Museum Schloss Moyland

So wurde die Direktorin von Schloss Moyland gefunden

Museum Schloss Moyland, das umfasst die Aufgaben Museum, Schloss und Park.

Museum Schloss Moyland, das umfasst die Aufgaben Museum, Schloss und Park.

Foto: Blossey / FFS

Till-Moyland.   Julia Niggemann wurde nach zwei Jahren Suche zur Verwaltungschefin von Museum Schloss Moyland gewählt. Sie macht „alles außer Kunst“.

Fast zwei Jahre hat Johannes Look nun nach seinem offiziellen Ruhestand noch an Schloss Moyland weiter gearbeitet. Jetzt ist endlich eine neue Verwaltungsdirektorin gefunden. Julia Niggemann. In erster Bewerber-Runde war niemand auserkoren worden, also starteten Stiftungsvorstand und Kuratorium eine zweite Phase.

Einige Favoriten hatten anderswo berufliche Möglichkeiten gefunden und in Till-Moyland abgesagt. Doch freute sich der Vorstand, in der extrem schwierigen Situation des Museums Schloss Moyland (wie berichtet) einige sehr gute Kandidaten interessiert zu haben.

Es war eine politische, keine Sachentscheidung

Museum Schloss Moyland besteht laut Stiftungsvertrag aus dem Vorstand als Leitungsgremium und dem Kuratorium als Aufsichtsrat. Die Arbeit des Vorstandes (Land NRW, Familie van der Grinten als Stifter der Kunstsammlung/Archiv/Bibliothek, Familie Streengracht als Stifter des Schlosses) war: Ausschreibung, Durchsicht der sehr unterschiedlichen Profile der Bewerber, Auswahl, Gespräche, Empfehlung. Zwei Kandidat*innen blieben zum Schluss. Das 13köpfige Kuratorium – in dem das Land die Mehrheit hat – entschied. „Es war eine politische, keine Sachentscheidung“, sagt Vorstandsmitglied Franz van der Grinten auf Anfrage dieser Zeitung und mag das nicht weiter erläutern.

Wirtschaftswissenschaften und Kulturmanagement

Julia Niggemann überzeugte die Mehrheit mit ihrer Vita. Die Diplom-Kauffrau hat „zwei Standbeine“, lobt Dr. Arnim Brux, Sprecher der Stiftung (Vertreter NRW). Sie hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Gesamthochschule Essen studiert und sattelte den Master of Arts im Management von Kultur- und Non-Profit-Organisationen an der Technischen Universität Kaiserslautern drauf. Sie wirkte neuneinhalb Jahre bei der Mediaagentur „Zenith“ Marketing und Werbung „und sammelte dort auch Erfahrung in Personalführung“, so Brux.

Optimistisch, dass sie zum 1. Juli anfangen kann

Die junge Frau absolvierte drei Monate Praktikum am Museum Ludwig Köln und arbeitete sich dann in der „Setareh Gallery“ in Düsseldorf hoch von Praktikum über befristeter Anstellung zum Gallery Manager, beschreibt Brux. Qualifiziert sie das, in einem Haus der weltgrößten Sammlung des Werks von Joseph Beuys zu arbeiten? Sie sei ja für die Verwaltung zuständig und werde sich einarbeiten, hält Brux große Stücke auf sie. Er ist optimistisch, dass Julia Niggemann zum 1. Juli anfangen könne. „Ich kümmere mich am Montag darum“.

Schritt nach vorn, raus aus dem Negativ-Strudel

„Wir hoffen, dass sie schnell anfängt“, sagt auch Bedburg-Haus Bürgermeister und in dieser Funktion Kuratoriumsmitglied Peter Driessen. „Es ist ein Schritt nach vorn, dass das Museum Schloss Moyland aus dem Negativ-Strudel heraus kommt, in dem es seit Jahren steckt. Ich freue mich, dass des voran geht“. Und er hofft, „dass dies nicht die letzte Entscheidung ist, die Kuratorium und Vorstand jetzt gefällt haben“, spielt er auf die künstlerische Leiterin, Kunsthistorikerin Dr. Bettina Paust, an, deren Vertrag im April 2016 nicht verlängert wurde, was ein gerichtliches Nachspiel hatte.

Frage künstlerische Leitung erst mal zurück gestellt

„Wir haben die Frage der künstlerischen Leitung erst mal zurück gestellt“, hat es Arnim Brux aber nicht eilig. „Die Leitung wird durch qualifizierte Mitarbeiter abgedeckt. Ausstellungen finden ja weiter statt.“ Viel Raum für neue Impulse gebe es ohnehin nicht, weil wegen des Sanierungsbedarfs und der Schimmel-Bekämpfung im Gebäude Ausstellungsräume als Lager genutzt werden. „Wir brauchen eine künstlerische Leitung nicht unbedingt jetzt zu finden, sondern in aller Ruhe“, findet Brux.

Die neue Verwaltungsdirektorin Julia Niggemann ist künftig „für vieles verantwortlich, alles außer Kunst“, sagt Verwaltungsdirektor a.D. Johannes Look. „Sie gibt den Rahmen. Was da hinein gestaltet wird, entscheiden andere“, sagt ihr Vorgänger Look, der fast drei Jahrzehnte Schloss Moyland ‘gemacht’ hat und bereits vor der Unterzeichnung der Stiftungsverträge in den 1990er Jahren dabei war. Er kam zuvor aus der Kreisverwaltung als Vertreter des damaligen Hauptamtsleiters Wilfried Suerick.

Er erinnert, dass Moyland im übertragenen Sinne auf drei Säulen stehe: Kunst, Schloss und Park, um die sich die Verwaltungsdirektorin kümmern müsse und „offen und frei heran gehen“ sollte.

„Moyland war einer der schönsten Arbeitsplätze“

Zu ihren Aufgaben zählt auch die Personalführung in Zeiten hoher Fluktuation und mit einer Reihe offener Stellen. Auf Anfrage sagt Bürgermeister Driessen: „Moyland war einer der schönsten Arbeitsplätze“.

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