Naturschutz

So funktioniert das System der Ökopunkte im Kreis Kleve

Ökologische Kompensation oder Zahlen

Foto: privat

Ökologische Kompensation oder Zahlen

Kreis Kleve.   Wenn Natur entfernt wird, dann müssen diese Eingriffe zum Teil ausgeglichen werden. Doch wie funktioniert das System überhaupt?

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In den vergangenen Wochen haben wir oft darüber berichtet: Selten sind Abholzaktionen in der Region so aufsehenerregend gewesen wie die Räumung der Bahntrasse zwischen Kleve und Kranenburg oder die Fällaktionen im historischen Klinikwald in Bedburg-Hau. Dabei sind Eingriffe in Natur und Landschaft grundsätzlich auszugleichen, aber was heißt das schon? Entlang der Bahnstrecke Kleve-Kranenburg wurden zum Beispiel viele große Bäume gefällt, nur wie kann man diese ausgleichen? Die NRZ fragte bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Kleve nach, wie das System der Ökopunkte überhaupt funktioniert. Denn verloren gegangene Natur zu kompensieren, ist eine komplizierte Geschichte.

Dr. Hermann Reynders weiß um die Schwierigkeiten, die die Praxis mit sich bringt. Der Leiter der Naturschutzbehörde des Kreises Kleve erklärt, dass eine Beeinträchtigung von Natur und Landschaft kompensiert werden müsse, um die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und die Qualität des Landschaftsbildes langfristig zu bewahren. Der Gesetzgeber sehe in erster Linie das Vermeiden vor, dann das Minimieren und wenn es nicht anders geht das Kompensieren. Aber wer bestimmt den ökologischen Wert von Natur? 100 Bäume an einer beruhigten Bahntrasse können ökologisch wertvoller sein als 100 Bäume rund um einen Sportplatz.

Natur in Zahlen

Für diese Bewertung gibt es beim Kreis Kleve eine Zehn-Punkte-Skala. Anhand eines landesweit einheitlichen Bewertungsverfahrens werden „ökologische Werteinheiten“ (ÖWE) ermittelt. Dabei erhält jeder Biotoptyp einen Wert von null (vollversiegelte Fläche) bis zehn (Feuchtgrünland, Bruchwälder). Die Bewertung gilt auch für landwirtschaftliche Flächen. So werden Ackerflächen mit zwei Punkten bewertet, Grünland mit vier Punkten, alte Obstwiesen mit neun Punkten und Magergrünland mit zehn Punkten. Wichtig sei dabei, dass sowohl der Eingriff als auch der Ausgleich nach dem selben Bewertungsverfahren durchgeführt werden muss. Wer für eine Baumaßnahme einen Wald in Anspruch nehmen muss, der müsse dies in der Regel durch eine deutlich größere Jungwaldfläche ausgleichen. „Nichtsdestotrotz bleibt die Bewertung des Naturhaushaltes sehr komplex“, sagt Reynders.

Aber nicht alle Eingriffe in die Natur müssen kompensiert werden. Das Beispiel E-Radbahn in Kleve zeigt, dass ein stattlicher Bewuchs auf einem nicht mehr vorhandenen Gleis als „Natur auf Zeit“ gewertet werden kann. Dieses über viele Jahre entstandene Biotop muss rechtlich nicht ausgeglichen werden: „Dies ist quasi eine Pflegemaßnahme“, sagte Reynders im Beirat der Unteren Landschaftsbehörde.

Eigenes Kataster

Um all die Eingriffe in die Natur festzuhalten und die entsprechenden Kompensationen zu managen, führt der Kreis Kleve ein eigenes Kataster, in dem alle Maßnahmen dargestellt werden. Naturschützer bemängeln, dass es bei den Kompensationen in erster Linie um Rechenspielchen gehe und weniger um die Qualität der vorhandenen Natur. So werden gerne weniger gute Ackerflächen mit Bäumen bepflanzt und entsprechend aufgewertet. Ob dies allerdings auch sinnvoll für die Natur ist, sei manchmal fraglich.

Grundsätzlich sind alle dazu verpflichtet, Natur zu kompensieren, wenn diese durch eine Baumaßnahme verloren geht. Der Kreis Kleve erfasst, bewertet und verbucht diese Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

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