Sozialverband

VdK wünscht ein Seniorenticket für Kleve, Wesel, Duisburg

Das Ein- und Aussteigen mit Rollator und Rollstuhl in einen Bus ist schwierig.

Das Ein- und Aussteigen mit Rollator und Rollstuhl in einen Bus ist schwierig.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Kreis Kleve.  Der größte Sozialverband am Niederrhein hat steigende Mitgliederzahlen. Er übernimmt Rechtsberatung, kämpft für besseren ÖPNV und gute Pflege.

Es sind überwiegend Sozial-Rechtsfragen, die dem Sozialverband VdK neue Mitglieder bescheren, denn darin wird ihm hohe Kompetenz zugerechnet (siehe Info-Box). Enttäuscht ist Geschäftsführerin des Kreisverbandes, Svenja Weuster, aber, dass der Arbeit des VdK nicht der Respekt gezollt wird, den er verdiene.

Öffentliche Träger profitieren von Nachzahlungen

Denn er erstreitet im Auftrag der Mitglieder Nachzahlungen, von denen überwiegend öffentliche Träger profitieren: 811.940 Euro Geldleistungen erreichte der Kreisverband allein bisher in diesem und 1,2 Millionen im vorigen Jahr. Davon sahen die betroffenen Mitglieder 35,5 Prozent. 27 Prozent gingen an die Agentur für Arbeit, 21 Prozent an die Krankenkassen, 12 Prozent an die Jobcenter. „Die öffentlichen Träger kriegen den Ausgleich kommentarlos. Wir erstreiten es für sie und für den Sozialstaat. Von den Landräten, insbesondere im Kreis Kleve, wird das nicht honoriert“ und auch nicht von der Arbeitsagentur, bedauert Weuster.

Wobei sie ihre Arbeit für die Mitglieder „wahnsinnig gern“ macht.

Sozial-Lobby als weiteres Standbein

Ehrenamtlich setzt sie sich außerdem in Widerspruchsausschüssen bei der Gesetzgebung, beim LVR, beim Bundesarbeitsamt ein. Der VdK stellt auch 23 ehrenamtliche Richter. „Die Sozial-Lobby ist unser weiteres Standbein“, erinnert sie an Engagierte vor Ort in Seniorenbeiräten und Behindertenbeiräten. „Wir würden uns mehr Respekt und vor allem größeres Gehör wünschen“, sagt sie.

Briefe an die Landräte

Zum Beispiel bei Forderungen zum Öffentlichen Personennahverkehr. An die Landräte Wolfgang Spreen (Kleve) und Ansgar Müller (Wesel) schrieb der VdK-Kreisvorstand Briefe, die heute im Posteingang sein müssten. Gerd Gorißen, stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender, lebt in Kranenburg und weiß, wo es beim Bus- und Bahnverkehr mangelt: Zu wenige Verbindungen abends und an Wochenenden, auch Bürgerbusse fahren dann kaum. „Senioren und Behinderte wollen aber selbstverständlich am öffentlichen Leben teilnehmen“, fordert er. „Ein Seniorenticket wäre außerdem zu begrüßen“.

Einen Tag Zeit nehmen für den Arztbesuch

Für manche Menschen ohne Auto auf dem Dorf ist auch der Arztbesuch eine Ganztages-Unternehmung, wenn die Krankenkasse eine Rückfahrt per Taxi nicht bezahlt. Menschen mit Rollator, auch Mütter mit Kinderwagen hätten es immer noch an vielen Bordsteinkanten der Haltestellen schwer. Zudem, so wurde dem VdK mehrfach genannt, sind die Fahrpläne zu klein gedruckt, ihre regendurchtränkten Infokästen hängen oft zu hoch. Es sind viele Bus-Stops von Dorf-zu-Dorf schlecht oder nicht beleuchtet – „das wird aber verbessert“ – und haben keine Einbuchtung als Sicherheitszone. Das wirke in der dunklen Jahreszeit bedrohlich. Das Personal könne oft keine Auskunft geben: „Wie komme ich von Wyler nach Emmerich?“

Es fehlten Bushaltestellen an Senioreneinrichtungen

In kleineren Kommunen gebe es keine Möglichkeit, Wochen- oder Monatskarten zu erwerben, nur am Klever Bahnhof. Es fehlten Bushaltestellen an Senioreneinrichtungen. An Bahnhöfen gebe es zu selten Beratungspersonal. Fahrkartenautomaten, Zug-Verspätungen und -ausfälle sind Probleme, die besonders Ältere verunsichern. „Gott sei Dank ist beschlossen, am Emmericher Bahnhof alle Gleise bald auch mit dem Rollator zugänglich zu machen“, so Gorißen.

Dauerthema beim VdK bleibt die Pflege und ihre Finanzierung. Der VdK will auf Landes- und Bundesebene für eine Pflege-Vollversicherung kämpfen, kündigt Kreisverbandsvorsitzender Horst Vöge an. „Immer mehr pflegebedürftige müssen zusätzliche Sozialhilfe in Anspruch nehmen, in NRW schon 60.000 Menschen. Nimmt man Einkünfte unter 1000 Euro im Monat als Indikator, dann steige die Armutsquote jedes Jahr um vier bis sechs Prozent. Die Zahl der Empfänger von Mindestsicherung im Alter / Erwerbsminderung stieg im Kreis Kleve von 3127 Personen im Jahr 2011 auf 4498 im vorigen Jahr, im Kreis Wesel waren es 4546 in 2011 und 5956 im vorigen Jahr (Duisburg 8859 im Vorjahr).

„Wir werden energischer“

„Wir werden energischer“, verspricht Vöge, denn „vor den Wahlen werden Politiker sensibler“. Ihn erschreckt, was er hört: Dass an den Essens-Tafeln zum Monatsende immer mehr ältere Menschen Lebensmittel abholen und dass sie bei ihren Medikamenten, für die sie zuzahlen müssen, zum Monatsende hin die Dosis halbieren.

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