Esoterik-Kritik

Umstrittener Autor Robert Betz zu Gast im Kastell

Der Bestseller-Autor Robert Betz ist im Kastell in Goch zu Gast.

Foto: Privat

Der Bestseller-Autor Robert Betz ist im Kastell in Goch zu Gast. Foto: Privat

Goch.   Robert Betz zählt zu Deutschlands Bestseller-Autoren im Bereich Lebenshilfe. Warum Kritiker vor seinen esoterischen Lehren warnen.

Seine Werke tragen Titel wie „Raus aus den alten Schuhen!“ oder „So wird der Mann ein Mann!“ und landen regelmäßig in den Bestseller-Listen. Das neueste Sachbuch des „Lebenslehrers“ Robert Betz stellt die wohl eher rhetorisch gemeinte Frage „Willst du normal sein oder glücklich?“ und bildet da keine Ausnahme. Am heutigen Donnerstag ist der Autor und Diplompsychologe zu Gast im Kastell, wo er aus seinem aktuellen Ratgeber vorliest.

Doch ebenso groß wie der kommerzielle Erfolg des Robert Betz ist mittlerweile auch die Kritik an dem Autor, dem ein ausgeprägter Geschäftssinn und ein Hang zum Übernatürlichen nachgesagt wird, wobei er in seinen theoretischen Exkursen den Boden der Wissenschaft in einem zuweilen bedenklichen Maße verlassen soll.

So zumindest sieht es die Sekteninfo NRW – ein Verein mit Sitz in Essen, der mit Unterstützung des Landes über sektenhafte Gruppierungen, selbst ernannte Heilsbringer und allgemein über Menschen aufklärt, die mit der Leichtgläubigkeit anderer auf unterschiedlichsten Wegen Kasse machen. Auch Robert Betz befindet sich schon länger im Visier des Vereins.

Zahlreiche Anfragen zu Robert Betz

„Wir hatten zu Robert Betz im vergangenen Jahr 32 Beratungsanfragen – zumeist von Angehörigen, die sich hilfesuchend an uns gewandt haben, weil ihr Partner oder ein anderer ihnen nahestehender Mensch sich beispielsweise seit einem Seminar von Robert Betz stark verändert habe“, berichtet Sabine Riede, Leiterin der Sekteninfo NRW.

Thematischer Spitzenreiter waren 2016 mit 40 Anfragen die Zeugen Jehovas; zu Scientology hatte der Verein 31 Anfragen. Mit dessen wachsendem wirtschaftlichen Erfolg habe sich der Verein in den vergangenen Jahren verstärkt mit dem Phänomen Robert Betz beschäftigen müssen, so Riede.

Ihre Kritik formuliert sie dabei sehr differenziert. „Man kann nicht plump behaupten, dass die Lehren von Betz gefährlich seien. Das Problem bei ihm liegt eher darin, dass Menschen, die in ihrem Leben ohnehin eine gewisse Labilität mitbringen oder sich in einer Krisensituation befinden, leicht den Bezug zur Realität verlieren können. Betz bietet in seinen Theorien schnelle Glücksversprechen und zu einfache Lösungen für komplexe Probleme an.“ Dies könne so weit gehen, dass Menschen notwendige medizinische Behandlungen verweigern oder plötzlich das Bedürfnis verspüren, sich von ihrer Familie zu trennen. „In extremen Fällen kann das bis zum Ausblenden jeglicher Ratio führen“, so Riede.

Umstrittene Äußerungen zum Thema Demenz

Tatsächlich ist Betz in der Vergangenheit schon häufiger mit zweifelhaften Thesen aufgefallen wie etwa der Behauptung, dass Demenz-Patienten nur essenzielle Probleme in ihrem Leben verdrängten und die Krankheit somit gewissermaßen selbst geschaffen sei: „Wer an Demenz leidet, hat gesagt: ‘Davon will ich nichts mehr wissen!’ Und das Gehirn antwortet: ‘So sei es!’ und zieht den Schleier davor. Wende dich bewusst dem zu, was dir peinlich war, wofür du dich geschämt hast oder wo du dich schuldig fühltest“, wendet sich Betz salbungsvoll in einem Facebook-Post an seine Fangemeinde.

In der Welt des Robert Betz hat jedes körperliche Leiden eine psychische Ursache. Doch seine gute Nachricht: Jeder Mensch könne Leidenszustände verwandeln. So sind nicht nur seine Bücher ein wichtiger Zweig seines Geschäftsmodells, denn Betz bietet auch Seminare an, bei denen sich Menschen zu „Transformationstherapeuten“ ausbilden lassen können. Verteufeln will Sabine Riede den Autoren dennoch nicht, wenngleich die Kritik an ihm lauter wird.

Stadt Goch betrachtet den Auftritt als unbedenklich

„Er macht auf seinen Lesungen mit den Besuchern zum Beispiel Entspannungsübungen, die ich für völlig unbedenklich halte.“ Doch erwecke der Psychologe aus Sicht des Vereins oft den Anschein, dass es ihm in erster Linie um sein Bankkonto und erst dann um das Seelenheil seiner Anhänger gehe. Auch das ARD-Magazin „Panorama“ hat sich schon kritisch mit Betz auseinander gesetzt.

Gochs Stadtsprecher Torsten Matenaers betrachtet den Auftritt des Autoren derweil als unproblematisch: „Wir legen als Stadt natürlich Wert darauf, dass kulturelle Angebote nicht gegen Recht und Gesetz verstoßen. Das ist bei Robert Betz auch nicht der Fall.“ Immerhin sorge der Autor auch in vielen anderen Städten Deutschlands für ausverkaufte Hallen. „Außerdem darf man vom Heyne-Verlag, bei dem Betz unter Vertrag ist, auch eine gewisse Seriosität annehmen.“ Robert Betz selbst trägt die Kritik an seiner Person indes mit Gelassenheit. „Ich habe nie behauptet, dass die Transformationstherapie wissenschaftlich anerkannt ist“, räumt er im Gespräch mit der NRZ ein.

Kein Verständnis für die Vorwürfe

„Ich gehe mit diesem Thema sehr transparent um. Deshalb lade ich interessierte Wissenschaftler auch herzlich ein, ihre Wirksamkeit zu untersuchen.“ Auch habe er nie seinen Klienten geraten, medizinische Hilfe zu verweigern, wenn sie erforderlich sei, wie es bei seinen Kritikern mithin kolportiert werde. „Ich sage den Leuten immer: ‘Geht zum Arzt, wenn ihr ein gesundheitliches Problem habt’“, beteuert er. Dass Menschen sich in Sorge um ihre Angehörigen hilfesuchend an eine Beratungsstelle wenden, könne er sich kaum vorstellen. „Es wäre schön, wenn diese Leute einmal unvoreingenommen eines meiner Seminare besuchen würden.“

Sabine Riede erwartet auch von Veranstaltern wie der Stadt Goch keineswegs, dass diese jedes kulturelle Angebot auf „moralische Bedenklichkeit“ prüfen und stellt klar: „Wenn die Menschen eine kritische Grundhaltung einnehmen, haben wir schon viel erreicht.“

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