Raupenbekämpfung

Stadt Kalkar kämpft biologisch gegen die Raupen des Spinners

Meisen Nistkästen gegen Eichenprozessionsspinner hängt hier Winfried Arntz an eine Eiche.

Meisen Nistkästen gegen Eichenprozessionsspinner hängt hier Winfried Arntz an eine Eiche.

Foto: mvo

Kreis Kleve/Kalkar.  Stadt Kalkar setzt beim Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner auch auf eine biologisch saubere Art und Weise der Bekämpfung.

Das Thema hat die Verantwortlichen in den Rathäusern in den vergangenen Jahren derart umgetrieben, dass die Buchstabenkombination EPS schon genügt, um die Mitarbeiter erschauern zu lassen. Wie Andreas Stechling, Fachbereichsleiter in der Kalkarer Verwaltung, geht es vielen Verantwortlichen: Sie sorgen sich schon jetzt wegen der Auswirkungen, die die massenhafte Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners auch in diesem Frühjahr wieder haben könnte.

Gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve und der Interessengemeinschaft „Naturnahes Kalkar“ als Initiator hat die Stadt Kalkar jetzt dem Insekt den Kampf angesagt. Auf biologisch saubere Art und Weise.

Bürgermeisterin Britta Schulz erinnert sich: „In den vergangenen Jahren hat sich die Lage zugespitzt. Wir haben schon Wanderwege sperren müssen, an Kindergärten und Schulen musste gespritzt und abgesammelt werden, viele Bürger sorgten sich.“ Darauf wird auch künftig kaum verzichtet werden können, aber Stechling und seine Kollegen sind hoffnungsvoll, dass sie Hilfe aus der Natur bekommen: Der Bauhof der Stadt Kalkar hat, angeleitet von einem Fachmann des Naturschutzzentrums, 50 Meisenkästen im Außenbereich gehängt. Außerdem wurden 40 Fallen an kräftigen Eichen angebracht.

„Ich kann mir schon denken, dass manche Leute darüber schmunzeln werden: Kleine Vögel gegen diese Plage . . .“, sagt die Bürgermeisterin. Aber sie vertraut den Fachleuten, die sicher sind, dass es etwas bringt.

Gute Erfahrungen

„In den Niederlanden hat man sehr gute Erfahrung mit der Maßnahme gemacht. In Groesbeek zum Beispiel wurde der Schädling durch die Meisen um 80 bis 90 Prozent reduziert“, versichert Winfried Arntz. Die Singvögel brauchen ab April jede Menge Nahrung für ihre Nachkommen. Sie fliegen umher und finden schnell heraus, wo es sättigende Raupen im Überfluss gibt – in den Eichen zum Beispiel.

„Wir werden auf die chemische Bekämpfung in Einzelfällen nicht verzichten können“, ahnt Britta Schulz. Wenn Bäume im Garten eines Kindergartens oder am Schulweg voller Raupen mit Brennhaaren sind, kann man nicht warten, bis die Meisen ihren Job erledigt haben. „Es ist ein Baustein zur Lösung des Problems, und zwar einer, der zum Klimaschutz passt“, erklärt die Bürgermeisterin.

Blau- und Kohlmeisen anzulocken, indem man ihnen zum Nestbau sichere Höhlen anbietet, kann in keinem Fall schaden. „Die Nistkästen aus Holzbeton sind sehr widerstandsfähig. Im Sommer reinigen wir sie, dann können sie jahrelang genutzt werden“, erklärt Arntz. Die Männer des Bauhofs haben mit ihrer Arbeitsbühne geholfen, die Kisten in der richtigen Höhe an den Stämmen diverser Eichen aufzuhängen.

Ideale Himmelsrichtung

Winfried Arntz hat aufgepasst, dass die Einfluglöcher in die ideale Himmelsrichtung weisen, damit die Vögel auch tatsächlich einziehen und brüten. „Die Balz beginnt schon im Februar, ab Mitte April wird gebrütet“, weiß der Naturschützer. Und die Brut sperrt die Schnäbel ausdauernd auf.

Wer mit offenen Augen spazieren geht, wird auch Fallen an den Eichen entdecken. Die Bänder um die Stämme sind mit einem Lockstoff getränkt und sollen ebenfalls Eichenprozessionsspinner bekämpfen.

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