Gutachten Konrad-Adenauer-Gymnasium

Sehen, wie diese Schule tickt

Das Konrad-Adenauer-Schulzentrum muss dringend saniert werden – oder neu gebaut

Das Konrad-Adenauer-Schulzentrum muss dringend saniert werden – oder neu gebaut

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.   Machbarkeitsstudie über das Konrad-Adenauer-Gymnasium: Mehr Zeit für mehr Erkenntnisse. Einmalige Chance, pädagogische Anforderungen vorher abzustimmen

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Es gab einige Missverständnisse unter den Politikern, denn das Verfahren ist ungewöhnlich. Eigentlich hatte der Schulausschuss einem Fachbüro den Auftrag geben wollen, bis zum 30. Juni zu untersuchen, ob das Konrad-Adenauer-Gymnasium eher am heutigen Standort saniert werden kann oder besser mit einem Neubau bedient wäre – und was beides wohl koste. Die Verwaltung hatte sich seit Dezember flink um Bewerber für diese Machbarkeitsstudie bemüht und als Vorauswahl das renommierte Büro Hausmann aus Aachen, Fachbüro für Schulen und Bildungsbauten, in die Sitzung am Mittwoch gebeten.

Das Büro braucht aber bis 30. September – so sagte es am Ende fest zu –, um seine besondere Art der Projektierung umzusetzen. Denn es bietet noch vor den ersten Schritten eine „Phase 0“ als „vorgeschaltete Auseinandersetzung mit dem Ziel einer strategischen und programmatischen Konzeption“. Da würden eben nicht nur „Notwendigkeiten abgebildet“, sondern eine Gruppe von 25 bis 30 Nutzern, also Schüler, Lehrer, Eltern und Verwaltung, würden ausführlich in Workshops gefragt, wie an dieser Schule gearbeitet werde. Nicht irgendein Gymnasium, sondern was speziell dieses zum „zeitgemäßen Lernen braucht“. Ein Team aus dem Planerbüro wolle „vor Ort sehen, wie die Schule tickt“.

Denn Schüler und Lehrer verbringen im Schulhaus mehr Zeit denn je, es müsse als „Lebensort“ gerecht werden. Die Pädagogik verlange immer mehr selbstständiges Arbeiten von den Kindern – auch das müsse das Raumprogramm abbilden. Welche Räume können umgewidmet werden – Flure mit Lerninseln – , welche mehrfach genutzt. Prof. Frank Hausmann: „Die Ansprüche von beiden Seiten werden dadurch klar.“

Diesem ersten Workshop folge die Auswertung, vier Wochen später lasse sich ein Zwischenbericht liefern. Dann folgt ein zweiter Workshop mit Vorschlägen zur Umsetzung der Bedarfe – und das immer im Einklang mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten, hochgerechnet auf eine Sanierung und wahlweise auf einen Neubau. Das Ziel sei ein „vernünftiger Schulstandort“, für die nächsten 40 Jahre, der auch künftig auf pädagogische Veränderungen flexibel reagieren könne. Von 18 Wochen Arbeit sprach seine Mitarbeiterin Florence Verspay.

Drei Monate länger

Drei Monate länger untersuchen, das heißt, ein halbes Schuljahr mehr warten. Mehrere Politiker zögerten zunächst: Müsse man wirklich beide Optionen prüfen? Gibt es überhaupt ein Grundstück, auf dem sich ein Neubau verwirklichen ließe, am Klever Ring oder in Kellen? Die Verwaltung machte deutlich: Würde man das erst ermitteln und danach mit einem Konzept loslegen, koste das noch mehr Zeit. Der stellvertretende K-A-G-Leiter Heinz-Bernd Westerhoff wollte erst die „Zeitschiene nicht verschieben“. Baudezernent Rauer räumte zögernd ein, man könne auf die Workshops verzichten. Kämmerer Willibrord Haas überzeugte schließlich alle: „Sie haben die einmalige Chance, die pädagogischen Anforderungen im Vorlauf abzustimmen. Ich kann nicht nachvollziehen, dass Sie die Chance nicht ergreifen wollen. Der Weg dorthin ist genau der richtige – im Interesse der Schülerinnen und Schüler für Ihre Schule kann ich das nur dringend raten.“

Die Verwaltung bot an, man könne im Herbst auch eine Sondersitzung des Ausschusses für weitere Beschlüsse einschieben. Bürgermeisterin Sonja Northing sagte: „Ich glaube felsenfest daran, dass wir uns diese drei Monate nehmen sollten“. Das bekräftigten dann mehrere einzelne Parlamentarier: „Es ist besser, mehr als ein Kriterium zu kennen“, fasste Dr. Fabian Merges (Offene Klever) zusammen.

Zur anfänglichen Verwirrung trug sicher auch die völlig unübersichtliche Präsentation des Profi-Büros bei. In der Stadthalle als Tagungsort, an großer Leinwand projiziert, wurde auf Tafeln mit extrem viel winzigkleinem Text der Inhalt des Angebotes nicht deutlich.

In nicht öffentlicher Sitzung wurde die Verwaltung berechtigt, Planungsleistungen zu vergeben.

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