Schule

Sekundarschule wird nun doch Gesamtschule

Die Ratssitzung

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Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.   Rat kippte seinen Beschluss von Anfang November. Der Preis dafür: Die Realschule bekommt doch vier Parallelklassen und die Sekundarschule Bedburg-Hau schließt

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Die Sekundarschule Kleve wird in eine fünfzügige Gesamtschule 2 umgewandelt. Dies ist der Ratsbeschluss von gestern Nacht. Einstimmig.

Aber es war auch schon die Ankündigung der Bürgermeisterin am frühen Abend gewesen, bevor die Sitzung überhaupt begonnen hatte. „Ich verkünde...“, sagte sie zu den gut 250 Eltern, die in die Mehrzweckhalle Materborn zur Ratssitzung gekommen waren. Und brüskierte damit die Politiker, die noch eine Diskussion führen wollten, auch wenn sie offenbar schon in vielen Gesprächen auf eine Einigung zusteuerten. Dass die Bürgermeisterin eine Umkehr vom alten geltenden Ratsbeschluss nun als Erfolg für sich reklamierte, machte es allen Fraktionen unnötig schwer, einen Kompromiss zu finden.

Der Kompromiss verlangt nach Gegenleistung

Und dadurch wurde der Preis für einen gemeinsamen Beschluss extra teuer. Denn Gegenleistung war gefordert: Ein „Ja“ gab es dazu, dass die künftige zweite Gesamtschule („GS Oberstadt“) nur noch in Kleve ihren Sitz haben soll und Bedburg-Hau keine neuen Eingangsklassen ins Gebäude – übrigens in Best-Zustand – aufnimmt. „Klever sollen in Kleve zur Schule gehen“, hatte Jörg Cosar, CDU, gefordert.

Es seien mehr Fahr-Schüelr als Bedburg-Hauer in Gegenrichtung. Das schien auch vorher schon ausgehandelt worden zu sein. Man nahm es diskussionslos hin. Aber durch das Vorpreschen von Sonja Northing fühlte CDU-Fraktionschef Wolfgang Gebing, „dass das Vertrauen so mit Füßen getreten wird. Sie nutzen vertrauliche Gespräche aus“, schimpfte Gebing, dass Northing den Eltern vorab schon mal die frohe Botschaft überbringen wolle, statt eine Ratsdiskussion abzuwarten. Das verlangte nach mehr Gegenleistung.

Die Sitzung wurde mehrfach unterbrochen

Die wurde dann in mehreren Sitzungsunterbrechungen hinter den Kulissen ausgehandelt. Wenn man also die CDU-Stimmen wollte, so kann man deuten, mussten sich alle anderen und vor allem die Bürgermeisterin Northing persönlich bereit erklären, dass sie im nächsten Jahr doch vier Eingangsklassen für die Karl-Kisters-Realschule zulassen. Wie berichtet, hatte gerade die Bürgermeisterin dies für die nächsten Jahre eher ausgeschlossen, weil es räumlich zu eng wäre. Nun also wurde das, was CDU und FDP von vorherein wollten, doch besiegelt: Mehr Realschule. Auch wenn es nicht auf der Tagesordnung stand und Sonja Northing den Ausweg suchte, dass es „formal nicht möglich sei“, dies gestern noch festzulegen. Es musste eben doch sein.

Sonja Northing hatte dem Publikum erklärt, dass es seit vorigen Donnerstag zahlreiche Gespräche gegeben habe. Und sie müsse – das habe sie auch nie gedacht – ausgerechnet Michael Bay von den Grünen loben und ihm danken. Er habe dafür gesorgt, dass alle miteinander wieder ins Gespräch kamen. Daraufhin habe es weitere Kontakte mit Bezirksregierung, dem Kämmerer, der Schulverwaltung, der Elternpflegschaft, Landeselternpflegschaft, Gemeinde Bedburg-Hau gegeben.

Genügend Lehrer zu bekommen, „ist kein Hexenwerk“

In der Ratssitzung gestern war auch Mathias Otto, schulfachlicher Dezernent der Bezirksregierung, anwesend und gab Detail-Antworten. CDU und Grüne nahmen Otto in die Pflicht, für genügend Lehrer mit Sek-II-Befähigung für die Oberstufe der neuen Gesamtschule zu sorgen. „Das ist kein Hexenwerk“, war er zuversichtlich. Heute schon brächten das 20 Prozent des Kollegiums mit. 40 Prozent müssen es sein, wenn die Oberstufe bis Klasse 13 hoch gewachsen ist.

Aus seiner Sicht sei eine Umwandlung möglich. Er halte eine Fünfzügigkeit für „sinnvoll“, aber vierzügig wäre machbar, falls die Anmeldezahlen nicht ausreichen. Fünfzügig wäre im Gebäude Hoffmannallee möglich, bestätigte auch Baudezernent Jürgen Rauer – obwohl das in der Planung weitere Zeitverzögerung bedeute.

Das Problem mit den Gebäuden ist noch nicht gelöst

Wolfgang Gebing hatte noch einmal aufgerollt, wie die CDU zur Entscheidung vom 9.11. kam, dass es erst danach neue Argumente von Landesebene gegeben habe, sodass man nun neu beraten könne. Nach wie vor sei aber das bauliche Problem, dass es einen „unzumutbaren Start“ geben werde. Der Fertigstellungstermin der Gesamtschule 1 („GS Rindern“) könne für 2018 nicht gehalten werden. Der Umbau Hoffmannallee ziehe sich hin. Und wenn man an der Ackerstraße (ehemals Sebus-Gymnasium) nur den Namen ändere, wisse man nicht, ob „Eltern das begreifen“, welch guten Standard der Unterricht biete.

Auch die anderen Fraktionen nahmen Stellung, betonten ihre Bedenken Für und Wider. Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne) sagte, dass alle das wohl der Kinder gewollt hatten. Man schlage eine Interimslösung im Interims-Rathaus vor, wenn im nächsten Jahr die Verwaltung ins neue Rathaus umzieht. Gebäudefragen werden am morgigen Mittwoch im Schulausschuss geklärt, sagte die Verwaltung.

Christdemokraten fühlten sich angegriffen: „ungeheuerlich“

Mehrere Christdemokraten waren tief getroffen, dass Bürgermeisterin Sonja Northing dem Ratsbeschluss vom 9. 11. widersprochen hatte mit der Begründung, das schade der Stadt. Die Politiker nahmen „diesen in Kleve bisher einmaligen Vorgang“ persönlich. „Erschüttert, ungeheuerlich, ehrverletzend, das hat weh getan, ich bin enttäuscht“ hießen die Vorwürfe gegen die Erste Bürgerin der Stadt.

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