Urlaub des Hausarztes

Was Patienten beim Vertretungsarzt beachten müssen

Der Vertretungsarzt hat nicht alle Möglichkeiten, die der Hausarzt hat. Das müssen Patienten beachten.

Foto: Jakob Studnar

Der Vertretungsarzt hat nicht alle Möglichkeiten, die der Hausarzt hat. Das müssen Patienten beachten.

Kreis Kleve.   Wenn der Hausarzt Urlaub hat, ist der Vertretungsarzt Ansprechpartner. Doch der hat nicht die gleichen Möglichkeiten: Kein Einblick in die Akte.

30 Hausärzte fehlen im Kreis Kleve. Die verbliebenen Allgemeinmediziner haben entsprechend viele Patienten, die sie betreuen. Die Kapazitäten sind von Kleve bis Goch, von Kalkar bis Emmerich nahezu überall ausgereizt. Besonders brisant wird die Lage dann, wenn ein Hausarzt die Vertretung für einen Kollegen übernimmt: „Der Druck ist dann um so höher“, sagt Dr. Johannes Hußmann. Die Wartezimmer sind dann randvoll. Der Kellener Hausarzt kann ein Liedchen davon singen. Um unnötige Diskussionen in den Praxen zu vermeiden, sensibilisiert er die Patienten für Besonderheiten, die in der Vertretung gelten. Denn der Vertretungsarzt hat nicht die gleichen Möglichkeiten wie der Hausarzt.

Nur kleinste Packung zu verschreiben

Prinzipiell, so Dr. Hußmann, sollte man nur bei akuten Beschwerden zum Vertretungsarzt gehen. Selbst Patienten mit akuten Leiden müssen gegebenenfalls mit Wartezeiten rechnen, schließlich sind solche Termine nicht planbar. Nur wenn es erkennbar ist, dass es jemandem richtig schlecht geht, ziehe man den Patienten vor. Chronische Beschwerden, die auch ein paar Wochen später noch zu behandeln seien, können warten. Außerdem muss den Patienten klar sein, dass Vertretungsärzte keinen Zugriff auf die Daten haben. Befunde, die beim Hausarzt liegen, kann der Vertreter nicht besprechen.

Was können Patienten tun? Wer dauerhaft Medikamente einnimmt, sollte sich informieren, wann seine Hausarztpraxis Urlaub macht: „In der Regel hängen die Urlaubszeiten in der Praxis aus“, sagt Dr. Hußmann. Die Medikamenten-Vorräte können schon vorher aufgestockt werden.

Es geht auch ums eigene Geld. „Meine Mitarbeiterinnen werden häufiger gefragt, warum die Patienten nur die kleinste Packung verschrieben bekommen haben“, verrät Hußmann. Die Antwort: Vertretungsärzte dürfen (!) immer nur die kleinste Packung verschreiben. Zum Beispiel mit 20 statt 100 Pillen: Ob man aber nun 20 oder 100 Pillen bekommt, der Patient muss immer fünf Euro zuzahlen, wenn er keine Befreiung hat. Das geht ins Geld. Auch absehbar nötige Überweisungen zum Facharzt könne man sich frühzeitig beim Hausarzt besorgen. Und noch ein Tipp: Bei chronischen Erkrankungen sollten Patienten, die mit akuten Problemen kommen, ihre Medikamentenliste mitbringen, gerne auch einen aussagekräftigen Arztbericht, einen Therapieplan mit Dauerdiagnosen und Informationen über Unverträglichkeiten: „Damit kann man schneller und sicherer behandeln“, unterstreicht Dr. Hußmann.

Ungeduldige Patienten manchmal patzig

Jüngst haben die Emmericher Allgemeinmedizinerinnen Dr. Birgit Magnus-Hawranek und Dr. Dorothea Falkson für den guten Ton geworben. Ungeduldige Patienten, die mit einer gewissen Erwartungshaltung kämen, reagierten manchmal recht patzig und fordernd: „Es geht vor allem um die Arzthelferinnen. Wir selbst könnten ja häufig die Tür des Behandlungszimmers schließen und bekommen den Frust dann nicht so mit. Wir hängen jetzt sogar Zettel aus, um um Verständnis zu bitten. Wir arbeiten alle viel“, verrät Dr. Magnus-Hawranek. Gerade in der Vertretungssituation lässt sich ablesen, wie sich ein künftiger Hausarztmangel auf dem Lande anfühlt. Etliche Praxen nehmen kaum noch Patienten auf.

>> NACHFOLGER IST DR. MERTEN

Das Hausarztzentrum Kellen Emmericher Straße 181, mit Dr. Johannes Hußmann an der Spitze ist übrigens Lehrpraxis der Uni Duisburg-Essen, hat somit einen guten Draht zu jungen Ärzten. So stehe es auch jetzt schon fest, dass Dr. Raphael Merten ab September 2019 auf Norbert Rommen folgen wird. Dr. Hußmann ist Sprecher der Hausärzte in Kleve.

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