Kultur

Spektakuläre Neuerwerbung für das Museum Kurhaus Kleve

Die „Heilige Luzia“ um 1474.

Die „Heilige Luzia“ um 1474.

Foto: Christian Wucherpfennig / Museum Kurhaus Kleve

Das Museum Kurhaus kann zwei mittelalterliche Schnitzfiguren zeigen: Sie wurden um 1500 gefertigt.

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Kleve. Das Museum Kurhaus meldet zwei spektakuläre Neuerwerbungen für die mittelalterliche Sammlung des Hauses. Durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Rudolf-August Oetker-Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege konnten eine „Heilige Luzia“ von Meister Arnt von Kalkar und Zwolle (†1492) sowie ein „Heiliger Cosmas“ eines bisher unbekannten niederrheinischen Meisters um 1500 erworben werden.

Die Heilige Luzia

Bei der „Hl. Luzia“ handelt es sich um ein singuläres Werk von höchster Qualität. Die Märtyrerin ist in ein elegantes, relativ enges Gewand und in einen über die Schulter geschlagenen Mantel gekleidet, der vor der Brust mit Kordeln zusammengehalten wird. Der linke Arm löst sich vom Körper. In der rechten Hand hält sie ein aufgeschlagenes Gebetsbuch, in dem sie voller Konzentration liest. Ihr Gesichtsausdruck ist von zarter Anmut gekennzeichnet. Das Werk wird Meister Arnt von Kalkar und Zwolle zugeschrieben, der auch der Entwerfer des berühmten Kalkarer Hochaltares oder des Dreikönigenreliefs im Museum Schnütgen in Köln ist.

Meister Arnt, der 1484 von Kalkar nach Zwolle umgesiedelt ist, leitete eine große Werkstatt, in der Skulpturen nach seinen Modellen auch von seinen Schülern ausgeführt wurden. Die Figur der „Hl. Luzia“ ist in die Nähe des 1474 entstandenen Klever Chorgestühls in der ehemaligen Minoritenkirche in Kleve einzuordnen, welches einen Höhepunkt niederrheinischer Plastik markiert.

Der Heilige Cosmas

Bei dem „Hl. Cosmas“ handelt es sich um eine hochqualitative spätmittelalterliche Skulptur eines am Niederrhein nur selten dargestellten Heiligen. Es zeigt den gelehrten Arzt in eine höfische Tracht gehüllt, über die er einen Mantel geschlagen hat. In der linken Hand hält er ein Buch, in der rechten eine Urinflasche. Auf dem Kopf trägt er einen imposanten Doktorhut. Die sich in einem sehr guten Erhaltungszustand befindliche Figur ist in einer der bedeutenden niederrheinischen Bildhauerwerkstätten des Niederrheins entstanden. Bis heute ist es nicht gelungen, die Skulptur näher einzuordnen – wobei jedoch angemerkt werden muss, dass diese seit ihrer Präsentation in einer großen kunsthistorischen Ausstellung in Düsseldorf im Jahr 1902 nie wieder öffentlich gezeigt worden ist.

Beide Skulpturen stammen aus einer privaten Kunstsammlung

Beide Skulpturen stammen aus der Kunstsammlung des Benrather Arztes Dr. Adolf Helfer, der diese in den 1930er und 40er Jahren von der Familie des Gocher Bildhauers und Restaurators Ferdinand Langenberg (1849-1931) erworben hat. Dabei handelt es sich um eine der bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Plastik des Niederrheins, von der das Museum Kurhaus Kleve bereits ein beachtliches Konvolut besitzt.

1997 konnten durch die Unterstützung der Kunststiftung NRW 13 mittelalterliche Skulpturen aus dieser Sammlung für das Klever Museum angekauft werden (z.B. „Himmelfahrts-Christus“ oder „Hl. Katharina“), die in den späteren zwei Jahrzehnten durch die Hilfe der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und einer inzwischen verstorbenen, auf die Kunst des späten Mittelalters spezialisierten Mäzenin durch weitere hochrangige Werke von Henrik Douverman, Arnt van Tricht und Dries Holthuys erweitert werden konnten.

Eine Bereicherung für das Museum Kurhaus

Die beiden vorliegenden Skulpturen der „Hl. Luzia“ und des „Hl. Cosmas“ befanden sich bis zum heutigen Tag im Privatbesitz der Nachfahren von Dr. Adolf Helfer, da sie ein Kommunionsgeschenk des Vaters an eines seiner beiden Kinder darstellten. Durch den Verkauf an das Museum Kurhaus Kleve entspricht dieses dem Ansinnen seines Vaters, nämlich, die Figuren mit den anderen, bereits in Kleve befindlichen in einem musealen Kontext zusammenzuhalten.

„Der Erwerb der hl. Luzia stellt eine substanzielle Ergänzung der einzigartigen Sammlung mittelalterlicher Plastik vom Niederrhein für das Museum Kurhaus Kleve dar. Wer hätte gedacht, dass eben jene Heiligenskulptur, die 1997 beim Ankauf der Sammlung Helfer ausgeklammert werden musste, nun über 20 Jahre später doch noch in den Besitz des Museums kommt“, so Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

„Wir freuen uns sehr, dass es zum zweiten Mal gelungen ist, in Zusammenarbeit mit der Ernst von Siemens Kunststiftung die beiden wundervollen Skulpturen der Hl. Luzia, geschaffen von Meister Arnt von Kalkar und Zwolle, und den Hl. Cosmas (unbekannter Meister) dauerhaft für das Museum Kurhaus Kleve aus Privatbesitz zu erwerben. Diese spätmittelalterlichen qualitätsvollen Schnitzereien sind eine große Bereicherung für dieses Haus“, erklärt Dr. Monika Bachtler, geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied der Rudolf-August Oetker-Stiftung für Kunst und Kultur.

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