Umwelt

Viel zu hohe Nitratwerte durch Landwirtschaft im Kreis Kleve

Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz im Gespräch mit einem Brunnenbesitzer.

Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz im Gespräch mit einem Brunnenbesitzer.

Foto: Lina Remme

Kalkar.   Die Grenzwerte werden im Kreis Kleve zum Teil deutlich überschritten. Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft.

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Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen seiner Informationsveranstaltungen in Kalkar abgegeben wurden. In fast jeder zweiten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.

Insgesamt 77 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen nahmen Lina Remme, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, und Harald Gülzow, Projektleiter, aus dem Raum Kalkar, Bedburg-Hau, Kleve für die Untersuchung entgegen.

Verpächter seien gefordert

Ein Grund für die hohen Belastungen sei die intensive Landwirtschaft. Diese habe sich in den letzten zehn Jahren immer weiter ausgebreitet. Gleichzeitig sei die umweltverträglichere Form der Landwirtschaft – der ökologische Landbau – kaum gewachsen.

Hier müssten vor allem die Verpächter handeln, so der VSR-Gewässerschutz. Der Verein rät Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden dazu, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei den Untersuchungen 204 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Schneppenbaum. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer in Hau mit 126 Milligramm pro Liter (mg/l), in Grieth mit 77 mg/l, in Wissel mit 79 mg/l, in Altkalkar mit 153 mg/l, in Hanselaer mit 72 mg/l, in Appeldorn mit 163 mg/l, in Marienbaum mit 96 mg/l und in Neulouisendorf mit 94 mg/l fest. Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet.

Anreicherung im Gemüse

Besonders wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen.

Nitratbelastetes Grundwasser führt beim Bewässern zu einer zusätzlichen Düngung. Diese muss in die Berechnung über den Stickstoffbedarf der angebauten Pflanzen miteinbezogen werden. Nur so kann eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung in Gemüse verhindert werden.

Bürger können dem Verein eine Wasserprobe mit der Post zusenden, falls sie wissen möchten, ob sie auch von der hohen Nitratbelastung betroffen sind (Kontakt: vsr-gewaesserschutz.de).

Gewässerschützer begrüßen strengere Düngevorschriften

Der ökologische Landbau habe weit strengere Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgesetzt. Es werde auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Außerdem komme es zu weitgehend geschlossenen Nährstoffkreisläufen, da die Zahl der Tiere sich an der Fläche orientiert, die dem Betrieb zur Verfügung stehen. Nährstoffüberschüsse würden somit bestmöglich vermieden, so der VSR.

Der Verein begrüße deswegen, dass ökologisch erzeugte Produkte in den letzten Jahren immer stärker gefragt sind. „Das freut uns als Gewässerschützer. Jedoch verbessert die Nachfrage für ökologisch erzeugte Produkte nicht die Grundwasserqualität in Nordrhein-Westfalen. Dort werden nicht mal sechs Prozent der landwirtschaftlichen Flächen vom ökologischen Landbau bewirtschaftet. Der große Bedarf wird inzwischen mit weit transportierten Lebensmitteln gedeckt“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

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