Unfallschwerpunkt

Straßen NRW entschärft den „Tennisschläger“ in Kranenburg

Aus der Luft sieht die Verbindung von B 9 und B 504 in Kranenburg aus wie ein Tennisschläger.

Aus der Luft sieht die Verbindung von B 9 und B 504 in Kranenburg aus wie ein Tennisschläger.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Kranenburg.  Der Landesbetrieb Straßen NRW beginnt am Montag in Kranenburg mit Arbeiten an dem Stück von B 9/B 504,das als Unfallschwerpunkt eingestuft ist.

Es sind überwiegend Blechschäden, aber nicht unbedingt Bagatellunfälle, von denen Spuren an den Leitplanken am „Tennisschläger“ in Kranenburg zeugen. Das nie zu Ende gebaute Stück B 9/B 504 wurde von der Unfallkommission des Kreises Kleve als Unfallhäufungsschwerpunkt eingestuft. Drei mittelschwere Blechschäden im Jahr 2017, ein Unfall mit einem Leichtverletztem und Sachschaden sowie zwei Sachschäden im Jahr 2018 und ein Blechschaden in diesem Februar reichten dafür aus. Zusammen mit der Straßen-NRW-Regionalniederlassung Niederrhein wurde abgesprochen, dass technische Umbaumaßnahmen zur Entschärfung des Unfallhäufungsschwerpunktes folgen. Die beginnen am Montag, 12. August, und dauern bis Samstag, 7. September.

„Wenn sich alle an die Straßenverkehrsordnung halten würden, gäbe es hier keine Unfälle“, urteilt Dietmar Giesen, Projektleiter Bauen bei Straßen NRW. Aber genauso, wie es an manchen Kreuzungen trotz eines Stop-Schildes zu schlimmen Zusammenstößen komme, sei irgendwann der Punkt erreicht, wo man trotz eindeutiger Beschilderung doch baulich etwas verändern müsse, „auch wenn die Unfallursache oft einfach überhöhte Geschwindigkeit ist“.

Unfallkommission bringt Meinungen zusammen

In der Unfallkommission trügen Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Gemeinde ihre Meinungen zusammen. „Es sind auch Nicht-Fachleute dabei, die mit neutralem Blick etwa bemerken: ,Diese Hinweise sind für mich missverständlich’ oder auf einer geraden Strecken das Gefühl haben, sie hätten Vorfahrt, auch wenn das nicht der Fall ist“, so Giesen.

So werden zur Verbesserung der Verkehrssituation am „Tennisschläger“ die Linienführung und die Querneigung der Fahrbahn in Teilbereichen angepasst. Was das bedeutet, erklärt der Projektleiter Bauern bei Straßen NRW: Wie ein Rennauto sich auf seiner Bahn in die steile Kurve legt, weil Querkräfte (Fliehkraft) wirken, soll in abgespeckter Form eine Querneigung einer Fahrbahn in der Kurve zum Kurveninneren hin eben auch ein Schleudern oder Umkippen des Fahrzeugs verhindern, wenn es zu schnell ist, „wenn also jemand im Tennisschläger mit 80 km/h entlang fährt“.

Regen soll gut abfließen

Wichtigster Aspekt der Neigung ist aber, dass Regen gut abfließt und kein gefährliches Aquaplaning auf der Fahrbahn entsteht. Heute sei die Neigung neuer Straßen bei kaum spürbaren 2,5 Prozent, „früher war sie aber noch geringer“, so Giesen. Außerdem wird bei der B 9/B 504 auch die Längsneigung (Gradiente) verbessert, ebenfalls wegen des Regens, damit dieser nicht nur zu einer Seite über die gesamte Fahrbahn läuft. Das sei am flachen Niederrhein häufig nötig, vergleicht Geisen mit bergigerem Gelände.

„Wir investieren in unsere Infrastruktur vor unserer Haustür“, betont er. Und erinnert, dass auch die Sperrung einer Straße nach Unfällen und Bergung von Unfallfahrzeugen immer Kosten verursache.

Während der Arbeiten wird der Verkehr in Richtung Nimwegen als Einbahnstraße durch die Baustelle weiter über den „Tennisschläger“ und zeitweise über die Gegenfahrbahn geführt. Der Verkehr von Nimwegen in Richtung Goch wird durch Kranenburg umgeleitet über die Umfahrung, die zwar 500 Meter um den verkehrsberuhigten Ortskern führt, aber sicher schneller ist, als wenn Autofahrer mit Tempo 20 durch die Ortsmitte kriechen und hinter dem Bus bleiben, dessen Haltestelle absichtlich mitten auf der Straße liegt.

Weiterbau aus den Planungen gestrichen

Wozu der „Tennisschläger“ überhaupt nütze ist, das kann Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins nicht so einfach beantworten. „Wenn die Perspektive bestünde, dass die B 9 neu mal bis zur Rheinbrücke durchgezogen wird, wäre hier ein Schnellweg nach Nimwegen möglich“, der Donsbrüggen und Kranenburger Ortsteile entlaste, erinnert er.

„Aber das wurde aus dem Bundesverkehrswegeplan und dem Regionalplan gestrichen. Das sind Rahmenbedingungen, mit denen wir umgehen müssen. Selbst, wenn die Elektromobilität voran getrieben wird, wären immer noch viele Fahrzeuge unterwegs“, sagt Steins. Nur wenn die Bahnstrecke elektrifiziert würde und die Menschen überwiegend den ÖPNV nutzen, „dann müssten wir den Mut haben, den Tennisschläger zurück zu bauen“, so Kranenburgs Bürgermeister.

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