Leonhard Dreschers

Stadtgeschichte anhand von Grabsteinen

Die Stiftungsmitglieder vor der Grabplatte.

Die Stiftungsmitglieder vor der Grabplatte.

Foto: NRZ

Goch.   Die Bürgerstiftung Niederrhein hat die Grabplatte des Bürgermeisters Dreschers überarbeiten lassen

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Er war jung für einen Bürgermeister: Leonhard Dreschers kam mit gerade einmal 37 Jahren ins Amt. Als Bürgermeister der Stadt Goch sorgte er für den Bau der ersten Arbeitersiedlung. Es war keine Blütezeit, in der Dreschers das Amt innehatte: 1913 sah alles noch rosig aus, ein Jahr später stand Deutschland im Ersten Weltkrieg. So jung Dreschers das Amt übernommen hatte – viel Zeit für die Gestaltung der Nachkriegszeit in Goch blieb ihm nicht. 1918 starb er an der Grippe. Diese sogenannte „Spanische Grippe“ wütete weltweit, in Goch fielen ihr mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger zum Opfer. In Erinnerung an Dreschers Wirken und seine sozialpolitischen Maßnahmen benannten die Gocher einen Platz nach ihm: den Leonhardusplatz an Gochs ältester Arbeitersiedlung.

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein – aber das soll sie gerade nicht. Denn Leonhard Dreschers hat einen Ehrenplatz auf dem Gocher Friedhof bekommen. Nur war der Grabstein in den letzten Jahren so heruntergekommen, dass kaum noch jemand so recht wusste, wer da eigentlich begraben liegt. „Die Friedhofskultur ist doch ein Spiegelbild der Gocher Geschichte“, findet Adolf Schreiber von der Bürgerstiftung Niederrhein. Bürger hatten ihn angesprochen und gefragt, wessen Grab da so verwahrlost ist. Der Heimatverein Goch beschloss dann, die Sache anzugehen. Eine Fachfirma wurde beauftragt, den Stein abzuschleifen, zu versiegeln, Löcher zu füllen, Risse zu kitten und die Schrift zu erneuern. Finanziert von der Bürgerstiftung. „Wir wollen, dass der Zustand nun lange erhalten bleibt“, sagt Schreiber.

Direkt neben Dreschers liegt ein anderer ehemaliger Bürgermeister: Hans Menke. Der versah das Amt von 1969 bis zu seinem Tod 1979. Stadtgeschichte in Form von Grabplatten: „Das soll ja auch neugierig darauf machen, wer diese Menschen waren und was sie gemacht haben“, erläutert Willi Vaegs, Vorsitzender des Heimatvereins.

Schuhfabrik van Oyen

Und weil man nun schon dabei war, hat die Bürgerstiftung gleich noch die Restaurierung einer zweiten Inschrift finanziert. Hierbei handelt es sich um das Grabmal der Familie van Oyen. Das ist nun sehr markant, stellt es doch einen überlebensgroßen Pilger dar, der an einem Kreuz sitzt. Denn van Oyens gehörte einst eine Schuhfabrik, die in den 20er Jahren 250 Arbeiter beschäftigte. 1958 stellte sie ihre Produktion ein. Auch das ist Teil der Stadtgeschichte: Wie die Menschen sterben irgendwann die Institutionen. Das Grabmal gehört inzwischen der Stadt Goch. „Himmelan geht unsere Bahn“, steht darauf, „wir sind Pilger nur auf Erden.“

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