“, so Bay.

Bürgermeisterin Sonja Northing gab zu bedenken, falls man für die Realschule drei Klassen einplane, bedeute das nicht, dass die abgelehnten Kinder dann auch zur Sekundarschule übergingen.

Jürgen Schmitz, Leiter der Gesamtschule, erinnerte, dass Kleve die Schullandschaft vor fünf Jahren umgestaltet habe und in der Gestaltungsverantwortung sei. „Ich plädiere dafür, diese schon in diesem Jahr anzunehmen“.

Die Karl-Kisters-Realschule war seinerzeit als „dreieinhalb“-zügig festgelegt worden: Gibt es nun wieder ein Ausnahmejahr? Hubert Wanders, Leiter der Karl-Kisters-Realschule, fand es „interessant, wie hier das Thema Zügigkeit auf die Realschule fokussiert wird“, wo das doch auch andere Schulformen treffe. Er will diesmal gern alle angemeldeten Kinder aufnehmen. Aber „auf Dauer“ gehe sowas im vorhandenen Gebäudekomplex nicht. Doch man könne nicht Eltern „ohne Vorwarnung“ ablehnen, sagte er. Zum Schulkonsens meinte Wanders: „Sie zementieren starre Strukturen, das ist nicht sinnvoll“. Die Karl-Kisters-Realschule gelte bei Eltern auch darum als attraktiv, weil sie nicht zwingend Ganztagsunterricht anbietet.

Kämmerer Willibrord Haas will innerhalb einer Woche den Fraktionen Vergleichszahlen aus den Vorjahren liefern, damit sie am 9. März fundiert beraten und entscheiden können.

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