Schule

Schulleiter war ein konstruktiver Veränderer

Jürgen Schmitz, Leiter Gesamtschule Kleve

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Jürgen Schmitz, Leiter Gesamtschule Kleve Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.   Jürgen Schmitz, Leiter der Gesamtschule 1 Kleve, geht. Er kämpfte für gute Gebäude. Immer Zuversicht ausstrahlen „war unfassbar schwer“.

Er wirkt ruhig, spricht überlegt. Doch jeder weiß: Er ist ein Kämpfer. für Kinder, für Kollegen, für Eltern. Jürgen Schmitz, Leiter der Gesamtschule Kleve, kehrt nach den Ferien nicht mehr zurück in den Schuldienst. Er ist „dankbar für die Chance, seit sechs Jahren eine neue Schule aufzubauen, mit einem genialen Team Lernen neu zu definieren“. Aber die Jahre, vor allem das letzte, haben „unheimlich viel Kraft und Energie gekostet“, ihn und das gesamte Schulleitungsteam.

„Es ist zwar das Wesen von Schule, nie fertig zu sein, aber ich habe mir nicht träumen lassen, mich von einer derart unfertigen Schule zu verabschieden“, sagt er.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“

Einen Blick zurück im Zorn verbietet er sich, doch schwingt im Gespräch Traurigkeit, aber auch Hoffnung mit. Immer wieder Zuversicht auszustrahlen „war unfassbar schwer“, gesteht er. Doch Jürgen Schmitz ist überzeugt: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Dass nun wirklich das Interims-Rathaus an der Landwehr Interimsschule wird und dass ab Januar 2018 mit Hochdruck der Ausbau der Gesamtschule Rindern umgesetzt wird, „daran glaube ich jetzt einfach. Weil es alternativlos ist“. Die Entwürfe der städtische Architektin Anne Mauch 2015 für Rindern seien „traumhaft“.

Jürgen Schmitz aus Duisburg hat seit seinem 6. Lebensjahr das Leben in Schule zugebracht. Er studierte Mathe und Erdkunde auf Lehramt, später Informatik dazu. Nach Listenverfahren des Landes kam er an ein Gymnasium in Duisburg, nach 16 Jahren wurde er Stellvertreter einer Realschule und folgte zwei Jahre später dem Ruf der Städtischen Realschule Hoffmannallee Kleve als Leiter.

Schule stand nur vor der Frage, ob sie mitgeht

Schmitz erinnert sich, wie die Bürgermeister von Kleve, Bedburg-Hau und Kranenburg – Brauer, Driessen und Steins – und ihre Räte 2011 beschlossen, die gesetzliche Möglichkeit zur Umgestaltung der Schullandschaft anzunehmen, mit der Bezirksregierung abzusprechen. „Wir standen als Schule nur vor der Frage, ob wir mitgehen.“

Mit Blick auf eine sich verändernde Schülerschaft, weil die Eltern die Hauptschulen nicht mehr akzeptierten, hatte Schmitz schon in der Realschule den Ganztag eingeführt. Drei Tage vor Schuljahresende trafen sich die Schulleiter. 2011 schrieben sie das Rahmenkonzept für eine Gesamtschule, „2012 waren wir am Start“.

Aber Schule braucht Räume

Aber „Schule braucht Räume.“ Die Kommunalverwaltung Kleve habe das Problem „nicht zu Ende gedacht. Es ist nachweislich bis heute liegen geblieben“.

Doch mit der inneren Schulentwicklung „fühle ich mich total gut“. Deutlich unterscheide sich die Gesamtschule von den anderen Bildungsangeboten der Stadt. Im Netzwerk „Schule im Aufbruch, Schule des 21. Jahrhunderts“ werde Lernen individualisiert wie nirgendwo. Da gibt es keine Termine für Klassenarbeiten, jedes Kind entscheidet verantwortlich, wann es so weit ist. Eltern hätten konstruktiv-kritisch darauf reagiert, aber akzeptieren: Lernen selbstständig zu organisieren sei das Ziel.

50 Prozent zur Oberstufe

Zweitens sind im Konzept Schule-Beruf-Studium bisher 20 Betriebe und Unis im Boot. Je ein Drittel der Klasse geht dann in eine schulische Förderung oder jeden Dienstag in ein Betriebspraktikum oder nutzt Studien für hochwertige Ausbildungsberufe.

Bereits jetzt gibt es daraus konkrete Ausbildungsplatzangebote fürs nächste Jahr, wenn die ersten Gesamtschul-Zehner abgehen. Aber rund 80 Kinder, ziemlich genau 50 Prozent, werden die Qualifikation zur gymnasialen Oberstufe erreichen – deutlich mehr, als mit Gymnasial-Empfehlung angefangen hatten. „Eltern melden zurück, wir haben nachweislich ihr Kind optimal gefördert“, kann Schmitz stolz sein.

Dr. Rose Wecker, bisher stellvertretende Schulleiterin, wird drittens ein ambitioniertes neues Oberstufenkonzept im Herbst vorstellen.

„Nix tun geht gar nicht“

Dann macht Jürgen Schmitz Jahresfreistellung, Ruhestand. „Nix tun geht gar nicht“. Als konstruktiver Veränderer bleibt er in der Initiative „Schule im Aufbruch“ aktiv. Er wird fürs Schulministerium an der Entwicklung von IT-Software arbeiten, um Schulverwaltungen zu entlasten. „Fünf Schulen vom Niederrhein gehen da bereits mit.“

Er wird weiter Großbritannien erwandern, den Main ‘runter radeln, die Bretagne erkunden, Biographien lesen, den BVB in Dortmunder Stadion bejubeln, als Opa eines Zweijährigen gefragt sein. Und vielleicht an einer digitalen Modellbahnsteuerung tüfteln.

Kinder begabungsgemäß gut fördern

Er wünscht sich für Kleves Schullandschaft, „dass die Gebäude fertig werden, dringend Ruhe rein kommt, sich bei Eltern die Einsicht durchsetzt, dass die Schulform egal ist, wenn ihr Kind begabungsgemäß gut gefördert wird“.

Verabschiedung Donnerstag, 13. Juli 2017, um 10.30 Uhr, ab 15 Uhr Schulfest mit großem Angebot der Klassen.

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