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Unbekannte stehlen wertvolle Reliquie aus Kirche in Kevelaer

Symbolbild: Aus der Sakramentskapelle in Kevelaer ist eine wertvolle Reliquie gestohlen worden.

Foto: Friso Gentsch

Symbolbild: Aus der Sakramentskapelle in Kevelaer ist eine wertvolle Reliquie gestohlen worden. Foto: Friso Gentsch

Kevelaer.   Ein Armreliquiar haben bisher unbekannte Täter aus einer Kapelle in Kevelaer gestohlen. Es ist von "unschätzbarem ideellen Wert".

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Es hat die Form eines Armes in einem kirchlichen Gewand und am oberen Ende ragt eine golden glänzende menschliche Hand hervor: Ein wertvolles Armreliquiar ist am Dienstag aus einer Kapelle in Kevelaer gestohlen worden. In der dortigen Kirchengemeinde St. Marien zeigte man sich am Mittwoch stark getroffen. Denn Inhalt des gestohlene Behältnisses, versilbert, vergoldet und mit Edelsteinen verziert, ist eine Reliquie des Heiligen Petrus Canisius. Zu dem hat man in Kevelaer ganz starke Bezüge.

"Es ist die einzige Reliquie, die wir von diesem Heiligen haben", sagt Kaplan Christoph Schwerhoff am Mittwoch auf Anfrage. Petrus Canisius hat im 16. Jahrhundert gewirkt, gilt als geistlicher und politischer Vorkämpfer der Gegenreformation und stammt aus Nimwegen. 1925 wurde er von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Das Gemeindehaus in Kevealer trägt seinen Namen und die dortige Kirchenbibliothek. Nicht zuletzt dieser Heilige sei Grund dafür, dass Kevelaer auch heute noch der größte niederländische Wallfahrtsort sei, sagt Schwerhoff.

Armreliquiar ist von unschätzbarem idellen Wert für Kevelaer

"Das Reliquiar ist von unschätzbarem idellen Wert für uns", sagt Schwerhoff. Das vielleicht 30 Zentimeter hohe verzierte Behältnis stand in der Sakramentskapelle am Kapellenplatz und war in einem gusseisernen turmartigen Käfig in etwa 1,80 Metern Höhe direkt am Eingang zur Beichtkapelle platziert.

"Der oder die Täter müssen ziemlich kaltblütig gewesen sein", glaubt Schwerhoff. Denn die beiden Schlösser, die das Reliquiar sicherten, seien nicht aufgebrochen, sondern abgeschraubt worden. Schwerhoff: "Das dürfte einige Zeit gedauert haben". Zwischen 12 und 18 Uhr muss das Reliquiar am Dienstag gestohlen worden sein, teilte die Polizei im Kreis Kleve am Mittwoch mit. Die Kapelle ist öffentlich zugänglich, täglich von 8 bis 18 Uhr. "Als der Küster am Abend die Kapelle abschließen wollte, ist der Diebstahl aufgefallen", erinnert sich Schwerhoff.

Kriminalpolizei in Goch hofft auf Zeugen

Auch am Mittwoch war die Sakramentskapelle geöffnet. "Wir planen trotz des Diebstahls jetzt nicht, Kirchen abzusperren", sagt Kaplan Schwerhoff. Aber das Thema Sicherheit "wird nun drängender". Als erstes würden nun die Gemeindebediensteten sensibilisiert, den zahlreichen Kirchenschmuck in Kevelaer im Auge zu behalten. Weitere Maßnahmen waren am Mittwoch noch offen.

Was mit dem Objekt passieren könnte, mag sich Schwerhoff nicht ausmalen: "In vielen Fällen interessiert Kriminelle nur der Materialwert". Edelsteine würde herausgelöst, das Material eingeschmolzen. Für die Kevelaerer Wallfahrt aber macht gerade der Inhalt des Reliquiars - vermutlich ein Stück Arm-, Hand- oder Finger-Knochen des Heiligen Petrus Canisius - den besonderen Wert der Reliquie aus.

"Es ist schon vorgekommen, dass Kirchengegenstände gegen Lösegeld angeboten wurden", weiß Schwerhoff. Wie man in einem solchen Fall in Kevelaer reagieren würde, war am Mittwoch noch nicht klar: "Das wäre dann ja eine Entführung..."

Die Polizei indes hofft auf Zeugen, die Hinweise zum Verbleib des Armreliquiars geben können - oder zu dem oder den Tätern. Die Ermittlungen liegen bei der Kriminalpolizei in Goch. Telefonnummer: 02823/1080.

>>>>Info

Die Zahl der Diebstähle aus Kirchen im Bistum Münster hat sich in den vergangenen Jahre mal nach oben, mal nach unten entwickelt. 2016 listet das Bistum insgesamt 25 Kirchendiebstähle auf, im Jahr 2015 waren es 40. Die Zahl bezieht sich auf die Diebstähle, die aus versicherungsrechtlichen Gründen gemeldet wurden, sagt ein Bistumssprecher auf Anfrage.

Mitunter wurde Diebesgut auch wieder gefunden: "Ein herausragendes Beispiel aus jüngerer Zeit ist der Diebstahl des aus dem 11. Jahrhundert stammenden Borghorster Stiftskreuzes vom 29. Oktober 2013 aus der Kirche St. Nikomedes in Steinfurt-Borghorst, das inzwischen wieder aufgetaucht ist", berichtet Christian Breuer von der Bischöflichen Pressestelle zuständig für die Region Niederrhein. "Die drei Diebe sind inzwischen rechtskräftig zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Im Kreis Kleve wurden im Januar 2017 zahlreiche Krippenfiguren aus der Stiftskirche gestohlen. Sie wurden im Mai von zwei syrischen Flüchtlingen wiederentdeckt und der Polizei übergeben."

Die Kirche versucht in Sachen Sicherheit nachzurüsten: "Diebstahlsicherungs-Aspekte spielen regelmäßig bei der Planung von Neu- oder Umbauten eine Rolle, aber auch im Zusammenhang von Inventarisierungs- oder Restaurierungsvorhaben", sagt Breuer.

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