Totenruhe gestört

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Rat der Gemeinde Kranenburg hat über Einwände gegen die Windkraftanlagen im Reichswald zu entscheiden. Trotzdem wettert der Bürgermeister von Kranenburg öffentlich in dieser Tageszeitung gegen private Einwände. Er bezeichnet sie als „einfache Argumente.“ Beispielsweise erwähnt er meinen Einwand der „toten Soldaten des zweiten Weltkriegs im Reichswald“:

„Der Reichswald ist besonders im Zweiten Weltkrieg hart umkämpft gewesen. Die vielen Soldatenfriedhöfe in und um den Reichswald/Ketelwald zeugen von den heftigen Schlachten, die am Ende des zweiten Weltkriegs dort stattgefunden haben. Jedoch wurden noch längst nicht alle toten Soldaten geborgen. Die Erstellung dieser Industrieanlage im Reichswald stört die Totenruhe der noch immer im Reichswald bisher nicht gefundenen Soldaten. Aus diesem Grund bitten wir Sie, von den Planungen Abstand zu nehmen.

Dieser Einwand wurde bisher ohne Begründung vom Rat nur „zur Kenntnis genommen.“ Ihn ohne weitere Begründung abzulehnen, war mir zu einfach. Denn der Reichswald war nach dem Krieg lange Zeit Sperrgebiet. Nur schwer konnte man getötete Soldaten bergen, da der Reichswald stark vermint war. Insgesamt wurden 14.000 Tonnen Munition im Reichswald verschossen und 4.700 ha Wald zerstört. Von einem amerikanischen Reporter wurde im September 1947 berichtet, dass die Kämpfe in der Normandie hart waren, jedoch die Kämpfe beim Städtchen Kranenburg waren unvorstellbar, denn es gab schwere Verluste.

In den letzten Jahren konnte man oft Personen mit Metalldetektoren im Reichswald beobachten, die nach Militärorden von toten oder verwundeten Soldaten suchten. Meiner Meinung nach liegen nach wie vor Soldaten im Reichswald, die bisher nicht auf Soldatenfriedhöfe umgebettet wurden. Der Reichswald ist ein großer Naturfriedhof.

Deshalb habe ich Ende Juni die Gemeinde erneut angeschrieben und sie darum gebeten, dass die katholische- und evangelische Kirchengemeinde zu meinem Einwand Stellung nehmen sollte. Bisher habe ich dazu keine Antwort bekommen.

Michael Thelosen, Kranenburg

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben