Gräberfeld

Vortrag in Uedem zeigt Integration auf Germanisch

Fundstücke des Keppelner Gräberfeldes.

Foto: Michael Lehmann

Fundstücke des Keppelner Gräberfeldes. Foto: Michael Lehmann

Uedem.   Die Germanen am Niederrhein schrieben Latein, beharrten aber auf ihrer Kultur.  Ein Vortrag zeigte dies anhand des Keppelner Gräberfeldes.

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Asche. Das ist alles, was bleibt. Zumindest bei der Feuerbestattung. Und genau die praktizierten die Germanen am Niederrhein über Jahrtausende, also schon zu der Zeit, als sie noch gar keine Germanen waren. Aber Halt – dass nur Asche bleibt, ist nicht ganz richtig. Denn die niederrheinischen Germanen ließen nicht nur sich verbrennen, wenn sie gestorben waren, sondern dazu auch allerlei Schönes und Teures. Bronzegefäße, Gläser, manchmal sogar Elfenbein, Kämme, Truhen, Möbel, Pferdegeschirr. Dumm nur, dass auf den großen Scheiterhaufen fast alles zerbarst, zerschmolz oder zerrann. Dumm für die Erben. Und dumm für uns.

Göttin in Kalkar

Aber die Archäologen haben dazugelernt. Das Keppelner Gräberfeld, 1940 erstmals dokumentiert, war für die Gelehrten von damals noch völlig unverständlich. Germanisches Brauchtum mitten im römischen Gebiet? Wo doch der Rhein die römische Zivilisation vom Barbarenland trennte? Dr. Klaus Frank vom Landschaftsverband Rheinland konnte nun in Uedem bei einer sehr gut besuchten Veranstaltung von Heimat- und Verkehrsverein und Volkshochschule sehr viel genauere Auskünfte geben. Denn mehrere Fundstätten diesseits und jenseits des Rheins zeigen: Der Handel blühte, der Austausch auch. Zahlreiche Germanen waren römische Soldaten, eine Einheit in Kalkar betete gar eine germanische Göttin an.

Und selbstverständlich sprach und schrieb man Latein. Ja, auch die Germanen, die um Keppeln herum lebten. Doch während sie einerseits die Vorzüge der römischen Zivilisation genossen, pflegten sie andererseits ihre Tradition. „400 Jahre hätten die Germanen die Möglichkeit gehabt, die Töpferscheibe von den Römern zu übernehmen“, sagte Frank. Aber stur töpferten sie von Hand weiter. Und bauten ihre großen Holzhäuser für Mensch und Vieh. Und produzierten spezielle Nägel. So dass die Grabreste – allein in Keppeln dürften gibt es zahllose über einen Zeitraum von 2000 Jahren hinweg sein – Relikte beider Kulturen beinhalten: römische Soldatenstiefel und germanische Kämme. Es ist kein Widerspruch. Sondern gelebte Realität.

Genauere Forschung lohnt

Anhand zahlreicher Fundstücke zwischen Rheindorf und Kalkar zeigte Frank diese Querverbindungen. Das Bild vom wilden, bärtigen Germanen mit Wikingerhelm kann man also getrost zu den Akten legen. Ja, sogar der Zusammenbruch des römischen Reiches dürfte nach Ansicht von Klaus Frank nahezu unbemerkt an den römisch-germanischen Niederrheinern jener Zeit vorübergegangen sein. „Vermutlich haben die einheimischen Heerführer einfach alles übernommen“, sagte er. In der Spätzeit findet man im Kölnischen dann auch schon mal einen reichen Germanen, der sich im römischen Sarkophag bestatten lässt, sehr zur Freude der Archäologen.

Bleibt die Gewissheit, dass bei genauerer Forschung noch viele Überraschungen warten. Davon ist Klaus Frank überzeugt. „Vielleicht nimmt sich ein Doktorand oder eine Doktorandin das Keppelner Gräberfeld ja mal vor“, hofft er. Römische Moden und traditionelle Vorstellungen von Handwerk, Tod und Jenseits: Hier, in der Totenasche, werden sie lebendig.

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