Geschichte

Vom Wohnen im Wasserturm

Das Hotel Central Goch

Das Hotel Central Goch

Foto: NRZ

Goch.   Neue Ausgabe der Zeitschrift „An Niers und Kendel“ ist erschienen. Lesenswerter Ausflug in Gocher Geschichte.

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Große Hotels waren um die Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht selten Zentren des öffentlichen Lebens. In Goch war es das Hotel Central. 1873 von Hubert op Gen Oorth im Bereich zwischen der Brückenstraße und der Bahnhofstraße (heute ist dort ein Kreisverkehr) errichtet, verfügte das Hotel über ein Restaurant, einen Saal und eine Gastwirtschaft, das Nederlandse Koffiehuis.

Und es stand viele Jahre lang im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Geschehens in der Stadt. Gochs Stadtarchivar Hans-Joachim Koepp widmet dem Hotel Central in der aktuellen Ausgabe der historischen Zeitschrift für Goch und Umgebung, „An Niers und Kendel“, das lesenswerte Auftaktkapitel mit vielen alten Aufnahmen vom burgähnlichen Hotelgebäude sowie historischen Plakaten einiger Veranstaltungen.

Im Hotel Central fanden Theateraufführungen statt – das Kölner Volks- und Operetten-Theater gastierte hier. Gocher Vereine luden zu Vorträgen, Veranstaltungen und Feiern hierher. 1909 wurden im Hotel Central die ersten Ringkämpfe ausgetragen, damals eine ganz neue Sportart. Gekämpft wurde um 600 Mark Preisgeld, und die Teilnehmer trugen so kuriose Namen wie Hannibal, „Negerchampion von Indien“ oder Jess Roedenbusch, „Der taubstumme Löwe“.

Gustav Kade erinnert auf weiteren Seiten des Heftes an „Verschwundenes Bauwerk am neuen Schloss Kalbeck“, an die nur knapp 60 Jahre alte Geschichte des Wasserturms, der nicht nur der Wasserversorgung der nahen Schlossanlage diente, sondern bis Ende der 1950er Jahre den Angestellten des Schlosses auch als Wohnung. Letzte Bewohnerin war die heute 92-jährige Aenne Jansen. Nach einem Brand 1965 gab die Gocher Verwaltung das Gebäude auf und ließ es am 7. Mai sprengen.

Interessant ist der Rückblick des Gocher Stadtarchivars auf die lange Tradition der Pinselherstellung in Goch. 160 Jahre lang wurden hier Pinsel und Bürsten produziert. Zu Hochzeiten arbeiteten 150 Menschen in den insgesamt sieben Fabriken. Am längsten existierte die Pinselfabrik Velling, die zugleich die größte Firma war – bis 1986 an der Boschstraße, allerdings unter geändertem Namen.

Autor Rien van den Brand widmet seinen Beitrag der Wasserburg Haus Driesberg nahe Kessel, deren Hauptburg noch bis ins 19. Jahrhundert in unmittelbarer Nähe des Niersufers gestanden hat.

Jos Kaldenbach schreibt über den „Gocher Ganoven“ Mathijs Hendricksz, der sich „täglich in die Gesellschaft von Schurken, Huren, Dieben und anderen gottlosen, gewalttätigen und unehrlichen Personen“ begab.

Das aktuelle Heft ist die 52. Ausgabe der historischen Zeitschrift und wird vom Heimatverein Goch herausgegeben. Im Gocher Buchhandel kostet es 2,50 Euro.

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