Naturschutz

Seltene Schafe, seltene Äpfel

Likk Landschaftsschutz, Bentheimer Schafe und Bergschafe, Suffolk-Schafe und Coburger Fuchsschafe auf den Wiesen am Meyerhof auf der Grenze zwischen Kleve und Bedburg-Hau, Uedemer Straße

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Likk Landschaftsschutz, Bentheimer Schafe und Bergschafe, Suffolk-Schafe und Coburger Fuchsschafe auf den Wiesen am Meyerhof auf der Grenze zwischen Kleve und Bedburg-Hau, Uedemer Straße Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve.   Schafe und 70 Obstbäume bereichern die schöne Landschaft am Meyerhof, wo der Steinkauz stapft und der Wanderer ein bisschen schlauer wird.

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Weihnachten ohne Krippe wäre für die katholische Religionslehrerin und für ihren Ehemann, den evangelischen Sohn einer Presbyterin, nicht denkbar. Schafe gehören dazu, wenn Marie-Helén van Heys die Figuren arrangiert, die Großvater Matthäi geschnitzt hatte. Dieses Jahr nimmt die Familie van Heys die Zuversicht und die Ruhe der Botschaft auch mit nach draußen: Da grasen neuerdings Schafe am Meyerhof. Sie sollen hier bleiben, malerisch am Prinz-Moritz-Wanderweg auf der Grenze zwischen Kleve und Bedburg-Hau.

„Es sind 60. Ich habe sie gezählt und bin nicht dabei eingeschlafen,“ lacht Marco van Heys. Er hat große Freude an den neuen stillen Bewohnern. Ihre „Miete“ zahlen sie, indem sie die Wiese schön tief abfressen. Denn gleich nach dem Jahreswechsel werden hier 70 Obstbäume gepflanzt.

Das passt alles so wunderschön zur Atmosphäre auf dem Meyerhof, der seit über 400 Jahren in seinem Familienbesitz ist, weiß es Marco van Heys zu schätzen. Ein Freund, der selbst Schafe hält, hatte ihm den Kontakt zum „Likk“ empfohlen: Likk, Verein für Landschaftspflege im Kreis Kleve. Der widmet sich dem Natur- und Artenschutz im Kreisgebiet Kleve und müht sich ums ökologische Gleichgewicht. Mit dem Kooperationspartner Landschäferei Berkhöfel werden Streuobstwiesen und Naturschutzflächen mit Hilfe von alten, im Bestand bedrohten Land-Schaf-Rassen gepflegt.

Üblicherweise setzt der Verein ein bis drei Obstsorten auf eine Wiese. Am Meyerhof neben dem Wanderweg aber plant Hubert Lemken vom Likk einen „Obstlehrpfad“ und Infoschilder zum Lebensraum Streuobstwiese. „Hier sollen möglichst viele hochstämmige Sorten wachsen“ – 30 oder 40 verschiedene Apfelsorten und 10 bis 15 Pflaumensorten.

Für die 2500 Obstbäume aus 154 Sorten, die der gemeinnützige Verein auf rund 100 Wiesen im Kreis Kleve bisher insgesamt pflegt, hat der Likk jetzt extra Baumschilder mit UV-beständiger Aufschrift anfertigen lassen (gesponsert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Düsseldorf). Die Hartschaum-Quadrate nennen den Sortennamen und bilden einen QR-Code ab, über den sich ein Spaziergänger mit seinem Handy zur Obstsortenbeschreibung auf der Internetseite des Likk verlinken kann.

„Seit diesem Jahr werden alle alten Obstbäume katalogisiert, ein Obstsortenkataster angelegt. Wir stehen unter Zeitdruck. Die alten Sorten brechen weg,“ bedauert Lemken. „Jeder Baum bekommt eine Nummer, dass wie ihn wiederfinden,“ erklärt er. „Der Pomologe bekam leuchtende Augen, als er zum Beispiel in Keppeln eine doppelte roten Bellefleur entdeckte“, verrät Lemken. Der Pomologe, also ein Apfelkundler, arbeitet mit dem Likk zusammen. Ihm reichen eine Handvoll Äpfel, um aus 20 Kriterien wie Farbe, Form, Kerngehäuse, Fruchtfleisch, Stiel, Geschmack die Sorte unter 2000 möglichen herauszufinden. Ein einfacher roter Bellefleur ist keine Seltenheit. Für den „doppelten“ aber konnten bisher nur zwei Standorte im ganzen Rheinland nachgewiesen werden, inklusive dem in Keppeln.

Das Schaf mäht und mäht

Alte Obstsorten zu wahren bedeutet gleichzeitig auch, vielen Tieren den Lebensraum zu erhalten. Zum einen jenen Landschafen aussterbender Rassen, die meist widerstandsfähiger und genügsamer sind als moderne, empfindliche.

Am Meyerhof weiden jetzt mehrere Rassen: Bentheimer Schafe, die Weißen mit dem langen, bewollten Schwanz und schwarzer Augenschminke. Suffolk-Schafe mit schwarzem Kopf, breitem, muskulösen Körper auf kurzen Beinen. Die seltenen schwarzen Bergschafe, schmal, mit Hängeohren. Und ein, zwei Coburger Fuchsschafe mit rötlichem Schimmer. Sie alle kommen gut mit einer Wiese klar, die nicht stickstoffreich gedüngt wird. So, wie es die Obstbäume brauchen.

Und wie es der Steinkauz unbedingt braucht, „damit der über die kurze Wiese stapfen kann“, sich Mäuse, Würmer, Käfer sucht, betont Hubert Lemken die hohe Bedeutung. „In Keppeln gibt es zum Beispiel mehr Steinkäuze als in den ganzen neuen Bundesländern zusammen“, weiß er.

Die Schafe verdichten zudem mit ihren Tritten den Boden, was es der Wühlmaus schwer macht. Sie wäre ein Feind der Obstbäume. Auch Gras wäre Nährstoff-Konkurrent der Obstbäume. Am Niederrhein würde eine Mahd zweimal im Jahr nicht ausreichen, um das Gras kurz genug zu halten. Die Schafe aber machen den Job perfekt. Das Schaf mäht und es mäht. Auch Spechte lieben das. Auch ein Hase findet da immer noch eine Sasse, um sich hinein zu ducken. Artenvielfalt.

Artenvielfalt und Ruhe auch an Silvester

Beim Gang über den Meyerhof sieht Hubert Lemken die charakteristischen kalkweißen Flecken neben frischem Gewölle in der Scheune: Diesen Spei-Ballen hat eine Schleiereule von sich gegeben, klärt er auf. Marco van Heys freut sich: „Ich habe mich schon gefragt, welcher Vogel es ist. Einen Meter Spannweite. Lautlos. Mystisch“.

Schafe und Bäume haben am Meyerhof einen guten Standort In der Silvesternacht, wenn’s über Kleve knallt und blitzt, kommen noch viel mehr Tiere über die Niederung zur Endmoräne, auf der der Meyerhof liegt, und suchen hier Zuflucht. „Darum machen wir mit den Kindern nur ein ganz bisschen Feuerwerk“, kündigt Marco van Heys an.

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