Justiz

Tierheim-Vorsitzender aus Kleve in Untersuchungshaft

Die Kranenburger Tierheimhunde werden trotz der Inhaftierung des Vereinsvorsitzenden und dem Einfrieren der Vereinsgelder weiter versorgt.

Foto: NRZ

Die Kranenburger Tierheimhunde werden trotz der Inhaftierung des Vereinsvorsitzenden und dem Einfrieren der Vereinsgelder weiter versorgt. Foto: NRZ

Kleve.   Weil er 640.000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen unterschlagen haben soll, sitzt Sigurd Tenbieg, Chef vieler Tierschutzvereine im Kreis Kleve, in Untersuchungshaft. Es ist nicht das erste Verfahren gegen den Klever. In Rheinland-Pfalz darf er seit 2009 keine Spenden und Fördermitglieder sammeln.

Im sonnigen Frankreich weilte der Klever Sigurd Tenbieg, als der mit EU-Haftbefehl Gesuchte von der dortigen Polizei bereits am 4. Juli festgenommen wurde: Seither sitzt Tenbieg in Untersuchungshaft, wie nun bekannt wurde – mittlerweile in Deutschland, weil die Staatsanwaltschaft Kleve erhöhte Fluchtgefahr befürchtet.

Dem Vorsitzenden verschiedener Tierschutzvereine wird vorgeworfen, zwischen 2001 und 2011 Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 640.000 Euro nicht abgeführt zu haben. Zur Liste der betroffenen Vereine gehört auch das „Albert-Schweitzer-Tierheim ohne Gitter“ in Kranenburg, das vom Verein „Tierheim-Tierhilfe“ betrieben wird, dessen Vorsitzender Sigurd Tenbieg ist.

Tiere werden weiterhin versorgt

Eine Entwarnung vorab: Die Tiere im Albert-Schweitzer-Tierheim ohne Gitter werden weiterhin versorgt. Laut Kleves Oberstaatsanwalt Günter Neifer kümmern sich Tenbiegs Verwandte um die Tiere.

Für die Tiere ist also gesorgt, für die ausstehenden Zahlungen für Rente oder Krankenkasse aber nicht. Betroffen sind mehrere Angestellte Sigurd Tenbiegs. Darunter sind laut Neifer auch Verwandte Tenbiegs, die für die diversen Vereine meist in der Leitungsebene mitarbeiten, deren Vorsitzender Tenbieg ist.

Laut Oberstaatsanwalt Neifer befinden sich die Ermittlungen erst am Anfang. Sie könnten sich mehrere Monate hinziehen, bevor über eine Anklageerhebung entschieden wird. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft, soll der Vorsitzende verschiedener Tierschutzvereine bis dahin auch in Untersuchungshaft bleiben.

Geld auf Vereinskonten bis auf Weiteres eingefroren

Zusätzlich wurden die Konten von Tenbiegs Vereinen bis auf Weiteres eingefroren, auch vorhandenes Vermögen sei gesichert worden. Somit betrifft das Ermittlungsverfahren auch das Tierheim in Kranenburg.

Bis zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe drohen Tenbieg, wenn sich die Tat bestätigt. Das Verfahren habe Gewicht, sagt Neifer, weil die vorenthaltenen Beiträge eine große Höhe erreicht haben. Geprüft werden nun alle Unterlagen aller Vereine, was nicht ganz einfach sein dürfte. Vor vier Jahren lagen bei der Stadt Kleve allein sieben Gewerbeanmeldungen für Tenbiegs Adresse vor. Darunter beispielsweise der Tierschutzförderverein, die Südeuropäische Tierhilfe oder das Kranenburger Tierheim.

Dass Tenbieg ein ganzes Netzwerk an Vereinen betreibt, ist schon länger bekannt. 2009 untersagte Rheinland-Pfalz dem Tierschutzförderverein das Spendensammeln und Werben von Fördermitgliedern. Tenbieg ging gegen das Urteil vor und unterlag. In der Begründung steht, es deute „einiges auf Verschleierungsabsichten mittels eines Beziehungsgeflechts verschiedener Vereine und verantwortlicher Personen hin.“

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