Wirtschaft

Wo man Hüte für jeden Kopf findet

Hüte für Kleve seit 1811: Zwischendurch wurde der Hut politisch. Wenn man einen grauen Filzhut mit breitem Rand trug, lief man Gefahr, verhaftet zu werden.

Hüte für Kleve seit 1811: Zwischendurch wurde der Hut politisch. Wenn man einen grauen Filzhut mit breitem Rand trug, lief man Gefahr, verhaftet zu werden.

Foto: NRZ

Kleve.   Auftakt unserer Serie „Klever Schätze“: Bei Hut Dreis gibt’s seit 1811 alles, was Mann und Frau von Welt oben herum brauchen. Die Franzosen standen damals in Kleve, und vielleicht beförderten sie ja den Wunsch nach Eleganz und Chic.

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Der Zweispitz wich dem Zylinder, der Zylinder der Melone, und irgendwann kam die Schirmmütze dazu. Als Phillip Dreis 1811 sein Hutgeschäft in Kleve eröffnete, war der Bedarf an modischer Huttracht nicht weniger groß als heute.

Die Franzosen standen in Kleve, und vielleicht beförderten sie ja den Wunsch der Klever Damen und Herren nach Eleganz und Chic.

Zwischendurch wurde der Hut politisch. Wenn man einen grauen Filzhut mit breitem Rand trug, lief man Gefahr, verhaftet zu werden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts galt man nämlich mit so einem Hut als Demokrat, und Demokraten waren gefährlich.

Wie auch immer, ein berühmter Klever hat seinen Filzhut später zum Markenzeichen gemacht: Joseph Beuys. Da war er in guter Gesellschaft. Queen Elizabeth ist eine große Hutträgerin, Coco Chanel und Jackie Kennedy liebten Hüte, Udo Lindenberg und Helge Schneider wirken ohne Hut einfach nur fremd. Und Indiana Jones war auch nur so gut, weil er nicht barköpfig durch die Wildnis stolpern musste.

Der Hut ist also weit mehr ist als eine Kopfbedeckung. Für Familie Dreis ist der Hut auch eine Familiensaga.

In 6. Generation

Seit 2003 führen Christoph und Susanne Dreis das Geschäft mittlerweile in der sechsten Generation. Das muss ihnen erst einmal jemand nachmachen.

Dabei musste sich Familie Dreis immer auf neue Erfordernisse und Möglichkeiten einstellen. Schon Philip Dreis im Kleve von 1811 verkaufte zusätzlich zu Hüten noch Manufakturwaren und Leinwand.

Einige Vorfahren stellten sogar selber Hüte und Schirme her. „Reparaturen von Regenschirmen – kompetent und billig“, hieß ein Werbeslogan von 1906. Da hatte man offenbar eine weitere Marktnische gefunden.

Das Ladengeschäft wechselte einige Male seinen Standort. Lange war es am Fischmarkt beheimatet. Doch der Zweite Weltkrieg zerstörte das Geschäftshaus völlig. „Leider sind damals auch alle Erinnerungsstücke an die Vorfahren verloren gegangen“, bedauert Christoph Dreis.

Das Hutgeschäft zog zunächst zur Gruftstraße, Mitte der 1950er Jahre dann zur Ecke Kavarinerstraße/Große Straße. Dort ist es heute noch immer und präsentiert auf 60 Quadratmetern, was gerade in Sachen Kopfbedeckung angesagt, gesund und schön ist.

hut-online-shop

Unter dem Motto „Handel ist Wandel“ wurde im Jahre 2008 der stationäre Handel um den Online Shop www.hut-online-shop.de ergänzt. „Dadurch kommen sogar Kunden aus Düsseldorf nach Kleve“, freut sich Christoph Dreis.

Neben der großen Auswahl an Hüten und Mützen findet man im Fachgeschäft Herrenartikel wie Pullover, Pullunder, Westen und Hemden, Schirme und Accessoires.

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