Helfen

Tatkraft für Hilfsbedürftige

Hennig Scherf sprach Kleve.

Hennig Scherf sprach Kleve.

Foto: Kleve

Kleve.   Der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf erzählte in der Kleinen Kirche über seine Weltreise zu mehreren Hilfsprojekten

Man kann bei einer Lesung die Nähe zum Zuhörer über den Text herstellen, über Augenkontakte, Anreden des Publikums oder einleitende Worte. Henning Scherf, langjähriger Bürgermeister von Bremen, macht das anders. Er geht durch die Reihen und begrüßt jeden Anwesenden in der Kleinen Kirche an der Böllenstege per Handschlag. Von wegen: kühle Norddeutsche.

Eingeladen zur gut besuchten Lesung hatte der Caritasverband Kleve. 2010 war Scherf bereits einmal zu Gast bei der Caritas, damals im Goli-Theater Goch. Damals ging es ums Thema Alter, worüber Scherf einiges geschrieben und gesagt hat, vor allem zum Punkt Mehrgenerationenhaus. Doch auch zum diesjährigen Jahresthema der Caritas hat Scherf etwas zu sagen. „Weit weg ist näher als du denkst“ lautet es. „Im täglichen Handeln sind wir Teil der Globalisierung“, sagte Joachim Schmidt, Geschäftsführer des Caritasverbands Kleve, zu Beginn der Veranstaltung.

Henning Scherf nun hat 2008, nach Beendigung der politischen Laufbahn, mit seiner Frau eine große, mehrmonatige Reise unternommen. Eine Reise zu Orten, in denen von ihm unterstützte Hilfsprojekte oder Personen wirken. „In Nicaragua unterstützen wir seit 30 Jahren Kinder und Kulturprojekte“, erklärte Scherf. Über 1000 Straßenkinder kommen in Verbindung mit Musik, Literatur, Malerei oder machen Radiosendungen. Zu diesem Zweck hat sein Verein „Pan y Arte“ zum Beispiel ein Kulturzentrum in Granada errichtet und nach einem schweren Hurrikan ein Dorf errichtet. In den Elendsquartieren Managuas lernen Kinder Instrumente, zudem bildet Pan y Arte Grundschullehrer fort – einmalig in Nicaragua. Mit einer Bibliothek schafft es der Verein, nicht nur pro Tag 500 Kinder zu erreichen, sondern auch deren Eltern.

Zuhause ist überall

Zweite Station der Reise war Chile. „Eine große Zahl von Menschen, die vor Pinochet geflüchtet sind, wurden nach seinem Sturz politisch aktiv“, erzählte er. Viele kennt Scherf persönlich, einer wohnte zeitweise bei ihm zu Hause. Weiter ging es nach Myanmar und Indien nach Sri Lanka. „Wir haben einem Bremer Reeder Geld gegeben, das er nach dem Tsunami in 500 kleine Projekte gesteckt hat“, erläuterte Scherf. Auch hier machte er sich ein Bild, wie die unkomplizierte Hilfe gewirkt hat. Nach der Reise schrieb Scherf ein Buch über seine Eindrücke und Motivation. Es heißt „Gast bei fremden Freunden“. „Wir haben unser Zuhause rund um den Globus erweitert“, lautet Scherfs Fazit.

Das Klever Gitarrenduo „Accu due“ mit Friedhelm Körner und Peter Holdenberg umrahmte den Abend mit stimmungsvollen Klängen.

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