Kommunalwahl 2020

Nach 19 Jahren Vorsitz: CDU-Politiker wird kalt abserviert

Guido Gleißner sagte, dass er von der CDU zur Bürgermeisterkandidatur überredet worden sei.

Guido Gleißner sagte, dass er von der CDU zur Bürgermeisterkandidatur überredet worden sei.

Foto: Gleißner

Weeze.  Der Bürgermeisterkandidat aus Weeze wurde von den Christdemokraten kurzfristig abgesägt. Der Fraktionsvorsitzende ist „erschüttert“ über die CDU.

Bei der CDU in Weeze brennt der Baum. Die Christdemokraten holten bei der Ratswahl zwar wieder 49,69 Prozent der Stimmen, aber das Bürgermeisteramt ging krachend verloren: Kandidat Guido Gleißner erhielt nur 20,3 Prozent, der parteilose Gegenkandidat Georg Koenen holte fast 80 Prozent (wir berichteten). Kurzfristig wurde Gleißner von seine Parteifreunden abgesägt. Gleißner, der 19 Jahre die Fraktion geführt hat, fiel aus allen Wolken: „Ich bin in ein tiefes Loch gefallen. Die verlorene Wahl ist nichts dagegen“, sagte er mit zittriger Stimme gegenüber der NRZ.

Gleißner ist schwer enttäuscht

Er sei von Beginn an von der Bürgermeisterkandidatur nicht begeistert gewesen. Er habe es gemacht, weil die CDU in Weeze keine andere Person habe finden können. „Das war mein größter Fehler überhaupt“, sagt er jetzt.

Die schlechte Nachricht habe ein langjähriger Freund übermitteln müssen, der vor ihm stehend in Tränen ausgebrochen sei. Auch Gleißner selbst kämpft noch mit den Tränen, wenn er über alles nachdenkt: „Ich bin absolut sprach- und fassungslos. Das hat mich mehr getroffen als alles andere.“

21 Jahre für die CDU alles gegeben

Er habe sich in den letzten 21 Jahren für das Wohl der Gemeinde Weeze eingesetzt: Vom kleinen Spielgerät bis zur Windenergie oder dem Flughafen Weeze. All dies habe er immer unter Zurückstellung der privaten Angelegenheiten nach besten Kräften und Gewissen erfüllt – mit Leidenschaft und Herzblut.

Hier gibt es mehr Artikel und Bilder aus Kleve und UmlandEnttäuscht ist Gleißner jetzt über seine Abfertigung: „Noch nicht einmal 24 Stunden nach der Wahl wurde mir am 14. September um 15.30 Uhr durch den Parteivorsitzenden und den amtierenden Bürgermeister mitgeteilt, dass ich nach einer verloren Bürgermeisterwahl in dieser Höhe nicht mehr tragbar bin und meine Aufgaben nicht mehr als Fraktionsvorsitzender erfüllen kann. Entscheiden hierüber sollen die Wahlkreiskandidaten“, erzählt Gleißner der NRZ.

Nach 19 Jahren Fraktionsvorsitz schnell abserviert

Noch am gleichen Abend habe es eine kurzfristig einberufene Sitzung gegeben, in der die Wahlkreiskandidaten der CDU über Gleißner abgestimmt hätten. „Warum hat man für so eine Entscheidung nicht etwas gewartet?“, fragt sich Gleißner. Offenbar habe man es eilig gehabt, ihn abzuservieren. In 19 Jahren als Fraktionsvorsitzender habe man sich auch nicht nur Freunde gemacht. Bei der Sitzung hätten nur zwei Teilnehmer für ihn gesprochen.

Erschüttert über die CDU

Gleißer zeigt sich nach 21 Jahren im Dienst der CDU tief erschüttert über das Vorgehen. „Ich bin jetzt völlig am Boden und darüber werden sich vielleicht auch einige freuen“, so Gleißner. Er erhalte gerade jetzt auch Zuspruch von echten Freunden. Das tröste.

Gleißner hätte sich gewünscht, dass er noch die neue Fraktion aufbaut, den jüngeren Leuten das Ratsgeschehen vermittelt. All dies sei nicht mehr möglich. Die jetzt übermittelte Nachricht könne er nicht so einfach verdauen. Gleißner sagt, dass er diese Entwicklung zutiefst bedauere.

CDU-Mitglieder werden informiert

Die NRZ hat eine Stellungnahme von Ulrich Francken erbeten. Ausdrücklich heben er und Max von Elverfeldt darin die Leistungen als Fraktionsvorsitzender hervor.

„Wir bedauern es, dass er für seinen Fleiß nicht die notwendige Zustimmung bekommen hat. Die Wahl ist eine Persönlichkeitswahl. Das eindeutige Ergebnis müssen wir alle respektieren.

Wir haben als langjährige Weggefährten das Gespräch mit Guido Gleissner gesucht und geführt. Wir haben ihm geraten, wie wir mit diesem Ergebnis persönlich umgehen würden, wären wir betroffen. Es wurde auch besprochen, wie die CDU Weeze sich nach diesem Ergebnis personell aufstellen kann oder sollte. Schlussendlich hat der CDU Vorsitzende Max von Elverfeldt in Absprache mit Guido Gleißner die gewählten Kandidaten der CDU eingeladen, in seiner Abwesenheit über die Frage zu sprechen, ob er weiter die Fraktion führen soll. Das Ergebnis der Beratung war eindeutig. Es hat allerdings keine Abstimmung dazu gegeben.“

Franken und von Elverfeldt bedauern die öffentliche Diskussion

Das Ergebnis sei ihm am gleichen Abend auf Bitten der Runde von einem Fraktionsmitglied mitgeteilt worden. „Das dies enttäuschend sein muss, ist auch für uns sehr nachvollziehbar. Es hätte ein weiteres Gesprächsangebot von ihm angenommen werden können. Dies blieb aus und wie wir feststellen mussten, war der Weg in die Öffentlichkeit bereits gesucht. Die CDU Mitglieder werden jetzt zu einem Gespräch eingeladen, um die Umstände zu erklären. Wir bedauern, dass die interne Diskussion bereits jetzt den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Dagegen und gegen die Kritik des unchristlichen Miteinanders verwahren wir uns. Wir möchten zunächst den Mitgliedern Rede und Antwort stehen.“

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