Unter dem Mammutbaum

Kleve.  Eigentlich ist es erstaunlich, dass man die Villa Elsa erst in diesem Jahr zum Denkmal erklärt hat. Gelegen zwischen Held- und Gruftstraße, mitten in Kleve und doch versteckt in der Höhe thronend, ist sie sicherlich eine der schönsten und größten Villen, die aus dem 19. Jahrhundert übrig geblieben sind.

1884 begann der Bauunternehmer Kleindorp mit dem Bau. Herrschaftlich sollte er werden, mit hohen Decken, Stuckarbeiten und historisierender Fassade. Hinzu kam ein beeindruckender Garten. Schließlich befindet sich das Grundstück nicht nur in unmittelbarer Nähe zu den großen Klever Gartenanlagen, sondern es war lange Jahre selber Teil einen großen Gartens. Der Gartenarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe höchst selbst gestaltete ihn Anfang des 19. Jahrhunderts für Johann Arnold Kopstadt. Das ist jener Kopstadt, der seine Zeitgenossen in mitunter galligen Charakterstudien verewigte.

Wohin man also greift, bekannte Klever Namen. Das setzt sich bei den Bewohnern der Villa fort. Die Malerin Gisela Baur-Nütten wohnte hier, ebenso ihre Tochter Ruth Gräfin von Bullion. Sie wirkte lange Zeit als Ballettlehrerin in Kleve. Ans Tageslicht befördert hat die Geschichte der Villa der Gartenexperte Wilhelm Diedenhofen im Kalender für das Klever Land 2003. Dort ist auch ein Foto zu sehen, das die Villa in ihrer ganzen Pracht zeigt. 1907 hat Ewald Steiger es aufgenommen, da kann man noch weit in Wiesen und Felder hineinschauen, die heute längst zugebaut sind.

Heute gehört das Anwesen Heidemarie Gräfin von Bullion. Das Grundstück war einst größer. 1951 verkaufte man einen Teil, um Geld für den Wiederaufbau des im Krieg zerstörten rechten Hausteils zu haben. Was einst als Wohnsitz einer Kaufmannsfamilie gedacht war, bietet heute sechs Parteien Platz. „Ich habe bislang versucht, alles so anzupassen, wie ich es für richtig hielt“, sagt Gräfin von Bullion. Und wie es finanziell möglich war. Bei Renovierungsarbeiten hat man zum Beispiel Reste einer ursprünglichen Innenbemalung gefunden – eine fachgerechte Restaurierung würde jeden Kostenrahmen sprengen.

Seit 30 Jahren wohnt die Gräfin nun hier. Und die Projekte gehen ihr nicht aus. Sie ist verantwortlich für Kleves „älteste und schönste Araukarie“ (Diedenhoven), einen Mammutbaum, überhaupt diesen aufregenden Garten, der ebenfalls zum Denkmal gehört. Im Vorgarten gibt es ein Brunnenbecken, das aus einem Quadrat mit vier runden Ausbuchtungen besteht. „Das liegt mir sehr am Herzen“, sagt Gräfin von Bullion. Heute bröckeln Stein und Farben. Aber auch das ist ein kostspieliges Unterfangen.

Und wer weiß, was es noch alles zu tun gibt. Erst gerade musste ein großer Baum gefällt werden. Dahinter existiert offenbar eine Art Zugang in den Berg hinein. Weit kann es nicht hinein gehen, soviel ist klar. „Vielleicht war das der Weinkeller“, mutmaßt Heidemarie Gräfin von Bullion. Da musste man vom ummauerten Sitzrondell nur kurz laufen, um Nachschub für das gemütliche Zusammensitzen zu holen. Dann konnte man wieder hinein ins flache Land schauen und dabei denken, was für schöne Ecken es in Kleve doch gibt.

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