Kirche

Was geschieht mit der leeren Kirche in Kleve-Reichwalde?

Die Reichswalder Herz-Jesu-Kirche soll für Gottesdienste  nicht mehr genutzt werden. Ist sie ein Denkmal?

Die Reichswalder Herz-Jesu-Kirche soll für Gottesdienste nicht mehr genutzt werden. Ist sie ein Denkmal?

Foto: Andreas Gebbink

Bistum will die Herz-Jesu-Kirche in Reichswalde aufgeben und durch einen kleinen Neubau ersetzen. Die Stadt aber prüft ihren Denkmalschutz.

Die Reichswalder Herz-Jesu-Kirche soll nach Wünschen des Bistums nicht weiter genutzt werden. An ihre Stelle solle ein kleinerer Neubau mit Sakralraum rücken, der ans Pfarrheim angegliedert werden und per Trennwand für größere Veranstaltungen auch verbunden werden könne. Das berichtet Propst Johannes Mecking auf NRZ-Anfrage.

Neuer Sakralraum und Platz für Offenen Ganztag

In einem neuen Sakralraum sollen regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden. Er könne aber auch der St. Michael-Grundschule dienen als weiterer Raum für den Offenen Ganztag. Schon heute nutzen 27 Grundschüler dafür das Pfarrheim.

Doch die Stadtverwaltung Kleve bestätigt der NRZ andere Pläne: „Die Untere Denkmalbehörde leitet derzeit das Verfahren zur Unterschutzstellung ein“, bestätigt Stadtsprecher Jörg Boltersdorf der NRZ. Auslöser dafür ist wohl, dass der LVR als Obere Denkmalbehörde das im Gutachten angeregt hatte.

Denkmalgeschützte Kirche bringt „keinen Nutzen“

Bistum und die Gremien der Kirchengemeinde haben starke Bedenken dagegen. „Wir haben von einer denkmalgeschützten Kirche keinen Nutzen“ , sagt Propst Johannes Mecking. Er plädiere dafür, dann lieber das Gotteshaus an die Kommune abzugeben. Und falls die es nicht wünsche, müsse das Kirchengebäude schlicht „gesichert werden“. Das bedeute, einen Zaun herum zu ziehen und das Gotteshaus ungenutzt stehen zu lassen.

Reparatur soll eine Million Euro kosten

Seit einem Jahr ist die 1955 erbaute und 1956 eingeweihte Herz-Jesu-Kirche geschlossen (wie berichtet). Ein Gutachten hatte gewarnt, dass die Statik der hölzernen Dachkonstruktion nicht mehr sicher sei.

Eine Reparatur soll eine Million Euro kosten. Diese Investition ist von der Kirchengemeinde nicht zu tragen. Es sei nicht abzusehen, wann die nächsten Renovierungen nötig würden. „Die Kirche ist jetzt ein Jahr geschlossen, und ich habe nicht den Eindruck, als sei die große Not ausgebrochen“, beobachtet Mecking. Mit sinkender Zahl der katholischen Kirchgänger gibt das Bistum immer mehr Kirchen und Pfarrhäuser zu Verkauf oder Abriss frei. „In allen Kirchenräumen werden Messfeiern in der aktuellen Regelmäßigkeit nicht mehr stattfinden können“, so Propst Mecking.

Bistum würde Neubau tragen, er wäre kostengünstiger

Mit einem kleinen Neubau könne es aber weiterhin ein kirchliches Gebäude in Reichswalde geben. Zu einem Gespräch über die Zukunft von Herz-Jesu hatte das Bistum mit Weihbischof Rolf Lohmann die Vertreter der Gremien der Kirchgengemeinde, Kirchenvorstand sowie Seelsorgeteam, geladen. Dabei habe das Bistum klar signalisiert, einen Neubau zu tragen, weil er kostengünstiger und zukunftsweisender sei, als die Aufwendungen für eine regelmäßige Instandsetzung von Herz-Jesu.

Auch für die Dorfentwicklung von Bedeutung

Die Gremien der Kirchengemeinde, die die Pläne kennen, wollen möglichst viele Gemeindemitglieder in Versammlungen informieren und mit ihnen ins Gespräch kommen. Auch von Seiten des Heimatvereins werde die Bistums-Überlegung begrüßte, berichtet Johannes Mecking. Denn der Heimatverein wünsche eine zukunftsweisende Lösung für die Kirche zu finden, die auch für die Dorfentwicklung von Bedeutung ist.

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