Traditionsbäckerei in Weeze

Weezer Traditionsbäckerei schließt und öffnet wieder

Inhaberin Elisabeth Behet (geb. Willems) (sitzend) mit den Bäckereifachverkäuferinnen und Tobias Groß, der die Bäckerei im Februar 2018 neu eröffnet.

Foto: Anke Gellert-Helpenstein

Inhaberin Elisabeth Behet (geb. Willems) (sitzend) mit den Bäckereifachverkäuferinnen und Tobias Groß, der die Bäckerei im Februar 2018 neu eröffnet.

Weeze.   Bäckerei Willems schließt nach 102 Jahren. Aber der Ofen geht nicht aus. Neueröffnung mit Bäckermeister Tobias Groß.

Es herrscht geschäftiges Treiben in der Backstube Willems am Alten Markt in Weeze. Vor Weihnachten sind die Auftragsbücher immer sehr voll, das engagierte Team mit Bäckermeisterin Elisabeth Behet (geborene Willems) an der Spitze hat alle Hände voll zu tun. Der Duft nach frischem Brot zieht seit genau 102 Jahren von der Backstube durch den Laden bis auf die Straße. Doch das traditionsreiche Familienunternehmen Backstube Willems schließt. Dennoch wird der Duft nach frische Brot nicht lange fehlen. Denn mit dem gebürtigen Weezer Tobias Groß (27) hat Elisabeth Willems einen Pächter für die Bäckerei gefunden. „Im Februar ist Neueröffnung“, freut sich Groß, der schon als Schüler 2007 im Rahmen eines Praktikums in der Backstube Willems stand. Seine Lehre hat der Weezer dann in Uedem in der Bäckerei von Reiner Scholten gemacht. Der Meistertitel folgte an der Bäckereifachschule Olpe. In Uedem wird er ebenfalls darauf vorbereitet, die Nachfolge zu übernehmen.

Für Elisabeth Behet geht eine Ära zu Ende

Doch zurück zum Traditionsunternehmen Willems: Hier geht für Elisabeth Behet eine Ära zu Ende. Die Backstube Willems stand immer für echtes Handwerk. Seit 1995 führt Elisabeth Behet als Bäckermeisterin und Konditorin das Familienunternehmen mit Sachverstand und Leidenschaft. Nun war es Zeit für den Willems-Schlussstrich.

Ein Schlussstrich, der mit einem weinenden und einem lachenden Auge gezogen wurde und Ende dieses Monats auch „in Kraft“ tritt. „Das lachende Auge ist noch nicht wirklich da. Da muss ich wohl langsam hinein wachsen“, fürchtet die Bäckermeisterin, die all die Jahre in der Backstube mit der Arbeit begann, wenn andere gerade ins Bett gingen. Jede Nacht schellte der Wecker um 1.30 Uhr.

In der Blütezeit bis zu 15 Angestellte

In der Hochzeit der Backstube stand das Team oft bis abends in der Backstube und im Laden. Das Team bestand in der Blütezeit aus bis zu 15 Leuten, darunter mehrere Lehrlinge (Bäcker und Fachverkäuferinnen).

Und natürlich gehörte die Familie dazu. Allen voran Ehemann Johann Behet und lange Zeit auch die Söhne Dominik und Björn. Während ersterer Lehrer wurde, ist Björn gelernter Bäcker, der auch zurzeit seiner Mutter unter die Arme greift. Ein weiterer Sohn arbeitet und lebt mit seiner Familie in Köln.

Geschichte geht auf 1912 zurück

Die Geschichte der Backstube geht auf das Jahr 1912 zurück, als der Großonkel von Elisabeth Behet, Mathias Bosch mit Frau Maria, das Geschäft gründete. Elisabeths Vater Paul Willems übernahm sie dann 1948. Die heutige Chefin legte 1971 ihre Konditorgesellenprüfung ab. 1989 übernahm ihr Bruder Theo die Backstube, starb aber ein Jahr darauf, so dass Elisabeth mit ihrem Vater Paul ganz ins Geschäft einstieg. 1995 legte sie ihre Meisterprüfung mit 42 Jahren zur Bäckerin ab. Trotz diverser Schicksalsschläge (so starb ihr Vater am Tag ihrer Meisterprüfung) hat Behet die Bäckerei bis jetzt auf hohem Niveau geführt.

Ein hartes Berufsleben, was sie nicht bereut hat. An den Ruhestand ab Januar 2018 muss sie sich erst gewöhnen.

Im Januar wird dann Tobias Groß in Vorbereitung auf die Neueröffnung jeweils mittwochs zum Wochenmarkt auf dem Alten Markt würziges Brot im Holzofen (vor der Bäckerei) backen. Damit die Weezer nicht lange den Duft nach frischem Brot vermissen.

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