Nahverkehrsplan

Wohin steuert der ÖPNV im Kreis Kleve?

Direkter Anschluss: Am Bahnhof in Kleve fällt der Umstieg von Bus auf Bahn leicht. Das ist nicht überall im Kreis Kleve so.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Direkter Anschluss: Am Bahnhof in Kleve fällt der Umstieg von Bus auf Bahn leicht. Das ist nicht überall im Kreis Kleve so. Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve.   Der neue Nahverkehrsplan stellt dem ÖPNV-Netz im Kreis Kleve ein zufriedenstellendes Zeugnis aus. Doch an dem Konzept wird auch Kritik laut.

Punktuelle Verbesserungen eines bereits tragfähigen ÖPNV-Angebots oder nur mutlose Versuche, die immer weiter auseinanderklaffende Qualität des Öffentlichen Personennahverkehrs anzugleichen: Die Meinungen zum jüngst vom Kreistag verabschiedeten Nahverkehrsplan für den Kreis Kleve gehen auseinander. Derweil haben die Arbeiten an den ersten beschlossenen Maßnahmen begonnen.

Der Kreis nimmt sich zunächst die Stärkung der Achsenverbindung Nimwegen-Kranenburg-Kleve-Emmerich über die Schnellbuslinie 58 und eine mögliche Herausnahme der Linie 50 zwischen Reichswalde Schule und Goch vor. „Die Abstimmungsgespräche zwischen dem Kreis, den betroffenen Kommunen und den Verkehrsbetrieben laufen“, teilt der Kreis Kleve auf NRZ-Anfrage mit. Die beiden Maßnahmen gehören zum sechsteiligen Konzept, das bis Ende 2019 geprüft und umgesetzt werden soll. „Aus dem Nahverkehrsplan werden sich einige Verbesserungen ergeben“, sagt Bruno Jöbkes, „aber er ist nicht der große Wurf, weil er von einem halbherzigen Geist getragen wird.“

„Olfener Modell“ testen

Der Kreissprecher von Bündnis 90/Die Grünen hatte sich von dem Konzept mehr erhofft als den „Erhalt des Status quo und wolkige Prüfversprechen, die meiner Befürchtung nach frühzeitig wieder aufgegeben werden könnten“. Eine bessere Anbindung der bislang kaum vom ÖPNV erschlossenen Ortsteile rund um Weeze oder eine vehementere Forderung nach einem zweiten Bahngleis zwischen Kleve und Krefeld vermisst Jöbkes beispielsweise.

Dagegen gefällt ihm die klare Betonung der Barrierefreiheit oder die Empfehlung, in drei Pilotkommunen das „Olfener Modell“ im Schülerverkehr zu testen. Damit können die Nachmittagsfahrten von der Schule nach Hause gebündelt werden, indem jeder Schüler eine persönliche Chipkarte erhält und eine Software die kürzeste Route ermittelt, ohne die nicht notwendigen Haltestellen anzufahren.

Kritik: keine aktive ÖPNV-Politik

Die im Nahverkehrsplan zu lesenden Feststellung, dass sich das ÖPNV-Netz im Kreis Kleve weitestgehend ohne größere Lücken und gravierende Mängel in der Erschließung auszeichne, kann der Fahrgastverband Pro Bahn nicht nachvollziehen. „Es kommt darauf an, welchen Anspruch man an das Angebot stellt“, sagt NRW-Pressesprecher Lothar Ebbers. Mit dem Nahverkehrsplan werde jedoch der unbefriedigende Zustand für Fernpendler oder im Freizeitverkehr für die nächsten Jahre fortgeschrieben.

Der Plan zeige auf, dass der Kreis keine aktivere ÖPNV-Politik als in den letzten Jahren betreiben wolle, obwohl der Stellenwert des Straßen-ÖPNV in dieser Zeit – von punktuellen Verbesserungen vor allem in Kleve abgesehen – immer weiter zurückgegangen sei.

Pro Bahn fordert Wettbewerb

In der Stellungnahme, die Pro Bahn dem Kreis mit konkreten Verbesserungsvorschlägen zukommen ließ, heißt es zudem: „Weiterhin sehen wir, dass das Gebot der Eigenwirtschaftlichkeit der Verkehre oberste Priorität genießt und damit die wenigen kleinen Verbesserungsansätze im Nahverkehrsplan wieder relativiert und ausgebremst werden.“ Es sei natürlich eine politische Entscheidung, ob man Geld für den ÖPNV in die Hand nehmen wolle oder nicht, stellt Lothar Ebbers fest. „Aber wenn man auf Eigenwirtschaftlichkeit setzt, dann muss man auch die Elemente des Wettbewerbs nutzen.“

Vor dem Hintergrund der Neuvergabe der Konzessionen vieler Buslinien im Kreis Kleve zum 1. Dezember 2019 kritisiert der Fahrgastverband, dass die „Linienbündelung passend auf die Interessen der Unternehmen Niag und BVR zugeschnitten werden sollen. Angebote anderer interessierter Unternehmen werden so eher unwahrscheinlich“. Der Nahverkehrsplan verteidigt dagegen die Entscheidung für zwei Linienbündel: Synergien bei der Einsatzplanung von Personal und Fahrzeugen führten wiederum zu niedrigeren Kosten für die Verkehrsunternehmen und damit auch den Kreis Kleve. Mit der Vorabbekanntmachung im europäischen Amtsblatt habe das komplexe Ausschreibungsverfahren mittlerweile begonnen, teilt der Kreis Kleve mit.

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