Bolzplatz in Kalkar

Verärgerung in Kalkar über Bolzplatzentscheidung

Die Tore auf dem Bolzplatz am Schwanenhorst sind bereits verschwunden. Die Kinder finden es doof. Und auch Nachbar Michael Görtzen.

Foto: Andreas Gebbink

Die Tore auf dem Bolzplatz am Schwanenhorst sind bereits verschwunden. Die Kinder finden es doof. Und auch Nachbar Michael Görtzen. Foto: Andreas Gebbink

Kalkar.   Ein Anwohner klagte wegen Lärmbelästigung gegen einen Bolzplatz am Schwanenhorst in Kalkar – und bekam Recht. Die Fußballtore wurden bereits abmontiert. Die Kalkarer Politik ist entsetzt.

Entsetzte Gesichter im Kalkarer Ratssaal: Stadtoberbaurat Frank Sundermann teilte den Mitgliedern des Hauptausschusses am Ende der Sitzung en passant noch mit, dass auf dem Bolzplatz am Schwanenhorst nach einer langen Auseinandersetzung jetzt doch keine Tore mehr stehen dürfen. Wie berichtet hatte sich ein Anwohner über den Lärm des Bolzplatzes beschwert. Daraufhin wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, um festzustellen, ob die Freizeitfläche in der Stadt mit der Wohnbebauung in Einklang zu bringen ist. Ergebnis: Der Bolzplatz ist mit dem Wohnen am Schwanenhorst nicht verträglich. Die Lautstärke der fußballspielenden Jugendlichen falle um ein bis drei Dezibel zu hoch aus.

Fußballtore müssen zurückgebaut werden

Frank Sundermann teilte mit, dass die Fußballtore zurückgebaut werden müssen. Die Nutzungszeiten des Platzes werden eingeschränkt bleiben. Gleichwohl darf die Rasenfläche auch künftig fürs Fußballspielen genutzt werden. „Wir können nur keinen Bauantrag für die Tore stellen“, so Sundermann. Bereits gestern Mittag wurden die Tore abgebaut.

Verärgerung bei der Politik

Die meisten Ratsmitglieder fassten sich an den Kopf. Boris Gulan (FDP) ärgerte sich: „Dann können wir unsere Jugendlichen gleich an den Rand der Stadt ausquartieren.“ Frank Sundermann erläuterte, dass man einen Weiterbetrieb des Bolzplatzes nur dann in Einklang bringen könne, wenn man eine zwei bis drei Meter hohe Lärmschutzwand errichtet.

Auch die Nachbarn des Schwanenhorstes verstehen die Welt nicht mehr: Michael Görtzen wohnt seit 20 Jahren am Schlüskesgraben, unmittelbar an der Wiese: „Wir haben uns noch nie dadurch gestört gefühlt. Im Gegenteil, wir finden den Bolzplatz toll. Im Übrigen möchte ich betonen, dass nur ein Anwohner ein Problem mit diesem Platz hat. Dass so eine Entscheidung getroffen werden kann, hätte ich nicht gedacht.“

„Zur Not müssen wir vier Bäume pflanzen“

Willibald Kunisch (Grüne) meinte spontan, dass man jetzt eben einfach wie früher Schultaschen aufstellen sollte, um die Tore zu markieren. Auch Dirk Altenburg (Forum) denkt über Alternativen nach: „Wir brauchen einen Ausgleich für unsere Kinder und Jugendliche. Zur Not müssen wir einfach vier Bäume pflanzen, um das Spielen ermöglichen zu können.

Integration auf dem Bolzplatz

Für die NRZ trafen sich gestern auch einige Kinder aus der Nachbarschaft, die regelmäßig auf dem Platz spielen. Anton Hourand ist zehn Jahre alt und versteht die Entscheidung nicht: „Wir spielen hier ab März jeden Dienstag Fußball“, berichtet er. „Und jetzt wurden einfach die Tore abmontiert.“ Auch die anderen Kindern aus Kalkar haben für das schnelle Handeln kein Verständnis.

Michael Görtzen ist tief enttäuscht: „Was gibt es denn besseres als spielende Kinder? Der Bolzplatz hat doch auch eine wichtige Integrationsfunktion. Da steht einer am Tor und spätestens nach drei Minuten heißt es: Komm, spiel mit!

Auslöser war ein Antrag der FBK

Bürgermeisterin Britta Schulz seufzt tief. Sie hätte nicht damit gerechnet, dass die Tore des Bolzplatzes so schnell verschwinden müssen. Auslöser war übrigens ein Antrag von dem FBK-Vorsitzenden Günther Pageler, der den Platz gerne bis 22 Uhr geöffnet wissen wollte. Hierfür gab es vom Rat auch eine Zustimmung. Daraufhin habe der klagende Anwohner einen Anwalt eingeschaltet und jetzt sein Recht durchgesetzt. Wie die Lärmschutzmessungen überhaupt erfolgt sind, konnte Britta Schulz gestern der NRZ nicht sagen. Nachbar Michael Görtzen wundert sich nur darüber: „Hier spielen höchsten drei bis fünf Kinder in der Woche. Im Sommer ist hier natürlich mehr los, aber das ist doch auch schön, wenn hier die Fußball-WM nachgespielt wird.“

Mit der Politik über Lösungen diskutieren

Bürgermeisterin Schulz möchte jetzt mit der Politik über Lösungen diskutieren. Sie hält die ganze Auseinandersetzung für reichlich übertrieben: „Das ist doch alles unfassbar. Mir fehlen die Worte.“ Dennoch müsse man den Jugendlichen ein Angebot machen – an anderer Stelle.

Der Bolzplatz am Schwanenhorst darf übrigens weiterhin zum Fußballspielen benutzt werden. „Wenn die Kinder ihre Jacken als Torpfosten nutzen, dann können sie das gerne tun“, sagt Bürgermeisterin Britta Schulz.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik